Die Auswanderung nach Galizien im 18. Jahrhundert

Verlängerte Öffnungszeiten des Instituts am Vortragsmittwoch

Postkarte von 1942: Straßenzug in Deutsch-Golkowitz in Galizien

Postkarte von 1942: Straßenzug in Deutsch-Golkowitz in Galizien

„Die Auswanderung nach Galizien im 18. Jahrhundert und das Schicksal der Galiziendeutschen“ – so lautet der Vortrag von Dr. Christian Heinz aus dem ukrainischen Lemberg am Mittwoch, 14. Mai, um 19.30 Uhr im Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, Benzinoring 6 (Eintritt frei). Die Beschreibung von Ursachen und der Verlauf der Auswanderung nach Galizien, die Siedlungstätigkeit und die Ortsgründungen sind ebenso Themen des Vortrags wie die leidvolle Umsiedlung der Galiziendeutschen 1939/40 in den sogenannten „Reichsgau Wartheland“. Heinz, 1968 in Idar-Oberstein geboren, lebt seit 20 Jahren in Lemberg/Ukraine. Bereits in der Schulzeit wurde sein Interesse für den Osten geweckt. Er studierte Geographie in Deutschland und Lemberg (Lviv) sowie Politikwissenschaft und Slawische Philologie und ist heute als Lehrbeauftragter für Schulen und Hochschuleinrichtungen in der Ukraine tätig. Ende der 1990er Jahre betreute er am Kaiserslauterer Institut des Bezirksverbands Pfalz das damalige „Galiziendeutsche Heimatarchiv“ und erstellte ein vorläufiges Findbuch.

Seit Beginn des 18. Jahrhundert wanderten zahlreiche Menschen in einem kontinuierlichen Strom aus dem südwestdeutschen Raum aus und suchten eine neue Heimat in der Fremde. Die Bereitschaft zum Wegzug wurde unter anderem durch die Kolonisationsbestrebungen der Landesherren verstärkt, die den Auswanderern günstige Siedlungsbedingungen offerierten. Ab etwa 1760 betrieben Kaiserin Maria Theresia und ihr Sohn Kaiser Joseph II. eine planmä­ßige Einwanderungspolitik, um den nur dünn besiedelten südlichen Teil der ungarischen Tiefebene durch deutsche Bauern kultivieren zu lassen. Das von Joseph II. 1782 erlassene „Ansiedelungs-Patent“ war – nicht zuletzt dank der Tätigkeit der pfälzischen „Werbezentrale“ in der österreichischen Grafschaft Falkenstein (Winnweiler) – rasch überall in der Pfalz verbreitet. Zahlreiche Pfälzer wanderten dann zwischen 1782 und 1787 und in einer zweiten Welle nach 1800 in Galizien ein, dem östlich des Weichseloberlaufs gelegenen und jahrhundertelang zu Polen gehörenden Gebiet, das bei der ersten polnischen Teilung (1772) von Österreich vereinnahmt worden war. Im Umkreis von Lemberg ent­standen zahlreiche pfälzische Siedlungen, die über Generationen hinweg Bestand hatten.

Erneut bietet das Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde am Vortragsmittwoch verlängerte Öffnungszeiten bis 19 Uhr an. Ansonsten können historisch Interessierte und Forscher die Einrichtung des Bezirksverbands Pfalz am Kaiserslauterer Benzinoring 6 montags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 12 Uhr besuchen.