Das Selbst im Kopf

Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern zeigt herausragende Künstlerselbstbildnisse

Bemerkenswertes Ölgemälde: Max Slevogts „Selbstbildnis“ von 1907

Bemerkenswertes Ölgemälde: Max Slevogts „Selbstbildnis“ von 1907

Unter dem Titel „Das Selbst im Kopf“ zeigt das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern vom 25. Mai bis 21. August Künstlerselbstbildnisse des 20. Jahrhunderts in einer konzentrierten Übersicht. Die Ausstellung mit rund 60 Gemälden und Graphiken international bekannter Künstler wird am Dienstag, 24. Mai, um 19 Uhr von Dr. Annette Reich und Dr. Heinz Höfchen vom Museum des Bezirksverbands Pfalz eröffnet.

Rembrandts berühmtes, radiertes „Selbstbildnis mit Säbel“ begrüßt die Besucher als Auftakt zur Ausstellung und verweist auf die lange und große kunsthistorische Tradition des Themas seit der Renaissance. Fokussiert auf die Moderne, stellt die Schau die Auseinandersetzung des Künstlers mit der eigenen Physiognomie und der eigenen Körperlichkeit in den Diskurs. Die Arbeiten sind Ausdruck der Befindlichkeit und Spiegel des Selbst, zeigen aber auch Zweifel und Verzweiflung am Ich im Sinne des französischen Dichters Arthur Rimbaud: „Ich ist ein Anderer“– das heißt ein Selbstbildnis kann alles Menschliche reflektieren. Es kann die Einstellung des Künstlers zum Leben und zum Tod aufzeigen, es kann der Selbstinszenierung dienen oder Einblick in die Grundlagen schöpferischer Existenz gewähren, es kann nachdenklich oder spontan sein, es ist aber vor allem eines: nächst am Künstler, denn ein persönlicheres Zeugnis ist kaum denkbar.

Den bemerkenswerten Sammlungsbestand des Museums Pfalzgalerie an Selbstbildnissen zeigt besonders deutlich eine Gruppe von rund 20 Arbeiten der deutschen Impressionisten Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth, wobei alle drei Hauptmeister des Stils mit prägnanten, wichtigen Gemälden und Graphiken vertreten sind. Max Beckmann, der große Einzelgänger des Expressionismus, wird mit fünf Exponaten vorgestellt, Käthe Kollwitz mit einer Suite eindringlicher Arbeiten, darunter das bedeutende, um 1923 entstandene „Selbstbildnis mit zwei Händen links“. Rudolf Levy hat insgesamt nur vier Selbstbildnisse geschaffen, von denen sich drei im Besitz des Museums Pfalzgalerie befinden. Sein „Selbstbildnis IV“ entstand 1943 im italienischen Exil und ist das letzte Bild, das Levy vor seiner Verhaftung durch die Nationalsozialisten und seinem Tod während seines Transports ins Konzentrationslager vollenden konnte – es zeigt die existenzielle Not und Gefahr, in der er sich zu diesem Zeitpunkt befand.

Das Thema des gesichtslosen Porträts beleuchtet ein kleiner Ausblick auf künstlerische Positionen des 21. Jahrhunderts. Eine spannungsvolle Balance zwischen Identität und Nicht-Identität, Vertrautheit und Fremdheit ruft Neugierde, Erstaunen hervor und wirft Fragen auf. Verkörpern die Bildnisse ohne Antlitz in ihrer scheinbar unvollendeten Form eine Art Ortlosigkeit der menschlichen Existenz oder die Suche nach einer übernatürlichen, transzendenten Erfahrung? Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler setzen sich mit dem eigenen „Selbst im Kopf“ auseinander und verleihen dem Rätsel menschlicher Natur Ausdruck und Form. Beispiele hierfür sind Werke von Franz Bernhard, Annegret Hoch, Leiko Ikemura, Martin Streit und Heike Kati Barath. Letztere thematisiert das Bildnis humorvoll, monströs und makaber auch in ihrer variantenreichen, großen Werkschau im Erdgeschoss des Museums, die ebenfalls bis 21. August zu sehen ist. Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Museumsplatz 1, ist mittwochs bis sonntagsvon 10 bis 17 Uhr unddienstags von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Einige Veranstaltungen und Kreativangebote für Kinder begleiten die Ausstellung. Weitere Informationen unter www.pfalzgalerie.de.