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"Nur der Schüler wegen bin ich nach Gurs zurückgekommen." So schlicht und beeindruckend war nicht nur das Bekenntnis, sondern auch die Person, die es ablegte. 68 Jahre nach ihrer Deportation besuchte Margot Wicki-Schwarzschild auf Einladung des Bezirksverbands Pfalz zusammen mit 15 Schülerzeitungsredakteuren aus der Pfalz die Gedenkstätte am Fuße der Pyrenäen. Mit unablässiger Geduld und Ausdauer schilderte die 77-Jährige ihre Erlebnisse in der NS-Zeit und die Verschleppung ihrer Familie von Kaiserslautern nach Südwestfrankreich am 22. Oktober 1940. Die elf Schülerinnen und vier Schüler unterschiedlicher Schultypen aus allen Teilen der Pfalz hingen gleichsam an ihren Lippen, um zu erfahren, wie der Alltag im Lager aussah. Hunger, Ratten und Ungeziefer und die schier ungeheuren Schlammmassen machten den Insassen das Leben schwer und brachten vielen den Tod.

Margot Wicki-Schwarzschild, die mit neun Jahren nach Gurs kam und einen Winter dort zubringen musste, bevor sie in das Lager Rivesaltes verlegt wurde, war sichtlich gerührt von der Aufgeschlossenheit und dem Interesse der Jugendlichen. "Heute sieht alles so idyllisch aus", stellte sie beim Rundgang mit den Schülern durch das nach dem Krieg aufgeforstete ehemalige Lagergelände fest. Damals habe es dort keinen Baum oder Strauch gegeben, einzig der Anblick der Pyrenäen habe ihr Trost und Hoffnung gespendet. Wunder Punkt in ihrem Leben blieb und bleibt ganz offenbar das Verschwinden ihres Vaters, einem Juden, der in Auschwitz ums Leben kam. Das zufällig in die wenigen mitgenommenen Habseligkeiten gelangte Kommunionbild der Mutter rettete dem Rest der Familie das Leben. Margot und ihre zwei Jahre ältere Schwester Hannelore heirateten nach dem Krieg die Schweizer Brüder Wicki. Hannelore wurde Kindergärtnerin, Margot Dolmetscherin für Englisch und Französisch. "Ich bin sehr erleichtert, dass ich hier war", sagte sie am Ende des dreitägigen Aufenthalts in Gurs. Nun will sie wiederkommen, zusammen mit ihrem Mann und ihren vier Kindern, die zwischen 44 und 54 Jahre alt sind.

Die Schülerzeitungsredakteure, die nicht nur mit der Zeitzeugin sprechen und den dortigen Friedhof besuchen, sondern auch an der offiziellen Gedenkfeier der Arbeitsgemeinschaft zur Unterhaltung und Pflege des Deportiertenfriedhofs (der auch der Bezirksverband Pfalz angehört) und des Oberrats der israelitischen Religionsgemeinschaft Baden teilnehmen konnten, kehren mit vielen Eindrücken und Erfahrungen in die Pfalz zurück. Sie finden Niederschlag in den Schülerzeitungen ihrer Schulen, um ihren Mitschülern dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte näher zu bringen. "Es war gut und richtig, dass der Bezirksverband Pfalz die Schülerzeitungsredakteure nach Gurs eingeladen hat", resümierte Bezirkstagsvize Manfred Petry. Nur so könne es gelingen, dieses schreckliche Thema wieder ins pfälzische Bewusstsein zurückzuholen und zu verhindern, dass so etwas wieder passiere. "Dies ist eine gute Grundlage für weitere Fahrten nach Gurs und künftige Jugendprojekte des Bezirksverbands Pfalz."

Neben Petry, der zum vierten Mal die Gedenkstätte besuchte, gehörten der Delegation des Bezirksverbands Pfalz Altbezirkstagsvorsitzender Joachim Stöckle (CDU), Karl-Heinz Seebald (SPD), Eckhard Vogel (FWG), Walter Altvater (Grüne) und Alexander Dauenhauer (FDP) an. Begleitet wurden die 14- bis 20-jährigen Jugendlichen von Roland Paul vom Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, der seit mehr als 20 Jahren dem Schicksal der pfälzischen Juden auf der Spur ist, und Uwe Straß, der die Gedenkarbeit des Bezirksverbands Pfalz koordiniert. Die Reisegruppe aus der Pfalz wurde komplettiert vom Ethikkurs eines Neustadter Gymnasiums mit seiner Lehrerin Ruth Ratter, die zugleich Mitglied im Bezirkstag Pfalz ist; die Achtklässler konnten aufgrund der Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz die Fahrt nach Gurs antreten.

Die Schülerzeitungsredakteure, die sich Mitte Mai zu einer Nachbereitung in der Gedenkstätte KZ Osthofen treffen, bereichern auch die Ausstellung "Gurs - Erinnern und Gedenken", die am 14. Mai um 19 Uhr in der Pfalzbibliothek Kaiserslautern eröffnet wird. Neben Texten, Fotos und Abbildungen von Dokumenten zur Deportation der beiden Gurs-Überlebenden Paul Niedermann und Amira Gezow dokumentieren die Jugendlichen ihre Spurensuche. Die Ausstellung, die bis zum 27. Juni gezeigt wird, spannt damit den Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart. Die Pfalzbibliothek Kaiserslautern, Bismarckstraße 17, ist montags bis mittwochs von 9 bis 12.30 Uhr und 14 bis 16.30 Uhr, dienstags zusätzlich bis 18 Uhr, donnerstags durchgehend von 9 bis 16.30 Uhr und freitags ebenfalls durchgehend von 9 bis 15 Uhr geöffnet.

Nachricht vom Dienstag, 13. Mai 2008
Gedenkfeier auf dem Deportiertenfriedhof in Gurs: Bezirkstagsvize Manfred Petry mit SchülerzeitungsredakteurenRundgang durch das ehemalige Lager mit rekonstruierter Baracke: Margot Wicki-Schwarzschild schildert den Jugendlichen ihre Erlebnisse im Winter 1940/41Familienbildnis vor der Deportation, von links: Richard Schwarzschild mit seiner Frau Luise und den Töchtern Hannelore und Margot
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