Anselm Baumanns Haken, Löcher und Geschmeide

Installation regt zu Neuentdeckung der Schmiedeeisensammlung des Museums Pfalzgalerie an

Im Dialog: Anselm Baumanns Detail der „Klever Hängung“ von 2010 kombiniert mit einem Gitter von einem Treppenlauf im Museum Pfalzgalerie vom Ende des 18. Jahrhunderts

Im Dialog: Anselm Baumanns Detail der „Klever Hängung“ von 2010 kombiniert mit einem Gitter von einem Treppenlauf im Museum Pfalzgalerie vom Ende des 18. Jahrhunderts

Mit der Ausstellung „Haken, Löcher und Geschmeide“ im Museum Pfalzgalerie Kaiserlautern (mpk) schafft der Frankfurter Künstler Anselm Baumann eine Installation, die dazu anregt, die hauseigene Schmiedeeisensammlung neu zu entdecken. Die Ausstellung wird am Dienstag, 15. Mai, um 19 Uhr in Gegenwart des Künstlers eröffnet und ist bis 22. Juli zu sehen. Baumann erklärt die klassische Kunstform des Reliefs zum Bindeglied zwischen seiner Installation und Werken aus der Sammlung: Barocke Objekte wie Treppenläufe oder Gitter sind schon durch ihre Präsentation im „Kunstraum“ Museum ihres ursprünglich funktionalen Zusammenhangs enthoben. Sie werden nun durch Baumann in ihrer bildlich-ornamentalen Erscheinung zur Geltung gebracht. Er hinterfragt die Grenze zwischen angewandter und autonomer Kunst und eröffnet im Dialog mit eigenen Werken neue Perspektiven auch für die Betrachtung der Gegenstände der Sammlung.

In einem Museum sind diese ihrer praktischen, in der Erde verankerten Träger wie Pfosten oder Wände enthoben. Wie aber lassen sich diese aufgrund ihres ornamentalen Mehrwerts zur Kunst erklärten Gegenstände in dem entfremdeten Zusammenhang eines Kunstraums präsentieren?

Baumann setzt dafür eigens für die Sammlung gestaltete Träger und Haken ein. Welche Träger oder Haken aber vermögen nun ihren eigenen Status zu veranschaulichen. Auf der Basis seines künstlerischen Ansatzes entwickelt Baumann bildhauerische Trägerformen, die den formalen Schönheitsanspruch vergangener Epochen an den heutigen Standard von Kunst binden und zugleich die Hängung als praktische Bedingung von Kunstpräsentation thematisieren. Dass die Haken dabei nicht rein funktional, sondern als Kunstobjekte auftreten, versteht sich von selbst. Mit welchen eigenen Reliefformationen der Künstler zudem die Grenze zwischen praktischer Notwendigkeit und künstlerischem Formenfluss zum Ausdruck bringt, bleibt ein Überraschungsmoment bis zur Eröffnung.

Baumann, 1958 in Freiburg im Breisgau geboren, begann dort seine Ausbildung mit einer Bildhauerlehre an der Münsterbauhütte. Schon früh für ein Stipendium an die School of Visual Arts in New York empfohlen, entwickelte er in den letzten Jahren vor allem Installationen, die er als Gewinner geladener Wettbewerbe realisieren konnte. Zurzeit lehrt er an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung freies plastisches Gestalten.

Die Ausstellung widmet sich erneut dem Zusammenschluss der Wurzeln des Hauses als Gewerbemuseum und seiner aktuellen Ausstellungstätigkeit, vor allem zeitgenössische Kunst zu zeigen. Den Auftakt bildete im vergangenen Herbst die Berliner Künstlerin Juliane Laitzsch, die in ihrem Projekt „Der Garten zum Quadrat“ der Glas- und Keramiksammlung mit Zeichnungen begegnete und dabei neue Ansätze unterschiedlicher Vorstellungs- und Denkräume auslotete.

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Museumsplatz 1, ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und dienstags von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter www.mpk.de. Zur Ausstellung, erscheint ein 64-seitiger Katalog mit Texten von Rike Felka und Svenja Kriebel sowie zahlreichen Abbildungen, der für 12,50 Euro (ISBN 978-3-89422-178-2) an der Museumskasse erhältlich ist.