Altholzinsel bei Nothweiler gesichert

Lebensraum für Tiere und Pflanzen (von links): Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder, Revierbetreuer Edwin Schneider und Projektbetreuerin Sabine Hoos begutachten mit anderen die Altholzinsel

Lebensraum für Tiere und Pflanzen (von links): Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder, Revierbetreuer Edwin Schneider und Projektbetreuerin Sabine Hoos begutachten mit anderen die Altholzinsel

Die erste Vertragsunterzeichnung zur Sicherung einer Altholzinsel im EU-Projekt „LIFE Biocorridors“ ist vollzogen: In der Gemeinde Nothweiler befindet sich eine gut zwei Hektar große Waldfläche, die mittlerweile markiert und der darauf wachsende Baumbestand kartiert ist. Die Altholzinsel zeichnet sich durch eine Vielzahl von Kleinstlebensräumen für größere und kleinere Bewohner aus, wie zum Beispiel Specht-, Stamm-, Ast- und Wasserhöhlen, Kronenbrüchen, Rindenspalten, Flechten, Moose, Pilze und Vogelnester; sie sollen durch die neue Altholzinsel für die nächsten 30 Jahre geschützt werden. Der ungefähr 200 Jahre alte Buchen-Eichen-Wald bietet damit vielen Pflanzen- und Tierarten Schutz, Nahrung und Fortpflanzungsmöglichkeiten. „Nothweiler ist bereits seit den 1930er Jahren im Naturschutz aktiv“, sagte Ortsbürgermeister Kurt Görtler bei der Begehung des Geländes. „Dies ist die erste Gemeinde, mit der wir das LIFE-Biocorridors-Projekt verwirklichen“, informierte Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder. Projektbetreuerin Sabine Hoos vom Biosphärenreservat erläuterte die Maßnahme, bei der Korridore durch den Pfälzerwald gebildet würden, so dass sich dann durch diese „Trittsteine“ die Waldarten ausbreiten könnten. „Das Nothweilerer Gelände ist eine der schönsten Altholzinseln, die wir kartiert haben.“ Sie werde aus der Bewirtschaftung genommen, das heißt es finde hier kein Holzeinschlag statt. Als Entschädigung für den entgangenen Gewinn aus dem Holzverkauf erhalte die Gemeinde eine Förderung. Die Altholzinsel, die zu 53 Prozent aus Buchen, zu 29 Prozent aus Eichen, zu elf Prozent aus Kiefern, zu sechs Prozent aus Hainbuchen und zu einem Prozent aus Fichten bestehe, stelle in hohem Maß Lebensraum für Tiere und Pflanzen zur Verfügung, so Hoos.

Ralf Neuheisel, Leiter des Forstamts Wasgau, hob hervor, dass der Wasgau „gelebte Biodiversität ist und auch die Nähe zu Frankreich bietet“. „Diese Altholzinsel stellt einen Glücksfall dar“, berichtete Gemeindewaldbetreuer Edwin Schneider von Landesforsten Rheinland-Pfalz. Denn das Gelände biete einen großen Totholzanteil, der Rückzugsmöglichkeiten für die Natur biete. Dies sei ein entscheidender Unterschied von einem Wirtschaftswald zu einem sich selbst überlassenen Wald. „Wir brauchen beides.“ Er wies auch darauf hin, dass an frischem Totholz andere Tiere lebten als an altem Totholz, bei dem der Vorgang der Vergänglichkeit schon weiter fortgeschritten sei. Das Projekt, zu dem weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensraumvernetzung im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen gehören, wird von der EU, dem rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten und dem Bezirksverband Pfalz gefördert. Unterstützung erfährt es auch durch Landesforsten Rheinland-Pfalz und von Akteuren vor Ort.

Das EU-Projekt „LIFE Biocorridors“ will ein grenzüberschreitendes ökologisches Netzwerk im Biotopverbund Pfälzerwald-Nordvogesen schaffen. Hierfür werden verschiedene Maßnahmen in Wald, Wiesen und an Wasserläufen durchgeführt. So sollen beispielsweise Altholzinseln entstehen, die als Nahrungsquellen, Rückzugsorte und Lebensräume für Tiere und Pflanzen dienen, Fichten und Douglasien teilweise entnommen und Buchen, Erlen und andere Laubgehölze in Klumpen gepflanzt werden, um den Laubwaldanteil zu erhöhen. Beim Grünland geht es darum, die zurzeit brachliegenden nährstoffarmen, artenreichen und trockenen Magerwiesen durch Mulchen oder mit Handarbeit zu entbuschen, um das Zuwachsen der Flächen zu verhindern, damit Offenland wieder entsteht und eine Nutzung ermöglicht wird. Auch Feuchtwiesen sollen gemulcht werden, damit sie extensiv als Weide genutzt werden können. In alten Streuobstbeständen sind viele Obstbäume freizuschneiden und rund 500 neue zu pflanzen.