Dachau-Gedenkfahrt 2012

Bestürzung und Fassungslosigkeit

„Man kann sich heute nicht wirklich mehr vorstellen, was damals passiert ist.“ Mit diesen Worten brachte einer der 27 Schülerinnen und Schüler die Bestürzung und Fassungslosigkeit auf den Punkt, als sich die Teilnehmer der Jugendgedenkfahrt zusammen mit einer Delegation des Bezirksverbands Pfalz nach einem Rundgang über das Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau wieder zu einem vertiefenden Gedankenaustausch im nahe gelegenen Max Mannheimer Studienzentrum trafen. Es sei auch gar nicht möglich, die damalige Situation tatsächlich darzustellen, ergänzte ein anderer der 14- bis 18-Jährigen von elf Pfälzer Gymnasien, Integrierten Gesamtschulen und Realschulen plus.

 

Gruppenbild mit Zeitzeuge Karl Rom (erste Reihe, Dritter von links): Schülerinnen und Schüler sowie Delegation des Bezirksverbands Pfalz mit Gedenkbeiratsvorsitzendem Manfred Petry (links vorn), Institutsdirektor Roland Paul (Sechster von links) und Ulrich Burkhart, Archivar des Bezirksverbands Pfalz (links außen)

Zentraler Ort des Terrors: Blick in den Bunker des KZs Dachau

Ort des Terrors

Besondere Betroffenheit löste der Bunker als zentraler Ort des Terrors aus, in dem die Häftlinge, darunter der Widerstandskämpfer Georg Elser, der 1939 ein Bombenattentat auf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller verübt hatte, oft über Monate der Willkür ausgesetzt waren und auf „unvorstellbare Weise gequält“ wurden, wie eine Schülerin bedrückt festhielt. Zu den drakonischen Methoden gehörte das berühmt-berüchtigte Pfahlhängen, bei dem die Häftlinge an den Armen rücklings stundenlang aufgehängt wurden, das Prügeln mit dem sogenannten Ochsenziemer und die Haft in dunklen Stehzellen.

 



„Vernichtung durch Arbeit“

Insgesamt über 206.000 Häftlinge aus 34 Nationen waren während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Dachau und seinen Außenlagern interniert, darunter einige Hundert aus der Pfalz, meist Juden, aber auch politisch und kirchlich Verfolgte und Homosexuelle. Es war das erste offizielle Lager, das die Nationalsozialisten bereits am 22. März 1933 einrichteten, und das letzte Lager, das am 29. April 1945 von den Alliierten befreit wurde. Mindestens 43.000 Männer fanden hier den Tod, meist durch Folter, schwere Arbeit und schlechte Ernährung, aber auch an den Folgen der von Läusen hervorgerufenen Wunden. „Vernichtung durch Arbeit“ sei die Devise der SS-Schergen in Dachau gewesen, berichtete der 82-jährige Zeitzeuge Karl Rom, gebürtiger Litauer, der im Herbst 1944 in das Außenlager nach Kaufering verschleppt wurde, wo die Häftlinge in engen, zum Teil unterirdischen Erdhütten hausen und bei vitamin- und nährstoffarmem Essen neun bis 14 Stunden täglich hart beim Bau einer Bunkeranlage arbeiten mussten. Die 16 Mädels und elf Jungs waren beeindruckt von den Erinnerungen Karl Roms, der bei seiner Befreiung Ende April 1945 auf 34 Kilogramm abgemagert war und anschauliche Einblicke ins grauenvolle Lagerleben geben konnte.

 

 

Verhöhnung der eintreffenden Häftlinge: Eingangsgitter am Torhaus und Dienstgebäude der SS mit weitläufigem Appellplatz