Gedenkarbeit – Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Die Caritas-Fachschule für Altenpflege in Ludwigshafen zeigt die Wanderausstellung „NS-Psychiatrie in der Pfalz“

Auszubildende der Fachschule im Dialog

Auszubildende der Fachschule im Dialog

Die Wanderausstellung „NS-Psychiatrie in der Pfalz“ ist in den Räumen der Caritas-Fachschule für Altenpflege in Ludwigshafen bis zum 21. November zu sehen. Das Bildungsangebot initiierten das Pfalzklinikum und der Bezirksverband Pfalz, um die Erinnerung an ein dunkles Kapitel der Psychiatrie wachzuhalten.

Zwangssterilisationen, Deportationen in Tötungsanstalten und die gezielte Unterversorgung mit Nahrung und Kleidung – circa 5.000 Menschen aus der gesamten Pfalz fielen zwischen 1933 und 1945 den grausamen Verbrechen der NS-Psychiatrie zum Opfer. Auf 16 Ausstellungstafeln erklären Texte, Fotos und historische Dokumente die Vorgänge am Beispiel der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster und veranschaulichen das unfassbare Ausmaß des staatlich organisierten Patientenmordes im nationalsozialistischen Deutschland.

Eröffnet wurde die Ausstellung bereits am Montag, 3. November, vor rund 60 Auszubildenden, Lehrkräften und Leitungskräften aus der Altenhilfe. Auch Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen waren Opfer des NS-Regimes, daran erinnerte in einem Grußwort Franz Rinck vom Caritasverband für die Diözese Speyer, dem Träger der Fachschule für Altenpflege. Chefarzt Dr. Michael Brünger, Vorsitzender des Ausschusses für die Gedenkarbeit am Pfalzklinikum, schilderte in seinem Fachvortrag das Schicksal der jungen Hedwig K., eine der vielen Frauen und Männer unter den 400.000 Patienten, die im damaligen Deutschen Reich ermordet wurden. Im Anschluss diskutierte er mit den Auszubildenden: Warum hat es so lange – nämlich bis 1989 – gedauert, bis die Aufarbeitung der Verbrechen in Gang kam? Was wird heute für die Angehörigen der Opfer, die Enkelgeneration, getan? Wie trägt heute das Pfalzklinikum dazu bei, noch existenten Vorbehalten in der Bevölkerung zu begegnen und Vertrauen für die moderne Psychiatrie zu gewinnen?

Zur Motivation, die Ausstellung in den Räumen der Altenpflegeschule zu präsentieren, sagt Schulleiterin Kristiane Koch-Schultheiss: „In der Pflegeausbildung geht es nicht nur um den Erwerb von Fachwissen und Pflegetechniken, sondern vielmehr um den Erwerb einer inneren Grundhaltung, die uns sensibel macht für den achtsamen Umgang mit Macht und Verantwortung, wo auch immer uns schwache und hilflose Menschen anvertraut werden. Die Ausstellung hilft uns, durch die Auseinandersetzung mit der NS-Psychiatrie einen wachen Blick auf unsere Gegenwart zu werfen.“

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