Als Burgenforscher einen Namen gemacht

Jürgen Keddigkeit vom Institut für pfälzische Geschichte in Ruhestand verabschiedet

Abschied mit Wehmut (von links): Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder

Abschied mit Wehmut (von links): Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder

„Als Historiker, Buchautor und Forscher haben Sie etwas Bleibendes hinterlassen und das Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde bestens vertreten. Für Ihr langjähriges Engagement, Ihre Kreativität und Kompetenz danke ich Ihnen im Namen des Bezirksverbands Pfalz sehr herzlich.“ Mit diesen Worten verabschiedete Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder den Historiker Jürgen Keddigkeit in Kaiserslautern in den Ruhestand, nachdem dieser am 22. März sein 65. Lebensjahr vollendet hat. Wieder kündigte an, dass der Bezirksverband Pfalz eine Aufgabe „fürs Abtraining“ gefunden habe: In den kommenden Jahren wird Jürgen Keddigkeit das „Pfälzische Klosterlexikon“ herausgeben, das „ein interessantes und ungelöstes Thema für unsere Region aufarbeitet“. Roland Paul, stellvertretender Institutsdirektor, würdigte nicht nur Keddigkeits vielfältiges Schaffen für den Bezirksverband Pfalz und sein Institut. Als Vorsitzender der Bezirksgruppe Kaiserslautern im Historischen Verein der Pfalz dankte er ihm für sein langjähriges Engagement als Schriftleiter des Jahrbuchs und kündigte an, Keddigkeit eine Festgabe in Form eines Jahrbuchs zu widmen.

Der langjährige Institutsdirektor Karl Scherer, der vor rund 30 Jahren Jürgen Keddigkeits regionalgeschichtliches Interesse erkannte und ihn förderte, stellte fest: „Wir sind einen langen Weg gemeinsam gegangen. Unser Ziel war es, hinauszugehen und über die Pfalz und ihre Geschichte überall zu berichten, wo wir gebraucht wurden.“ Ministerialrat Anton Neugebauer vom Mainzer Kulturministerium ging in seinem Festvortrag auf die Landesgeschichte ein, die „in Grenzen unbegrenzt“ sei, was bedeute, dass „sie immer auch große Geschichte“ umfasse; sie habe die Nähe zum Raum und zu den Menschen, ihre Inhalte aber seien universell. „Dem Bezirksverband Pfalz kann für die Unterhaltung des Instituts gar nicht genug gedankt werden“, so Neugebauer.

Jürgen Keddigkeit, 1946 in Kaiserslautern geboren, absolvierte zunächst eine Schlosserlehre, holte 1970 das Abitur nach und studierte von 1971 bis 1979 pfälzische Landeskunde, mittlere und neuere Geschichte sowie Germanistik in Heidelberg und Landau; in seiner Examensarbeit nahm er „Die staufische Pfalz zu Kaiserslautern“ unter die Lupe. 1980 und 1981 legte er seine erste und zweite Staatsprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen für Geschichte und Deutsch ab. Der damalige Institutsdirektor Karl Scherer, der einen Lehrauftrag an der Universität Landau hatte, veranlasste Keddigkeit, 1983 sein Magisterexamen mit dem Thema „Der Rückzug der deutschen Wehrmacht aus dem Raum der heutigen Pfalz in der Endphase des Zweiten Weltkriegs“ zu machen. Im gleichen Jahr kam er zum Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde des Bezirksverbands Pfalz, um alte Volksfeste und noch lebendiges Brauchtum in der Pfalz zu erfassen; die Ergebnisse des Projekts fasste er 1992 in dem Buch „Feste und Festbräuche in der Pfalz“ zusammen. 1986 folgte dann eine Festanstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Abteilungsleiter für pfälzische Geschichte. 1995 gab er mit anderen das Buch „Die Stunde null in einer pfälzischen Region. Dokumente, Bilder, Erinnerungen“, 1999 den Band „Die pfälzische Revolution 1848/49“ heraus. Mehr als zehn Jahre beschäftigte sich Keddigkeit mit der Herausgabe des vierbändigen „Pfälzischen Burgenlexikons“, das zwischen 1999 und 2007 erschien; das Standardwerk, das 555 Burgen der Region beschreibt, gehört zu den Bestsellern des Instituts. Ihm war die Wehmut anzumerken, mit der er seinen Abschied nahm: „Ich durfte – nicht ich musste – arbeiten; es hat mir immer Spaß gemacht und ich konnte mich frei meinen Aufgaben widmen.“