Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis 2012 vergeben

Dramatikerpreis an René Pollesch – Stückepreis an Nina Büttner

Der Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis 2012 des Pfalztheaters Kaiserslautern im Auftrag der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur geht an René Pollesch. Damit erhält Pollesch den mit 15.000 Euro höchstdotierten Dramatikerpreis der Bundesrepublik, der seit 1993 ausgelobt wird, für sein dramatisches Gesamtwerk. Die Preisjury, bestehend aus Prof. Dr. Franziska Schößler, Jürgen Berger, Wolfgang Bergmann, Gerhard Jörder und Ulrich Khuon, unter Vorsitz von Pfalztheater-Intendant Johannes Reitmeier, hat sich einhellig für die Preisvergabe entschieden.

René Pollesch, gegenwärtig einer der produktivsten Autoren und Regisseure, hat in den letzten Jahren eine hoch innovative Variante des Sprechtheaters entwickelt: Seine Figuren spielen keine Rollen, sondern sprechen in rasantem Tempo einen Text, der sich aus Theoriefragmenten, Alltagserfahrungen und Beschimpfungen zusammensetzt. Die Theoriezitate (von Foucault, Agamben, Butler, Haraway und anderen) dienen dabei, so hat Pollesch selbst erklärt, der Selbstvergewisserung im Alltag, liefern also im Anschluss an Bertolt Brecht eher Gebrauchswissen als Abstraktion. Den Sprechern bleibt oft nur der Schrei, um das Unbehagen an der Existenz zu artikulieren. Pollesch formuliert damit auch eine Kritik am traditionellen Theater, allem voran an den immer noch patriarchalen Geschlechterverhältnissen und einer heterosexuellen Norm. In Produktionen wie „Ein Chor irrt sich gewaltig“ und „JFK“ werden die gängigen Klischees der Geschlechterordnung vorgeführt und lustvoll demontiert. Gleichzeitig hat Pollesch ein unübertreffliches Gespür für die Sinnlichkeit von Popkultur, sei es Boulevardtheater, Kino oder Schlager und nutzt diese Formate geschickt, um sein Publikum auf ebenso intellektuelle wie heitere Weise zu unterhalten.

Mit dem Else-Lasker-Schüler-Stückepreis 2012 wird Nina Büttner für ihr Stück „Schafinsel“, verlegt bei Hartmann & Stauffacher, ausgezeichnet. Das Preisgeld beläuft sich auf 5.000 Euro. Die Preisträgerin hat außerdem die Möglichkeit, als Theater-schreiberin für das Pfalztheater zu arbeiten. Büttners „Schafinsel“ ist ein spielfreudiges Prekariatsstück zwischen Boulevard und Tragödie, das bei aller Komik von männlicher Gewalt und den Listen der Frauen erzählt. Die burlesken, aber auch schmerzhaften Begegnungen der Klassen (die sich kaum mehr unterscheiden) finden in einer facettenreichen Sprache statt: Kalauer und komödiantisch-drastische Maximen stehen neben der Sprache des Hasses und lyrischen Phantasien. Nina Büttners Schauspiel wird am Pfalztheater Kaiserslautern uraufgeführt werden.

Die Preisverleihung für beide Preise findet am 23. Mai 2012 in Mainz statt und wird von Ministerpräsident Kurt Beck vorgenommen.