Gedenkfahrt 2017

Besuch der Gedenkstätte KZ Natzweiler-StruthoF

Ein Rückblick

 

 Wie in den Jahren zuvor veranstaltete der Bezirksverband Pfalz auch in diesem Jahr eine Jugendgedenkfahrt. Der Regionalverband bietet dabei außerschulische Jugendarbeit zu „Lernorten“ der Geschichte und des kollektiven Gedenkens an. Die fünftägige Fahrt führte diesmal ins Elsass zu der Gedenkstätte KZ Natzweiler-Struthof, dem jüdischen Friedhof in Straßburg, der europäischen Schule in Straßburg verbunden mit einem Zeitzeugengespräch mit François Amoudruz und dem Besuch des Geschichts- und Dokumentationszentrums „Memorial Alsace-Moselle“ in Schirmeck. Betreut und begleitet wurde die rund 25 Schülerinnen und Schüler aus der Pfalz von Ulrich Burkhart, Leiter des Zentralarchivs in Kaiserslautern, Ruth Ratter, Mitglied des Bezirkstags Pfalz, Arthur Röser, Student an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, und Luis Schramm, der gegenwärtig sein FSJ Politik beim Bezirksverband Pfalz abhält.

Die Schülerinnen und Schüler aller Schularten und im Alter zwischen 16 und 19 wurden durch den Bezirksverband Pfalz in einem ersten gemeinsamen Vorbereitungstreffen inhaltlich und emotional auf die Jugendgedenkfahrt vorbereitet.

Die Führung durch das KZ durch Hans-Peter Goergens (Offenburg), die sehr eindrücklich den quälenden Alltag der Häftlinge veranschaulichte, war ein prägendes und zugleich bedrückendes Erlebnis für die Jugendlichen.

„Auch wenn das Tor nicht das Originaltor ist, war es beeindruckend davor zu stehen. Die schlimmen Verbrechen der NS-Zeit, die für mich kaum vorstellbar waren, wurden auf einmal greifbar“, so die Schülerin Wilma Koblé (16 Jahre, Leibniz-Gymnasium, Neustadt/Weinstraße) nach der Führung durch die Gedenkstätte.

Tags darauf besuchten die Schüler einen Vortrag von Prof. Dr. Hans-Joachim Lang, Universität Tübingen, an der Europäischen Schule in Strasbourg zu seinem vielbeachteten Forschungsprojekt „Die Namen der Nummern“. Prof. Dr. Langs Forschungen zeigen den Leidensweg 86 jüdischer Männer und Frauen, welche ausgewählt wurden um vergast zu werden. Die Leichname sollten im Anatomischen Institut der „Reichsuniversität“ in Straßburg dienen.

Desweiteren berichtete François Amoudruz, der 91 Jahre alte Zeitzeuge und KZ-Überlebende über seine grauenvollen Erlebnisse seiner Haft in gleich drei Konzentrationslagern. Für die Jugendlichen sind seine Erzählungen spannend und ergreifend zugleich und seine Einstellung „Weder Hass noch Vergessen“ bewundernswert. Für Amoudruz sind Friede und Verständigung Grundlage für ein geeintes demokratisches Europa.  Die Erlebnisse von jemandem zu hören, der die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus am eigenen Leib erfahren musste, war unglaublich bewegend“, sagt Emilia Blöhs (16 Jahre, Leibniz-Gymnasium Neustadt/Weinstraße).

Am letzten Tag der Jugendgedenkfahrt besuchten die Teilnehmer das Mémorial Alsace-Moselle in Schirmeck. Das Dokumentationszentrum birgt eine umfangreiche Ausstellung über die Geschichte der Region und die Leiden und Aufopferung von tausenden Männern, Frauen und Kindern. „Den Besuch des Memorials empfand ich als tollen und sehr interessanten Abschluss. Dadurch, dass man sich immer in unterschiedlichen Räumen und Situationen befunden hat, war es, als befände man sich in der damaligen Zeit Die Gestaltung und auch die Interaktion begeisterten mich“, meinte anschließend Marie Giselbrecht (17 Jahre, Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium Neustadt/Weinstraße).

Trotz der bedrückenden und belastenden Thematik war die Stimmung unter allen Beteiligten immer gut, so dass abends die Jugendlichen nach intensiven Gesprächen wieder lachen und relaxen konnten.

Das Fazit der Betreuer fällt sehr positiv aus: Auf dieser gemeinsamen Reise, die ganz im Zeichen des Gedenkens und des Mahnens gegen das Vergessen stand, wurden viele neue Freundschaften geschlossen – sowohl zwischen Schülerinnen und Schülern als auch zwischen Schülern und Betreuern. Die Begleiter waren sehr zufrieden mit dem Verlauf der Fahrt und mit dem respektvollen und reifen Umgang der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den inhaltlich wie auch emotional höchst schwierigen und anspruchsvollen Themen.

Eine Übersicht der Aktivitäten 2017 entnehmen Sie bitte dem Programmflyer als PDF