Bezirksverband Pfalz kauft erneut Slevogt-Gemälde an

„Max Cassirer“-Porträt bleibt im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Ehemals NS-Raubkunst: Max Slevogts „Porträt des Stadtrats Max Cassirer“ von 1907

Ehemals NS-Raubkunst: Max Slevogts „Porträt des Stadtrats Max Cassirer“ von 1907

Das während des Nationalsozialismus zwangsenteignete und 1996 von der Pfalzgalerie in Kaiserslautern aus Privatbesitz erworbene „Porträt des Stadtrats Max Cassirer“ von Max Slevogt hat der Bezirksverband Pfalz erneut angekauft. Er setzt damit freiwillig einen Schlusspunkt unter die rechtlich nicht mehr einklagbare Rückerstattungsforderung der Schweizer École d’Humanité, eine Privatschule, die das Cassirer-Erbe antrat. „Wir fühlen uns moralisch verpflichtet, das Unrecht, das einst der Familie Cassirer widerfahren ist, auszugleichen“, begründete Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder den Wiederankauf. „Wir erkennen die historische Verantwortung an und wollen uns im Rahmen der völkerrechtlichen Erklärungen bewegen.“ Das 130 mal 110 Zentimeter große Ölgemälde von 1907 gehört zum Slevogt-Bestand des Museums Pfalzgalerie, der 20 Werke umfasst. „Es fügt sich in die Reihe der Slevogt-Porträts, bereichert die Sammlung des Museums und ist kunsthistorisch interessant, da die Familie Cassirer Galeristen und Förderer vieler Künstler des 20. Jahrhunderts waren“, erläuterte Pfalzgalerie-Direktorin Dr. Britta E. Buhlmann. Imke Gielen von der Rechtsanwaltskanzlei von Trott zu Solz Lammek, die die Erben vertritt, sagte: „Wir halten die gefundene Lösung für gerecht und danken dem Bezirksverband Pfalz für seine faire Behandlung des Anliegens der École d’Humanité.“

Der 1857 geborene Max Cassirer entstammte einer deutsch-jüdischen Unternehmerfamilie und studierte zunächst Medizin. 1887 siedelte sich der Baufabrikant und Besitzer mehrerer holzverarbeitender Betriebe im damals noch eigenständigen Charlottenburg bei Berlin an, wo er auch kommunalpolitisch wirkte. Im Laufe seines Lebens unterstützte er verschiedene künstlerische Aktionen, sammelte Kunstwerke und engagierte sich im sozialen Bereich. So finanzierte er beispielsweise die legendäre Odenwaldschule, die 1910 von Cassirers Tochter und Schwiegersohn, Edith und Paul Geheeb, gegründet wurde; nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierten die Reformpädagogen in die Schweiz und eröffneten dort 1934 die Internatsschule École d’Humanité. Max Cassirer, 1920 zum Ehrenbürger Charlottenburgs ernannt, wurde enteignet. 1938 gelang ihm die Flucht in die Schweiz, dann nach Großbritannien, wo der 85-Jährige Anfang 1943 verarmt in Wales starb.

Max Cassirers umfangreiche Kunstsammlung wurde von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und versteigert. So gelangte das „Porträt des Stadtrats Max Cassirer“ 1943 in den Besitz des Hamburger Arztes und Kunstsammlers Dr. Georg Glaubitz, der es 1944 seiner Tochter Eleonore zum 21. Geburtstag schenkte. Sie verkaufte es 1996 für rund 25.000 Euro an die Pfalzgalerie, die es bereits als Dauerleihgabe beherbergte. 2009 stellte die École d’Humanité als Rechtsnachfolgerin von Max Cassirer – Edith Geheeb starb 1982, der 15 Jahre ältere Paul Geheeb 1961 – den Antrag auf Rückerstattung des Slevogt-Gemäldes. Nachdem der unrechtmäßige Entzug während der NS-Zeit zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, zahlte der Bezirksverband Pfalz erneut eine Summe von über 25.000 Euro als Wiedergutmachung, obwohl die Ansprüche verjährt und damit nicht mehr einklagbar sind. Das Cassirer-Porträt ist zusammen mit anderen Slevogt-Gemälden in der Dauerausstellung im zweiten Obergeschoss zu sehen. Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Museumsplatz 1, ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr sowie an Ostersonntag und -montag und dienstags von 11 bis 20 Uhr geöffnet; an Karfreitag bleibt das Haus geschlossen. Weitere Informationen unter www.pfalzgalerie.de.