André Kertész: Budapest – Paris – New York

Fotografie-Ausstellung im Museum Pfalzgalerie

André Kertész

André Kertész

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) zeigt von 15. April bis 12. Juni mit der Ausstellung „André Kertész: Budapest – Paris – New York“ das Werk einer der herausragenden und berühmtesten Persönlichkeiten in der Geschichte der Fotografie: Kertész gilt als einer der stilistisch einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Sein Lebensweg führte von Budapest über Paris schließlich nach New York. Das fotografische Leitbild von André Kertész war die Erfassung der flüchtigen, emotionalen Momente des Lebens, er suchte die Entdeckung des Poetischen im Normalen. Die über 80 Arbeiten der Schau stammen aus einer Privatsammlung.

1894 in Budapest geboren erwarb Kertész 1912 seine erste Kamera und dokumentierte 1914 bis 1918 im Ersten Weltkrieg als Soldat das Kriegsgeschehen. 1925 zog er nach Paris und arbeitete als Fotoreporter für illustrierte Zeitschriften. Freundschaftlichen Umgang pflegte er mit Künstlerkollegen wie Man Ray, Fernand Léger, Piet Mondrian oder Brassaï. 1936 floh Kertész vor der Bedrohung in Europa nach New York. Nach schwierigen Anfängen in Amerika arbeitete er für Magazine wie Vogue oder House & Garden, bevor er sich von Beginn der 1960er Jahre an bis zu seinem Tod 1985 wieder seinem eigenen fotokünstlerischen Werk widmen konnte. 1952 zog Kertész in New York in die 5th Avenue – den Ausblick aus der Wohnung auf den Washington Square und die innerstädtische Umgebung hat er immer wieder variiert und neu gesehen.

Seine bedeutendsten Arbeiten, heute Inkunabeln der neueren Fotografiegeschichte, entstanden während seiner Zeit in Paris und schildern die faszinierenden Facetten der französischen Metropole aus der Sicht einer flaneurhaften Straßenfotografie. Ikonen der Sachfotografie, wie die berühmte Gabel (La fourchette), zeigen seine Verbindung zur Neuen Sachlichkeit, aber auch die Nähe zu konstruktiven und geometrisierenden Tendenzen, gefiltert durch die Liebe zu den Dingen.

Die Fotografie faszinierte den jungen Andor Kertész schon früh – sein erster Fotoapparat war eine kleine ICA-Box mit Platten im Format 4,5 x 6 cm. Boxkameras verwendete er bis in die 1920er-Jahre. Ab 1925 fotografierte Kertész für kurze Zeit mit einer Goerz-Anschütz Klappkamera (diese „Ango“-Handapparate galten als die ersten leistungsfähigen Pressekameras), bevor er 1928 seine erste Leica erwerben konnte. Die eben erst produzierte, handliche und schnell einsetzbare Kleinbildkamera war wie geschaffen für Kertész: Street Photography beginnt bei ihm. Farbfotografie und von 1979 an auch Polaroidfotografie bilden nur einen kleinen Teil des Werkes, der in dieser Ausstellung bewusst zugunsten von Kertész’ klassischer schwarz-weiß Fotografie unberücksichtigt bleibt.

Zur Ausstellung liegt das Buch „Positionen der modernen Fotografie“, herausgegeben von Silke von Berswordt-Wallrabe und Friederike Wappler, Stiftung Situation Kunst, Bochum 2009 (ISBN 978-3-941778-00-9), vor. Die Publikation mit dem Umfang von 214 Seiten und zahlreichen Abbildungen kostet 18 Euro. Während der Laufzeit der Ausstellung kann das Buch an der Museumskasse zum Preis von 14 Euro erworben oder online bestellt werden unter www.mpk.de.

Während der Laufzeit der Ausstellung „André Kertész“ zeigt das mpk im Ostflügel seiner Schauräume als begleitende Schau Fotografie aus den Beständen der Graphischen Sammlung des Hauses. Auszug aus der Künstlerliste: Matthias Baus, Boris Becker, Eberhard Boßlet, Jörg Czeschla, Camille Corot, Eugène Delacroix, Götz Diergarten, Thomas Florschütz, Hans Günther Hausen, Marta Hoepffner, Sigmar Polke, Tony Soulié.