Auerochsen, Esel und Ziegen als Landschaftspfleger

Zwischenstand beim Gräfenhausener Beweidungsprojekt

Weist Interessierten und Wanderern den Weg: Andrea Schneider und Helmut Schuler begutachten das neue Schild

Weist Interessierten und Wanderern den Weg: Andrea Schneider und Helmut Schuler begutachten das neue Schild

Ortstermin in Gräfenhausen bei Annweiler: Dort grasen derzeit elf Auerochsen, fünf Ziegen und vier Esel auf einem 13 Hektar großen Gelände und versuchen, die Fläche von Gestrüpp, wie zum Beispiel Brombeeren, freizuhalten. Und das ist gar nicht so einfach, wie sich Helmut Schuler vom Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen, Richard Dümmler von der Unteren Naturschutzbehörde des Landeskreises Südliche Weinstraße und Projektinitiatorin Andrea Schneider überzeugen konnten, die sich mit dem Beweider Bernd Völlinger aus Venningen trafen. Seit 2015 werden die Tiere dafür eingesetzt, das Gebiet offen zu halten, das schon einmal gänzlich zugewuchert war und mit einer Mulchraupe freigeschnitten werden musste, bevor die Tiere ihre Arbeit aufnehmen konnten. Die Mischbeweidung hat Modellcharakter, da die verschiedenen Tierarten ein unterschiedliches Weideverhalten haben. Während die Auerochsen in erster Linie Grasfresser sind und auch junge Triebe abreißen, knabbern die Esel und Ziegen so ziemlich alles runter. Holz und Rinde verschmähen die Tiere ebenfalls nicht. Dadurch entsteht ein reich strukturiertes Landschaftsmosaik, was für unterschiedliche Arten des Offenlandes besonders wichtig ist. Dies bedeutet aber auch, dass wertvolle Einzelbäume gegen den Verbiss geschützt werden müssen.

Obwohl die Tiere vieles abgrasen, haben sie mit den zu zahlreich vorkommenden Brombeeren und Schlehen ihre Probleme, da der Weidedruck noch nicht groß genug ist. Um sie in ihrer Arbeit zu unterstützen, da sind sich die Projektpartner bei der Begehung einig, muss noch einmal gemulcht werden, auch sollten zukünftig bestimmte Problembereiche für eine intensivere Beweidung abgegrenzt werden, um das Gebiet weiterhin positiv zu entwickeln. Und die Überraschung ist groß, als die Projektpartner ein neugeborenes Kälbchen – noch von der Geburt erschöpft – auf der Wiese liegen sehen. Die 18-jährige Elsa bewacht mit Argusaugen ihren Nachwuchs; Bulle Franz blickt da schon gelassener.

Der Wingertsberg in Gräfenhausen wurde jahrhundertelang bis in die 1970er Jahre intensiv für den Obst- und Weinbau genutzt. Doch da die Steilhanglage in unmittelbarer Ortsnähe schwer zu bewirtschaften war, ließ man das Gelände verbuschen und seltene Vogelarten, wie Wendehals und Ziegenmelker, sowie Zauneidechsen drohten zu verschwinden. Vom Wingertsberg hatte man ursprünglich einen schönen Blick auf die Burgendreifaltigkeit Trifels, Anebos und Münz, der zunehmend verlorenging. Hier trat die Winzerin Andrea Schneider auf den Plan, die sich stark für den Tourismus in ihrem Heimatort engagiert und suchte nach einer kostengünstigen Lösung. Die rund 200 Grundstücke wurden durch das Land gekauft beziehungsweise von der Stadt Annweiler gepachtet, um eine große Beweidungsfläche zu erhalten. Die Kreisverwaltung sorgte für die Entbuschung, den Zaunbau und einen Unterstand für die Tiere. Als Projektratgeber kam das Biosphärenreservat mit ins Boot. Ein gut drei Kilometer langer Rundweg mit Start am alten Schulhaus und dem Rastplatz „Drei-Burgen-Blick“ erschließt nun das Gelände. Mehrere neu aufgebaute Informationstafeln weisen entlang des Beweidungsgebiets dem Besucher den Weg und erläutern das Vorhaben.