Carola Tuteurs Schulkameradin besucht Pfalzbibliothek

Bewegende Ausstellung endet am 1. Februar – Teile davon wandern nach Boston

Ehemalige Schulkameradin von Carola Tuteur besucht Ausstellung: Herta Rink (links) mit Kuratorin Claudia Germann und Institutsdirektor Roland Paul

Ehemalige Schulkameradin von Carola Tuteur besucht Ausstellung: Herta Rink (links) mit Kuratorin Claudia Germann und Institutsdirektor Roland Paul

Nur noch bis 1. Februar ist die Ausstellung zum Schicksal der jüdischen Kinder Carola und Claus Tuteur aus der Kaiserslautern in der Pfalzbibliothek Kaiserslautern, Bismarckstraße 17, zu sehen (Eintritt frei), die seit Mitte November zahlreiche Besucherinnen und Besucher bewegt. Kürzlich reiste sogar eine ehemalige Schulkameradin Carolas aus Möckmühl bei Heilbronn zusammen mit ihrer Nichte an, um sich die Erinnerungsstücke anzuschauen. Herta Rink, wie Carola Tuteur 1925 in Kaiserslautern geboren, hatte mit dem jüdischen Mädchen Mitte der 1930er Jahre die Schulbank im Institut der Franziskanerinnen gedrückt. Sie sei gut mit ihr bekannt gewesen, berichtet die 88-Jährige, die rund 80 Jahre in der Parkstraße der westpfälzischen Stadt gelebt hat, bis sie vor fünf Jahren aus Altersgründen zur Tochter ihrer 1997 verstorbenen Schwester gezogen ist. „Carola war eine gute Schülerin, ein freundliches und gescheites Mädchen“, erzählt Herta Rink lebhaft, aber auch mit wehmütigem Blick, als sie von den Ausstellungsmachern, Institutsdirektor Roland Paul und Pfalzbibliothekskuratorin Claudia Germann, Näheres über den weiteren Lebens- und Leidensweg Carolas erfuhr.

Die Kinder des Rechtsanwalts Paul Tuteur und seiner Frau Charlotte, die in der Kaiserslauterer Alleestraße aufwuchsen, wurden 1938 nach Belgien gebracht, wo die Eltern sie in Sicherheit glaubten. Als die Tuteurs 1939 nach England emigrierten, misslang der Versuch, die Kinder zu sich zu holen. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Belgien 1940 wurden die Kontakte immer weniger, bis sie schließlich ganz abbrachen. Carola und der zwei Jahre jüngere Claus, die bis Weihnachten 1943 in einem Versteck bei Brüssel lebten, wurden durch einen dummen Zufall von NS-Schergen gefasst, gefoltert, interniert und an Ostern 1944 nach Auschwitz deportiert. Da ihr genaues Todesdatum nicht bekannt ist, steht auf der 1955 verfassten Todeserklärung das Datum des Kriegsendes, der 8. Mai 1945. Paul und Charlotte Tuteur, die 1946 aus England in die Pfalz zurückkehrten, haben den Tod ihrer Kinder im Konzentrationslager nie verwunden. Er starb 1952 im Alter von 71 Jahren als gebrochener Mann, seine Frau überlebte ihn um 16 Jahre. Ihre letzte Ruhe fanden beide auf dem jüdischen Friedhof in Kaiserslautern.

Herzstück der Ausstellung „Mög‘ der Himmel dich bewahren“ ist das Poesiealbum von Carola Tuteur, das die Bibliothek des Bezirksverbands Pfalz von einem belgischen Antiquar erwerben konnte. Es enthält zahlreiche Einträge, die Angehörige, Lehrerinnen und Freunde verfasst hatten. Zudem sind unter anderem ein Brief Carolas an ihre Eltern, Fotos, Dokumente sowie Nachrichten zu sehen, die die Großmutter der Kinder über den Auslandsdienst des Deutschen Roten Kreuzes an deren Eltern nach England geschickt hatte. Im Juni zeigt Roland Paul die wichtigsten Blätter der Ausstellung in Boston bei einem Familientreffen der Tuteurs, wo er auch einen Vortrag über das besondere Schicksal von Paul, Charlotte, Carola und Claus Tuteur hält. Die Pfalzbibliothek Kaiserslautern, Bismarckstraße 17, ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Bei Bedarf gibt es für Schulklassen Führungen durch die Ausstellung; Lehrkräfte sollten sich unter der Telefonnummer 0631 3647-111 anmelden.