Jugend-Gedenkfahrt nach Gurs im April 2012

Gebannt von den Berichten des Zeitzeugen: Jugendliche aus der Pfalz und aus Baden mit Paul Niedermann im ehemaligen Internierungslager Gurs

Beeindruckt von der jüdischen Kultur und Religion: Der Rabbiner von Pau, Marc Bondit, zeigt den jungen Teilnehmern der diesjährigen Gedenkfahrt seine Synagoge



Zeitzeuge berichtet

„Nur Essen zählte“, resümierte Paul Niedermann über die Zeit in den Internierungslagern Gurs und Rivesaltes, bis ihn eine dramatische Flucht über mehrere Kinderheime und Verstecke schließlich in die Schweiz führte. Insgesamt 31 Jugendliche aus der Pfalz und Baden, darunter neun junge Mitglieder der Israelitischen Religionsgemeinschaft, nutzen bei der diesjährigen Gedenkfahrt des Bezirksverbands Pfalz sowie weiterer Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft zur Unterhaltung und Pflege des Deportiertenfriedhofs in Gurs die Gelegenheit, den Berichten des Zeitzeugen Paul Niedermann zu lauschen.

 

Unerträgliche Zustände

Während der Begehung des Lagers und bei einem anschließenden Gespräch hörten die Jugendlichen gespannt und bewegt den Berichten von Paul Niedermann zu, etwa darüber, wie es war, als die Nazis am 22. Oktober 1940 die über 6.500 Juden aus der Pfalz und Baden verschleppten und wie der Alltag im Lager aussah. Hunger und Kälte, Ratten und Ungeziefer, unerträgliche hygienische Zustände und die schier ungeheuren Schlammmassen machten den Insassen das Leben schwer. Zahlreiche von ihnen starben dort und in anderen südfranzösischen Lagern unter den katastrophalen Bedingungen, fast die Hälfte wurde in die Vernichtungslager der Nazis im Osten gebracht und ermordet.

 

Verschleppung und Flucht

Einige überlebten den Terror, nur ganz wenige von ihnen kehrten in die Pfalz oder nach Baden zurück. Der 1927 geborene Paul Niedermann verbrachte seine ersten Lebensjahre in Karlsruhe, von wo aus er mit seinen Eltern, seinem Großvater und seinem vier Jahre jüngeren Bruder Arnold im Rahmen der sogenannten „Wagner-Bürckel-Aktion“ nach Gurs verschleppt wurde. Nachdem sie 1942 in das Lager Rivesaltes verlegt wurden, verhalf die jüdische Organisation Oeuvre de secours aux enfants (OSE) ihm und seinem Bruder zur Flucht. …mehr