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Spezialisierte Landwirtschaft – Risiko oder Chance?
Internationaler Agrarkongress in Speyer
Rund 400 Agrarwissenschaftler kamen in Speyer zu einem viertägigen Kongress des Verbands Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten (VDLUFA) zusammen, um über das Thema „Spezialisierte Landwirtschaft – Risiko oder Chance?“ zu diskutieren. Ihr Präsident, Prof. Dr. Franz Wiesler, wissenschaftlicher Direktor der LUFA Speyer, führte aus, dass an die Landwirtschaft „vielfältige Herausforderungen gestellt sind“. Sie soll gesunde Nahrungsmittel produzieren, Bioenergie erzeugen, die Artenvielfalt gewährleisten, die Kulturlandschaft erhalten und die Umwelt schützen. „Es ist die Aufgabe, diese verschiedenen Zielrichtungen auszubalancieren und das Spannungsverhältnis, in dem die Landwirtschaft steht, zu harmonisieren“, so Wiesler.
Norbert Schindler, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd, bezeichnete die Landwirte als Partner der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten. Ihn bewegte die Frage, wie die Landwirtschaft der Zukunft aussehen soll und ob ein Betrieb mit 1.000 Hektar Gemüsefläche und 2.000 Mitarbeitern noch als landwirtschaftlicher Betrieb gelten dürfe. Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder verwies darauf, dass die LUFA Speyer zum Bezirksverband Pfalz gehöre, der für zahlreiche Einrichtungen in der Pfalz verantwortlich sei beziehungsweise diese zusammen mit anderen Partnern trage.
Das diesjährige Thema „Spezialisierte Landwirtschaft – Risiko oder Chance?“ wird aus vier Perspektiven beleuchtet, und zwar aus ökologischer und ökonomischer Sicht sowie im Hinblick auf die Pflanzen- sowie Tierproduktion. Insgesamt finden rund 125 Vorträge und Posterbeiträge zu diesen Themenbereichen statt. Den Abschluss des Kongresses bildete eine agrarökologische Exkursion, die durch die typischen Landschaften der Pfalz führte.
Friedel Cramer vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, das die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen hat, hob die Bedeutung des VDLUFA hervor, der über hochrangige Experten verfüge, die für die Beratung der Politik zur Verfügung stünden und deren Wissen in die Gesetzgebung fließe. Der Kongress beleuchte den aktuellen Forschungsstand. Er wies darauf hin, dass sich die Pfalz zu einem der führenden Gemüseanbauregionen in Deutschland entwickelt habe. Diese hohe Produktionsintensität könne auch Nachteile für die Umwelt nach sich ziehen. „Die Fachleute widmen sich einem spannenden Thema, das die aktuelle Diskussionslage widerspiegelt“, bestätigte auch Staatssekretär Dr. Thomas Griese vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten. Immerhin 42 Prozent der Landschaft werde landwirtschaftlich genutzt, und in den zurückliegenden 50 Jahren habe eine „starke Spezialisierung“ stattgefunden. Sie sei mit einer „erheblichen Steigerung der Produktivität“ einhergegangen, und das „aufgrund der demographischen Entwicklung bei gleichbleibender Nahrungsmittelnachfrage“. Ein sehr niedriges Lebensmittelpreisniveau sei die Folge gewesen, was „ein ökonomisches Dauerproblem in der Landwirtschaft“ darstelle. So sei die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von 180.000 im Jahr 1960 auf 20.000 heutzutage zurückgegangen. Die Spezialisierung in der Landwirtschaft habe Auswirkungen auf die Landschaft und die Artenvielfalt, aber auch auf die ökonomische Anfälligkeit der Betriebe, was beispielsweise die EHEC-Infektionswelle oder Hagelschäden zeigten. Griese lobte in diesem Zusammenhang die zügige Reaktion der LUFA Speyer auf das EHEC-Problem, die seit dem Auftreten der Epidemie zahlreiche Analysen durchführt, und betonte die Bedeutung unabhängiger Untersuchungen.




