250 Jahre Auswanderung nach Russland

Vortrag in Lambrecht und Tagung in Kaiserslautern

Hat in der Pfalz sowie in Russland Tradition: Weinlese von deutschstämmigen Siedlern im Südkaukasus

Hat in der Pfalz sowie in Russland Tradition: Weinlese von deutschstämmigen Siedlern im Südkaukasus

Der Auswanderung von Deutschen, insbesondere von Pfälzerinnen und Pfälzern nach Russland vor 250 Jahren widmet sich ein Vortrag am Dienstag, 14. Januar, um 19.30 Uhr in der Pfalzakademie in Lambrecht sowie eine Tagung am 21. Januar von 10 bis 16 Uhr im Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern. Die Teilnahme an beiden Veranstaltungen ist frei; eine telefonische oder schriftliche Anmeldung ist aus organisatorischen Gründen in der jeweiligen Einrichtung des Bezirksverbands Pfalz erwünscht (Vortrag: Telefon 06325 1800-0, info@pfalzakademie.bv-pfalz.de ; Tagung: Telefon 0631 3647-303, info@institut.bv-pfalz.de)

Unter Zarin Katharina II. begann die planmäßig organisierte deutsche Einwanderung nach Russland. Ein Manifest vom Juni 1763 forderte bereits zum zweiten Mal zur Emigration nach Russland auf und sicherte den Zugewanderten Privilegien zu. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts warb Zar Alexander I. erneut um deutsche Ansiedler, die sich an der Wolga sowie im nördlichen Schwarzmeergebiet, vorwiegend um Odessa niederließen. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wanderten viele Russlanddeutsche aufgrund nationaler Tendenzen im Land nach Nord- und Südamerika aus. Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten verstärkte sich die antideutsche Stimmung in der 1922 gegründeten Sowjetunion. Im August 1941 deportierten die Machthaber die Russlanddeutschen in Gebiete jenseits des Urals (Sibirien, Kasachstan). Nach dem Zweiten Weltkrieg begann ihre Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland beziehungsweise DDR.

Im Vortrag in der Pfalzakademie Lambrecht, Franz-Hartmann-Straße 9, beleuchtet Institutsdirektor Roland Paul das Schicksal der Russlanddeutschen von den Anfängen der Auswanderung ab 1763 bis zur Rückwanderungsbewegung ihrer Nachfahren ab den 1950er Jahren. Die Tagung im Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, Benzinoring 6, bietet neben dem geschichtlichen Abriss außerdem einen Vortrag über „Bräuche und Feste der Russlanddeutschen“ von der wissenschaftlichen Institutsmitarbeiterin Barbara Schuttpelz sowie eine Lesung aus dem Buch „Die katholische Kirche an der Wolga und in Kasachstan“ von dem Kaiserslauterer Mediziner und Mikrobiologen Prof. Dr. Albert Obholz, der 1936 als Sohn von katholischen Russlanddeutschen bei Omsk geboren wurde. Seine Eltern stammten ursprünglich aus der Kolonie Mariental an der Wolga; die Hungersnot und die zwangsweise Kollektivierung der Bauern im Sowjetstaat zwangen die Familie 1933, das angestammte Gebiet zu verlassen und sich in Sibirien niederzulassen. Schließlich berichten ehemals rückgewanderte Zeitzeugen über ihr ganz besonderes Schicksal. In der Mittagspause gibt es russlanddeutsche Gerichte, die Olga Bardens aus Kaiserslautern zubereitet. Weitere Informationen unter www.pfalzakademie.de und www.pfalzgeschichte.de