Eingebrannte Schreckensbilder

Vortrag zur Ausstellung „Apocalypse Now!“ mit Dr. Hartmut Jatzko

Arbeit von Josef Rosalia Hein: „Apocalypto“ aus dem Jahr 2011 (Öl auf Holz)

„Eingebrannte Schreckensbilder“, so lautet der Vortrag von Dr. Hartmut Jatzko am Dienstag, 10. Februar, um 18 Uhr (Eintritt frei) zur Ausstellung „Apocalypse Now! — Visionen von Schrecken und Hoffnung in der Kunst vom Mittelalter bis heute“, die derzeit im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) zu sehen ist. Der Arzt und Psychotherapeut begleitet zusammen mit seiner Frau, der Gesprächstherapeutin Sybille Jatzko, seit 30 Jahren traumatisierte Opfer und Hinterbliebene von Großkatastrophen – zum ersten Mal 1988 nach der Flugschau-Katastrophe auf dem US-Militärflughafen in Ramstein, nur wenige Kilometer von Kaiserslautern entfernt. Die Bilder liefen damals auf allen Nachrichtenkanälen. Verstörende Amateuraufnahmen kursieren bis heute im Netz und können jederzeit abgerufen werden. Den überlebenden Opfern und den Angehörigen haben sich die Bilder des Schreckens in ganz anderer Weise eingebrannt. Die neuronalen Spuren lassen sich genauso wenig tilgen, wie die Bilder im Netz – mit gravierenden Folgen für die psychische Gesundheit. Das gilt auch für andere Katastrophen: 9/11, der Tsunami in Südostasien, die Tunnelpanik bei der Duisburger Love-Parade. Jatzko widmet sich unter anderem Fragen, ob es Berührungen zwischen den Bildwelten der Apokalypse und solchen traumatischen Erfahrungen mit Katastrophen gibt, ob sich apokalyptische Texte und Bilder als Verarbeitungsversuche verstehen lassen und ob sie vielleicht sogar eine therapeutische Funktion haben.

Der Vortrag zur Ausstellung wird in Kooperation mit der Evangelischen Akademie der Pfalz angeboten. Die mit 320 Arbeiten von 80 Künstlern groß angelegte Schau spannt einen kunst- und kulturhistorischen Bogen, indem sie Werke auf Papier von der karolingischen Zeit (um 800) bis in die jüngste Gegenwart versammelt und dabei auch populäre Bildmedien wie Comics und Graphic Novels berücksichtigt. Zur Ausstellung des Museums Pfalzgalerie Kaiserslautern, Museumsplatz 1, das mittwochs bis sonntags sowie feiertags von 10 bis 17 Uhr und dienstags von 11 bis 20 Uhr geöffnet ist, gibt es einen opulenten Katalog. Weitere Infos unter www.mpk.de.