Finsternis wirft keine Schatten

Preisträgerausstellung zum Pfalzpreis für Bildende Kunst

Intensive Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur: „Oria – Reise in die Vergangenheit“ von Josef  Rosalia Hein (ehemals Josef P. Werner)

Intensive Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur: „Oria – Reise in die Vergangenheit“ von Josef Rosalia Hein (ehemals Josef P. Werner)

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) zeigt vom 30. Juni bis 4. August die Preisträgerausstellung zum Pfalzpreis für Bildende Kunst, der 2012 in der Sparte Malerei ausgeschrieben war. Den Hauptpreis erhielt Josef Rosalia Hein (ehemals Josef P. Werner), den Nachwuchspreis Daniel Odermatt. Die Eröffnung erfolgt in Anwesenheit der Künstler am Sonntag, 30. Juni, um 11 Uhr durch den Bezirkstagsvorsitzenden Theo Wieder und Museumsdirektorin Dr. Britta E. Buhlmann. Josef Rosalia Heins Werk „Oria – Reise in die Vergangenheit“ überzeugte die Jury aufgrund seiner großen narrativen Kraft, die zu zahlreichen Vermutungen und Geschichten anregt. Der Künstler wurde 1979 in Bad Dürkheim geboren und lebt heute in Düsseldorf. Daniel Odermatt, 1983 in Speyer geboren und heute in Schifferstadt lebend, erzielte für seine Werke „zu spät“ und „Ansichtssache“ den Nachwuchspreis. Er arbeitet figurativ in fotorealistischem Stil und setzt diese Komponente in Beziehung zu flächig-abstrakter Malerei seiner Hintergründe.

Im Schauraum des mpk präsentiert Josef Rosalia Hein eine Suite von zehn großformatigen, teilweise mehrteiligen Gemälden, Hauptwerke seiner seit 2005 entstehenden Werkgruppe mit dem Titel „Finsternis wirft keine Schatten“. Der Künstler nimmt damit Bezug auf das gleichnamige, autobiographische Buch des jüdischen Schriftstellers und Auschwitz-Überlebenden ArnoÅ¡t Lustig, der darin die Flucht zweier jüdischer Jungen aus einem KZ-Transport schildert. Heins dadurch inspirierte intensive künstlerische Auseinandersetzung mit NS-Diktatur und Holocaust zeigt sich beispielsweise in der friesartigen Arbeit „Deutsches Theater“, von der gleichzeitig motivische Versatzstücke in die Nachkriegszeit weisen. Die Werkgruppe ist farblich durch ein fluoreszierendes Neongelb bestimmt, das eine charakteristische, beeindruckende Lichtwirkung auf dunklem Grund erzielt und damit ihren Titel illustriert. Seine künstlerische Ausbildung erhielt Hein in den Jahren 2003 bis 2010 zuerst an der Kunsthochschule Kassel, dann am Sichuan Fine Arts Institute Chongqing (Volksrepublik China) und an der Kunstakademie Düsseldorf, dort von 2008 an als Meisterschüler von Prof. Markus Lüpertz.

Das obere Foyer des mpk wird von Daniel Odermatt mit einer Auswahl jüngst entstandener Werke bespielt, deren verbindendes Thema zwischenmenschliche Beziehungen sind. Der Künstler entwickelt seine Bilder aus inszenierten Fotografien seiner Freunde und Bekannten – daraus hervorgehende digitale Skizzen dienen der abschließenden malerischen Umsetzung. Odermatts Personal agiert schweigsam und isoliert vor distanzierten Farbräumen, arrangiert sich in illusionistischem Realismus zu psychologisch mehrdeutig angelegten Bildszenen.

Odermatt studiert seit 2005 an der Universität in Landau und ist seit 2011 Masterstudent am dortigen Institut für Kunstwissenschaft und bildende Kunst.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog zu den Arbeiten des Hauptpreisträgers Josef Rosalia Hein, der 96 Seiten mit zahlreichen Abbildungen umfasst und zum Preis von rund 20 Euro erhältlich ist. Das Museum Pfalzgalerie ist dienstags von 11 bis 20 Uhr und mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.