Israel-Reise 2014 – Tagebuch

Jugendgedenkfahrt vom 3. bis 11. April 2014

     

Freitag, 4. April: Jerusalem

Überwältigt von den vielfältigsten Eindrücken

Drei Weltreligionen mit zahlreichen Konfessionen teilen sich eine Stadt

“Unglaublich, was wir alles erlebt haben“, „so viele Eindrücke“, „es war anstrengend, aber sehr, sehr schön“ – so das einhellige Stimmungsbild der 22-köpfigen Gruppe aus der Pfalz nach einer kurzen Nacht und einem langen Tag in Jerusalem. 15 Stunden zuvor, um 3.30 Uhr Orts- und 2.30 Uhr deutsche Zeit landete die Schweizer Maschine am Flughafen von Tel Aviv, wo Gästeführerin Iris die Schülerinnen und Schüler sowie die Delegation des Bezirksverbands Pfalz in Empfang nahm und sie zusammen mit Busfahrer Ibrahim nach Jerusalem ins Hotel brachte.

Schon bald wird klar, dass ihre detaillierten Informationen und wertvollen Hinweise den Weg durch ein Dickicht aus unterschiedlichen Kulturen, Religionen, Konfessionen, Lebens- und Anschauungsweisen bahnen und dazu beitragen werden, sich dem Land und der Stadt, auf die sich alle drei Weltreligionen beziehen, zu nähern. Die 3.000-jährige Geschichte Jerusalems, das an der Grenze zwischen grünem Land und Steinwüste liegt, konzentriert sich auf einem Quadratkilometer Altstadt.

Sie zu erkunden, war das Ziel einer knapp achtstündigen Tour, die um 10.45 Uhr mit einem Panoramablick vom Ölberg, einem großen Gräberfeld, beginnt und an dessen Fuß anschließend der Garten Gethsemane zur Besinnung einlädt. Sodann begibt sich die Gruppe auf einen Streifzug durch die Altstadt mit ihrem jüdischen, muslimischen, christlichen und armenischen Viertel. Am Freitagnachmittag, darauf macht Iris aufmerksam, lässt sich unter anderem an der nach Geschlechtern getrennten Klagemauer erfassen, dass bald „der Schabbat hereinkommt“.

Weiter geht’s zur schlicht-schönen Sankt Anna-Kirche aus der Kreuzfahrerzeit, in der nicht nur die Pfälzerinnen und Pfälzer die gute Akustik mit dem Anstimmen  von Liedern erproben, und dann, von Muezzin-Rufen geleitet, zum Ecce-Homo-Konvent, der den Beginn des Kreuzwegs markiert und unter dem sich ein riesiges Zisternensystem aus der Römerzeit erstreckt. „Grüß Gott“ heißt’s überraschenderweise einige Meter weiter an der Via Dolorosa 37, wenn das Österreichische Hospiz – heute Hotel – mit einem Blick vom Dach auf das Häusermeer, üppigem Grün und Wiener Kaffeehauskultur besticht.

Als christlicher Schluss- und Höhepunkt des Tages steht der Besuch der Grabeskirche an, die sich sechs Konfessionen teilen und die über Golgatha, der Kreuzigungs- und Grabesstätte Jesu, errichtet wurde. Andächtig und müde macht sich die Gruppe gegen 18.30 Uhr auf den Rückweg ins Hotel, wo ein reichhaltiges Buffet  wartet. Einvernehmen herrscht in der Einsicht, dass das Herz Jerusalems im jüdischen, muslimischen und christlichen Takt schlägt und dennoch eine Melodie daraus wird, die fasziniert und einlädt, mehr über dieses fremdartige Land zu erfahren.






Samstag, 5. April: Bethlehem – Masada – Totes Meer

Unterschiedliche Sichtweisen stiften Verwirrung

Zwischen israelischen und palästinensischen Fronten

Ein mehr als 14-stündiges Programm erwartet die Gruppe, das zunächst ins palästinensische Autonomiegebiet, sodann in die römisch-jüdische Geschichte und abschließend zum aktuellen Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern führt – ein Wechselbad der Gefühle und unterschiedlichen Ansichten, das mehr Verwirrung als Klarheit stiftet.

„Talitha Kumi ist eine deutsch-palästinensisch-christliche Privatschule“ in Beth Jala, erzählt Lehrer Zaki Isa der Gruppe, die ihre Gründung 1851 deutschen Diakonissen verdanke und sich zur besten im Land entwickelt habe. In der seit 1976 vom Berliner Missionswerk getragenen und zu 75 Prozent von Spenden finanzierten Bildungsstätte werden 1.000 Kinder und Jugendliche, darunter inzwischen auch 40 Prozent Muslime, im Kindergarten, in der Gesamtschule und einer Fachoberschule für Hotellerie und Gastronomie gefördert. An der Schule, der ein Internat für Mädchen „aus problematischen Familien, unter anderem aus dem Gaza-Streifen“ und ein Gästehaus angeschlossen ist, kann neben dem palästinensischen seit 2013 auch das deutsch-internationale Abitur abgelegt werden. Derart auf die deutsche Bedeutung eingestimmt, weist die palästinensisch-christliche Gästeführerin Khadra kurze Zeit später in Bethlehem darauf hin, dass „deutsche Spendengelder die Kanalisation der Stadt im Jahr 2000 ermöglicht haben“. In der Geburtsstadt von Jesus leben heute keine 20 Prozent Christen mehr. Khadra, bei Köln geboren, griechisch-orthodox getauft und seit 1978 in Israel als Katholikin ansässig, erläutert die Geschichte des Ortes, den die Mauer umgrenzt, und der von außen unscheinbar wirkenden Geburtskirche. In der Geburtsgrotte animiert sie die Gruppe aus der Pfalz mitten im Gedränge der Gläubigen und Touristen, „Sille Nacht, Heilige Nacht“ zu singen – ein bewegender Moment im ältesten Gotteshaus der Welt.

Die Fahrt geht, das palästinensische Autonomiegebiet wieder verlassend und dann geleitet von Iris, einer Jüdin, ins mehr als 1.000 Meter tiefer liegende Westjordanland. Auf dem Weg nach Masada, einer hoch über dem Toten Meer liegenden Festung von Herodes, passiert die Gruppe beim Hinabfahren zum tiefsten frei zugänglichen Punkt der Erde die Höhe des Meeresspiegels, was eine Fotopause wert ist – und erneut einen Checkpoint, der verhindert, dass Palästinenser in diesen Teil des Landes gelangen. Am Fuß des Berges angekommen, geht es mit einer Gondel zur Festung hinauf, von der imposante Palastanlagen aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert erhalten sind und wo sich 1.000 Juden nach der Zerstörung des Tempels 70 nach Christus vor den Römern verschanzten und drei Jahre widerstehen konnten, bis sie gemeinschaftlich in den Tod gingen, um einer Versklavung zu entkommen. Nach so vielen Informationen und Eindrücken unter sengender Sonne ist ein Bad in den salzigen Fluten des Toten Meeres eine willkommene Erfrischung für Körper, Geist und Seele.

Das war auch nötig, um am Abend wieder aufnahmefähig für einen Vortrag von dem israelischen Radio- und Fernsehjournalisten David Witztum über den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern aus jüdischer Sicht zu sein. Am Ende macht sich Verwirrung sowie Rat- und Hoffnungslosigkeit breit. Witztum bezeichnete das Scheitern der Friedensverhandlungen als „dramatisch“, ein Wort, das mehrmals in seinen Ausführungen fällt. Auf beiden Seiten herrsche großes Misstrauen, jeder spreche dem anderen die Bereitschaft zur Kooperation ab und poche „auf seine patriotischen Gefühle“, was den Schluss nahelege, dass Hilfe „nur von außen kommen“ könne und eine israelisch-palästinensische Lösung wohl von einer Befriedung in Nahost abhänge.








Sonntag, 6. April 2014: Yad Vashem

Ans Herz gehende Holocaust-Gedenkstätte

Museumsbesuch und Zeitzeugengespräch vermitteln wertvolle Erfahrungen

Yad Vashem, die nationale Gedenkstätte für die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten in Jerusalem, will „den Toten eine Identität geben, damit sie nicht vergessen werden“, erklärt Prof. Dr. Gideon Greif beim Gang durch das Museum, das der pfälzischen Gruppe neue Aspekte des Holocaust aus jüdischer Sicht vermittelt. Es präsentiere persönliche Habseligkeiten der Entrechteten, wie Fotos und Dokumente, und sammele die Namen der ermordeten Juden: So sei es inzwischen gelungen, knapp viereinhalb  der sechs bis sieben Millionen Getöteten zu erfassen. Vor allem die Kinder seien vernichtet worden, um dem jüdischen Volk die Zukunft zu nehmen, was den Schülerinnen und Schülern besonders am Kinder-Mahnmal ans Herz ging: Nach einer Wand mit zahlreichen Kinderporträts betritt man einen nahezu dunklen Raum, an dessen Decke zahlreiche Lichter – einem Sternenhimmel gleich – erglühen, während Name, Alter und Herkunftsland der ermordeten Kinder zu hören sind. Hier wie an anderen Stellen im Museum traten so manchem die Tränen in die Augen. Ziel der Nazis, so Greif, sei zwischen 1933 und 1941 nicht die Tötung der Juden gewesen, sondern sie hätten das Ziel verfolgt, diese durch permanente und unerträgliche Erniedrigung zur Emigration zu zwingen. Doch bis 1938 habe nur die Hälfte der Juden ihre Heimat verlassen. Ab 1939 habe die Verfolgung, vor allem im besetzten Polen, eine neue Dimension bekommen: Ghettos seien eingerichtet worden, Brutalität und Sadismus hätten zugenommen. Ab Mitte 1941 hätten die Nazis dann ihre Vernichtungspolitik betrieben, zunächst durch Massenerschießungen, sodann in den Gaskammern. Judenverfolgung habe, holt Greif ins Bewusstsein, nicht nur in Europa, sondern auch in Nordafrika und Nahost stattgefunden. Am Ende des beeindruckenden Museums symbolisiere eine am Grund mit Wasser gefüllt Grube die Talente, die die Welt verloren habe.

Anschließend folgt ein Vortrag von dem deutschen Junghistoriker Enno Raschke, der seit fünf Jahren in Yad Vashem forscht und den Eindruck der Gruppe bestätigt, dass die deutsche Sicht  auf den Holocaust eine andere als die jüdische sei. Er betont, wie wichtig es sei, dass die Deutschen nach Yad Vashem kommen, denn „das wird in Israel wahrgenommen“. Zeitzeugin Flora Jakob erzählte sodann der Besuchergruppe aus der Pfalz ihre persönliche Leidensgeschichte: 1937 in der Tschechoslowakei in eine gutsituierte jüdische Familie geboren, musste sie sich mit ihrem Vater und ihren Brüdern zunächst im Wald verstecken, in dem neben der Kälte gnadenloser Hunger herrschte, der „unbeschreiblich groß war und richtig weh tat“. Sie kam nach mehreren Stationen nach Theresienstadt, das zu Propaganda-Zwecken als Musterlager diente, in dem jedoch keine besseren Bedingungen für die Internierten herrschten. „Ich hatte Riesenglück, dass ich überlebt habe“, sagte sie abschließend. Nach derart harter Kost fand die Gruppe auf einem Basar mit allerlei Delikatessen ins Heute zurück.








Montag, 7. April: Megiddo – Nazareth

Gang durch 7.000 Jahre Geschichte

Fahrt in den Nordteil des Landes

Auf der Fahrt in den Norden des Landes geht’s durch das biblische Kanaan, das „gelobte Land“, das grün und fruchtbar ist. Iris erläutert die Geographie Israels, Klima und die Trinkwasserversorgung, die sich auf den See Genezareth als Süßwasserreservoir und Entsalzungsanlagen stützt. Erste Station des Tages ist Megiddo, ein 7.000 Jahre alter Siedlungshügel, der im Lauf der Jahrhunderte mehr als 20 Mal zerstört wurde. Immer wieder stritten Völker um den strategisch wichtigen Ort am Weg zum Mittelmeer, der in der Bibel rund 20 Mal erwähnt und in der „Offenbarung des Johannes“ als „Armageddon“ bezeichnet wird. Zu sehen sind heute unter anderem noch Reste von Palästen und ein beeindruckendes Wasserleitungssystem aus dem neunten vorchristlichen Jahrhundert.

Den Nachmittag verbringt die Gruppe in Nazareth, der größten arabischen Stadt in Israel, in der Jesus 30 Jahre seines Lebens verbrachte: In ihr leben heute 50.000 Moslems und 20.000 Christen. Auf dem Programm stehen die Besichtigung dreier Gotteshäuser: die katholische Verkündigungsbasilika, die über dem Wohnhaus Marias erbaut wurde, wo ihr – dem katholischen Glauben nach – der Erzengel Gabriel erschienen ist, und die nur wenige Schritte entfernt liegende Josefskirche; hier soll die Heilige Familie gelebt und Josef seine Schreinerei betrieben haben. Unter beiden Franziskanerkirchen befinden sich Fundamente aus der Kreuzfahrerzeit und Reste des Dorfes um Christi Geburt. Schließlich besuchen die Jugendlichen aus der Pfalz noch die griechisch-orthodoxe Verkündigungskirche, die sich über dem Brunnen erhebt, an dem – dieser Glaubensgemeinschaft nach – Gabriel Maria die frohe Botschaft überbracht haben soll.

Zurück in die Neuzeit: Sodann macht die Gruppe noch Halt in einer kleinen und ungewöhnlichen Schau in den Räumen einer Anwaltskanzlei in Nazareth, die auf der mutigen Privatinitiative eines Moslems beruht: Sie will Arabern den Holocaust anhand von Fotos näherbringen, die die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten mehrheitlich negiert. Ein Gedankenaustausch zur Halbzeit der Reise bildet den Schlusspunkt des Tages, der für die intensiv über das Erlebte diskutierenden Gruppe in dem hübschen Zikhron Ya‘akov zu Ende geht, das Baron Rothschild seine vorzüglichen Weine verdankt.








Dienstag, 8. April: Givat Haviva – „Green Line“-Tour

Extrem komplizierte Grenzlage

Begegnungsstätte Givat Haviva und Fahrt entlang der „Green Line“

„Die Gruppe wird am Abend komplett verwirrt sein angesichts der extrem komplizierten Situation zwischen Israelis und Palästinensern“, prophezeit Lydia Aisenberg am Morgen in der Bildungs- und Begegnungsstätte Givat Haviva und ergänzt: „Es gibt kein Schwarz oder Weiß.“ Die rüstige 68-jährige Jüdin aus Wales, die seit 45 Jahren in einem Kibbuz lebt, vermittelt den Pfälzerinnen und Pfälzern in gestochenem britischen Englisch spannend und anschaulich die komplexe und sensible Grenzproblematik. Givat Haviva, bereits 1949 gegründet, ist die renommierteste Begegnungsstätte für israelische Juden und Araber, die 22 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Das Bildungsinstitut, das auch mit dem rheinland-pfälzischen Gemeinde- und Städtebund in Kontakt steht, hat sich der Friedensarbeit verschrieben und verfolgt das Ziel, Vorurteile abzubauen und Verständnis für die unterschiedlichen Positionen zu wecken. Lydia erklärt zunächst einen Friedensbaum auf dem weitläufigen Gelände, den Juden und Araber 2003 während eines einwöchigen Aufenthalts in den Sommerferien aus einem hundert Jahre alten Eukalyptusbaum geschnitzt haben: Hände strecken sich den Baum hinauf, den eine Friedenstaube krönt und in dessen Mitte ein von einer Blüte umkränztes Herz zu sehen ist.

Lydia macht deutlich, dass gegenseitiges Vertrauen die wichtigste Grundlage wäre, um den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern einer Lösung zuzuführen. Sie erläutert die „Green Line“, die seit 1949 die Palästinenser im Westjordanland und in Gaza (überwiegend Moslems) von den Israelis trennt. Nach ihren hilfreichen Ausführungen macht Samer, ein muslimischer Araber, die alltäglichen Diskriminierungen der arabischen Minderheit in Israel deutlich. „Ich habe kein Problem mit der jüdischen Bevölkerung, sondern mit der israelischen Regierung“, sagt er. Am Nachmittag sorgt eine Bustour entlang der „Green Line“ dafür, dass das am Vormittag Gehörte für die Gruppe aus der Pfalz plastisch vor Augen tritt. Dabei geht es auch in den palästinensischen Ostteil des seit 1949 geteilten Dorfes Bartaa, in der bei eher zufälligen israelisch-palästinensischen Begegnungen die Emotionalität und Sensibilität der Situation auch für die Gruppe deutlich wird. Am Ende der Tour ist Lydia zufrieden mit den jungen Pfälzern und spricht ihnen höchstes Lob dafür aus, dass sie aufmerksam und interessiert versucht haben, die komplizierte und verwirrende Lage entlang der „Green Line“ zu verstehen und bittet sie weiterzugeben, was sie heute gelernt haben.








Mittwoch, 9. April: Caesarea – Haifa – Akko

Einzigartige Kulturstätten

Von antiken Wagenrennen, Kreuzrittern und friedfertigen Bahais

Nichts bildet mehr und eindrucksvoll als Reisen. Dies konnte die Gruppe am sechsten Tag erfahren, als Iris sie mit geschichtlichen Erläuterungen auf drei kulturelle Highlights vorbereitete. Zu Fuß ging’s über das riesige Ausgrabungsfeld der bedeutenden Hafenstadt Caesarea Maritima, die 25 bis 13 vor Christus von Herodes erbaut wurde. Hier begann 66 nach Christus der legendäre jüdische Aufstand gegen die Römer, der 70 zur Zerstörung Jerusalems führte und drei Jahre später in Masada sein blutiges Ende fand. Zu sehen sind noch Reste des Amphitheaters, der Pferderennbahn, des Forums, der Hafenanlage und des Tempels.

In der modernen Hafenstadt Haifa, die sich den Berg Carmel hinaufzieht, erstreckt sich auf 19 Terrassen die schönste Parkanlage Israels: die Bahai-Gärten, deren Blickfang die goldene Kuppel des Mausoleums des Religionsstifters Bab bildet. Die jüngste der monotheistischen Religionen hat sich im 19. Jahrhundert aus dem Islam entwickelt und gilt als sehr friedfertig. Am Fuß der Gärten erblickt man die roten Dächer der „deutschen Kolonie“; protestantische Templer aus Baden-Württemberg haben die typisch deutschen Steinhäuser im 19. Jahrhundert erbaut und Haifa viel Gutes hinterlassen.

Akko am nördlichen Ende der Bucht von Haifa war im Lauf der Geschichte für Römer, christliche Kreuzritter und Muslime als Hafenstadt von großer Bedeutung. Besonders sehenswert ist die gewaltige und gut erhaltene Festungsstadt der Kreuzfahrer, die Johanniter im 12. Jahrhundert angelegt haben und die heute überwiegend unter der Erde liegt. Hallen, Gewölbe und Tunnelsysteme sorgen für Staunen in der Gruppe. In Akko leben Juden und Araber friedlich miteinander. Der orientalischen Atmosphäre der überwiegend arabisch geprägten Altstadt erliegen die Jugendlichen wie die Erwachsenen gleichermaßen und nehmen gut gelaunt am Spätnachmittag im angenehm ruhigen und schön angelegten Kibbuz „Lohamei Hagetaot“ Quartier.








Donnerstag, 10. April: Lohamei Hageta‘ot

Facettenreiches Land hinterlässt tiefen Eindruck

Vom Leben im Kibbuz und dem in Israel immer präsenten Holocaust

Schon während der Woche in Israel hat Iris immer wieder vom Leben und der Bedeutung der Kibbuzim und den verschiedenen jüdischen Einwanderungswellen erzählt. Nun erhält die Gruppe Gelegenheit, einen ganz besonderen Kibbuz kennenzulernen; sie hatte sogar die Nacht dort im Gästehaus verbracht und ein umwerfend reichhaltiges Frühstück als Grundlage für den letzten Studientag genossen: Der Kibbuz Lohamei Hageta’ot wurde im Januar 1949 von Widerstandskämpfern des Warschauer Ghettos gegründet, erläutert Susanne van Kimmenade, katholische Theologin aus Nordrhein-Westfalen, die seit sieben Jahren mit ihrem jüdischen Mann in Israel lebt. Ihr Ziel an diesem Tag ist es, „den Geist des Ortes, der so ganz anders ist, zu vermitteln“. Die Holocaust-Überlebenden haben, so Kimmenade, Vorbildliches geleistet, denn sie  veranstalteten schon drei Monate nach ihrer Ankunft in Lohamei Hageta’ot am Tag des Aufstands im Warschauer Ghetto (19. April) eine nationale Gedenkfeier für die Opfer des Holocaust und organisierten eine erste Ausstellung mit den wenigen Habseligkeiten, die die Ankömmlinge mitgebracht hatten, wie Fotos, Sträflingskleidung und Dokumente; auch eine Schreibmaschine war darunter. Aus ihr erwuchs ein Museum, das heute mehrere Ausstellungen präsentiert. Diejenige zum jüdischen Widerstand machte der Gruppe deutlich, dass es mehr Formen des passiven und aktiven Widerstands gab, als sich zuvor vermuten ließ. Besonders ans Herz ging „Yad Layeled“, das Museum, das den 1,5 Millionen getöteten Kindern des Holocaust  gewidmet ist und die Thematik auch kindgerecht vermittelt. „So fühlt es sich an, verfolgt und im Ghetto zusammengepfercht zu sein“, war denn auch ein Resümee der Pfälzer Jugendlichen nach dem Besuch der als Zeitreise spiralförmig verlaufenden Ausstellung. Lohamei Hageta’ot, so erläutert Kimmenade, begreife den „Holocaust als Ereignis in der Menschheitsgeschichte und nicht nur als Ereignis, das Deutsche und Juden betrifft“. Iris konnte derweil für die Gruppe noch kurzfristig ein Gespräch mit fünf Soldatinnen und einem Soldaten einer Bildungseinheit arrangieren, die gerade ein Seminar in Lohamei Hageta‘ot besucht hatten, was sich die Schüler aus der Pfalz nicht entgehen ließen. Am Ende ist Kimmenade voll des Lobes: „Ich habe selten eine Gruppe erlebt, die sogar am letzten Tag ihrer Reise noch so interessiert und offen ist.“ Und sie vermutet: „Ihr habt wahrscheinlich in dieser Woche mehr gesehen als manch einer, der hier lebt.“

Auf der Busfahrt nach Tel Aviv, von wo aus die Gruppe nachts zum Flughafen aufbricht, gesteht Iris: „Ich hab‘ immer das Gefühl, ein Fenster zu Israel aufzumachen.“ Und damit hat sie recht, denn alle 15 Jugendliche hat das Land tief beeindruckt. Hier einige Stimmen am Ende der Reise: „Ich hab‘ so viel gelernt und mitgenommen – das werde ich mein Leben lang nicht vergessen“,  „ich will unbedingt wiederkommen“ (und dieser Satz kam ausnahmslos aus jedem Mund), „eine eindrucksvolle Reise“, „ein kleines Land mit einer beeindruckenden, ja brisanten Geschichte, das auch landschaftlich schön ist“ und „die Woche bot emotionale Begegnungen mit abenteuerlichen Erlebnissen“. Schließlich sagte der Jüngste der Gruppe, der im Januar 16 Jahre alt wurde: „Ich hab‘ viel über das facettenreiche Land und über den Konflikt zwischen Juden und Palästinensern, ja sogar generell über Konflikte gelernt.“

Nach einer langen Nacht und kurz bevor die Gruppe am folgenden Tag wieder zu Hause ankam, dankte Bezirkstagsvize und Gedenkbeiratsvorsitzender Manfred Petry allen Reiseteilnehmern für das rege Interesse und warb dafür, die gemachten Erfahrungen Eltern, Freunden, in den Klassen und Vereinen weiterzuerzählen. „Wir haben viel gesehen, viel erlebt und viel gefühlt. Denkt ab und zu daran, dass euch dies der Bezirksverband Pfalz ermöglicht hat.“

 

 

 

 

 

Beeindruckendes Panorama: Blick vom Ölberg auf die Altstadt von Jerusalem




„Peace“ – Frieden für alle: frommer Wunsch im Garten Gethsemane




 

Geschlechter getrennt: auch an der Klagemauer beten jüdische Männer und Frauen an verschiedenen Abschnitten







Als Schutz von den Juden und als Gefängnis von den Palästinenser bezeichnet: Teil der Mauer in Bethlehem




„Stille Nacht, Heilige Nacht“: Bewegender Moment in der Geburtskirche in Bethlehem




Fast unwirkliche Stimmung: das Tote Meer mit den jordanischen Bergen




Erläutert den palästinensisch-israelischen Konflikt (aus jüdischer Sicht): der Journalist David Witztum




Intensiv und informativ: Eingang zur Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem




Bewegend: Zeitzeugengespräch mit Flora Jakob




Zurück ins Heute: Gang über einen Markt in Jerusalem




Mehr als 20 Mal im Laufe der Geschichte zerstört: Megiddo an strategisch wichtiger Lage




Wohnhaus Marias in Nazareth: unter der katholischen Verkündigungskirche in Nazareth




Gedankenaustausch zur Halbzeit der Reise: Gruppe diskutiert intensiv über das in Yad Vashem und der arabischen Holocaust-Privatschau Erlebte




Dem Frieden gewidmet: „Friedensbaum“ in der Bildungs- und Begegnungsstätte Givat Haviva




Geteiltes Land: Blick vom israelischen Staatsgebiet aus ins palästinensische Westjordanland




Geteiltes Dorf: Einfahrt in den palästinensischen Ostteil von Bartaa




Weitläufiges Ausgrabungsfeld: Caesarea Maritima




Schönste Parkanlage Israels: Bahai-Gärten in Haifa




Imposantes Akko: Refektorium der Kreuzritter




Weithin bekannt gutes Frühstück sorgt für nötige Grundlage: im Kibbuz Lohamei Hageta‘ot




Gesprächsrunde zwischen Ausstellungsbesuchen: vor dem Museum Lohamei Hageta‘ot




Letzte Station der Gedenk- und Informationsfahrt: Sonnenuntergang in Tel Aviv