Hans Hofmann – Vorläufer der Op Art

„Magnum Opus“ ab März im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk)

Farbenfroh und großformatig: Hans Hofmanns Ölgemälde „Autumn Chill and Sun“ von 1962

Farbenfroh und großformatig: Hans Hofmanns Ölgemälde „Autumn Chill and Sun“ von 1962

Kunstfreunde dürfen sich im kommenden Jahr auf eine besondere Ausstellung freuen: Hans Hofmann, ein Künstler mit enormem Forscherdrang und einem unstillbaren ästhetischen Interesse, beeinflusste zahlreiche Künstler wie Jackson Pollock, Helen Frankenthaler, Lee Krasner, Philip Guston, Robert Motherwell oder Barnett Newman und ist dennoch in Deutschland nahezu unbekannt. Mit der Ausstellung „Magnum Opus“ rückt das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) in der Zeit vom 9. März bis zum 16. Juni dieses außergewöhnliche Werk ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Zwar hat Hans Hofmann, der 1880 im bayerischen Weißenburg geboren wurde und 1965 in New York starb, in seiner Heimat Deutschland als Lehrer zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchaus erfolgreich gearbeitet, seinen eigentlichen Durchbruch, eine grandiose Karriere als Lehrer und Künstler, feierte er jedoch erst von Mitte der 1940er Jahre an in den Vereinigten Staaten.

Hans Hofmann zählt zu den wichtigen Impulsgebern des Abstrakten Expressionismus. Die Ausstellung des mpk wird mit rund 30 herausragenden, meist großformatigen Werken einen Überblick über das Œuvre des Künstlers bieten. Bedeutende Leihgaben kommen unter anderem vom Museum of Modern Art und dem Whitney Museum of American Art (New York), vom Berkeley Art Museum der University of California, der Addison Gallery of American Art (Andover), dem Museum of Fine Arts (Housten) sowie aus bedeutenden Privatsammlungen in Amerika, Europa und Asien. Hans Hofmann, dessen späte Werke den Künstlerkollegen Frank Stella bewogen haben, ihn als „Artist of the Century“ zu bezeichnen, empfand sich kulturell stets als Europäer.

Zu dieser Tradition stand er, auch als es nach dem Zweiten Weltkrieg wenig angesagt schien. Er hatte in Paris an den Akademien „de la Grande Chaumière“ und „Colarossi“ studiert, sich in der Künstlergruppe um das Café du Dôme bewegt und Kontakt zu Künstlern wie Matisse, Picasso, Braque, Delaunay und Derain gepflegt. Zu seinen Vorbildern zählte neben Henri Matisse vor allem Wassily Kandinsky, wobei ersterer ihn vor allem in Bezug auf seine Farbgebung und letzterer in seinem besonderen Verständnis von Geistigkeit geprägt hat. Sein Frühwerk spiegelt diese Einflüsse, während er von den späten 1950er Jahren an, als er von seinen Aufgaben als Lehrer entbunden war, großartige, räumlich hochinteressante Gemälde voller Bewegung und Spannung malt. In der von ihm entwickelten Technik des „push and pull“ baut der Künstler in kraftvoll farbige, informell oder organisch angelegte Malflächen monochrome Rechtecke von unterschiedlicher Farbigkeit ein. Sie reißen die optische Einheit der Bilder auf und versetzen sie in eine virtuelle Bewegung. Hans Hofmann kann mit diesen Werken als Vorläufer der Op Art, also als visionärer Künstler gelten.

In seinen reifen Werken war Hofmann stets darauf bedacht, die grundlegenden Elemente der Malerei, Oberfläche, Farbe und Form in eine eigene, sinnliche Wirklichkeit zu überführen. Diese Bilder sind geprägt von Feinheit und Sensibilität, vor allem aber verströmen sie Kraft und unbändige Energie. Die Vielfalt der Möglichkeiten, die sich Hofmann bei der Gestaltung erschlossen hat, legt Zeugnis ab von seiner durchdringenden Lust am Experiment und dessen markanter visueller Umsetzung.

Obwohl Ruhm und Verdienste des Künstlers in den USA unstrittig und durch zahlreiche Ausstellungen und Ankäufe nahezu aller bedeutenden Häuser dokumentiert sind, blieb es in Deutschland, auch nach Hofmanns Teilnahme an der Dokumenta 2, unverhältnismäßig still um ihn. Nur wenige Ausstellungen haben sich der Entwicklung seiner Werke gewidmet (zuletzt 1997 das Lehnbachhaus in München und als Übernahme die Schirn Kunsthalle in Frankfurt/Main). Da die Kootz Gallery, die Hofmann seit 1947 in den Vereinigten Staaten vertrat, auf den führenden europäischen Messen nicht vertreten und am Kunstmarkt des „alten Kontinents“ nicht beteiligt war, fehlte seinen Werken hierzulande die oft entscheidende Repräsentanz. Ein Grund mehr, das fulminante Werk dieses vielseitigen, außergewöhnlichen Künstlers einer aufmerksamen Betrachtung zuzuführen.

Die Ausstellung, an deren Zustandekommen auf amerikanischer Seite William Agee (Evelyn Kranes Professor of Art History am Hunter College, New York), die Kunsthistorikerin und Kritikerin Karen Wilkin (unter anderem The New Criterion, Art in America und Wall Street Journal) sowie James Yohe (Galerie Ameringer Mc.Enery and Yohe) beteiligt sind, wird begleitet von einem umfassend illustrierten, deutsch-englischen Katalog mit mehreren Essays. Er erscheint im Frühjahr 2013 im Hatje Cantz Verlag. Ausstellung und Katalog werden ermöglicht durch die Unterstützung des Renate, Hans und Maria Hofmann Trusts (New York). Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern ist dienstags von 11 bis 20 Uhr und mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.