Impfaktion erfolgreich

Q-Fieber am Hofgut Neumühle weitgehend zurückgedrängt

Beim Impfen der Schafherde: Tierarzt Dr. Roland Labohm (links) und Neumühle-Schäfer Andreas Porr

Beim Impfen der Schafherde: Tierarzt Dr. Roland Labohm (links) und Neumühle-Schäfer Andreas Porr

„Nachdem seit Spätherbst die Schafe des Hofguts Neumühle geimpft werden, können wir seit Jahresbeginn keinerlei Auffälligkeiten im Bestand mehr feststellen“, informierte Dr. Karl Landfried, Leiter des Gutsbetriebs des Bezirksverbands Pfalz in Münchweiler an der Alsenz. „In Absprache mit dem zuständigen Veterinär- sowie Gesundheitsamt der Kreisverwaltung des Donnersbergkreises werden wir noch eine Beobachtungsphase bis Ende des Jahres abwarten, bis wir zum Normalbetrieb zurückkehren.“

Cordula Hofmeister, Amtsärztin des Donnersbergkreises, betonte bei einem Treffen auf der Neumühle: „In dieser Angelegenheit sind wir alle Lernende“ und erläuterte, dass sich die Vermutung bestätigt habe, dass der Erreger des Q-Fiebers, Coxiella burnetii, für Menschen durchaus sehr infektiös sei. Die Hälfte der Beschäftigten und Auszubildenden des Hofguts hätte in den zurückliegenden Monaten mit grippeähnlichen Symptomen reagiert. „Die Maßnahmen, die das Hofgut umgesetzt hat, um eine Ausbreitung der Infektion über die Neumühle hinaus einzudämmen, haben gegriffen“, so Hofmeister. Die Infektion geschieht durch eine Übertragung vom Tier auf den Menschen, nicht aber von Mensch zu Mensch.

Dr. Roland Labohm, Tierarzt und Geschäftsführer der bei der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz angesiedelten Tierseuchenkasse, plädierte bei weiterer Anwendung strenger Hygienevorschriften für eine baldige Rückkehr zum normalen Lehrbetrieb des Hofguts Neumühle. Denn die Beschäftigten im landwirtschaftlichen Bereich seien generell zahlreichen Infektionskrankheiten ausgesetzt, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden. „Eine akute Infektionsgefahr ist nicht mehr wahrscheinlich“, sagte Labohm und stellte fest: „Offenbar ist das Ansteckungsrisiko bei Schafen höher als bei Kühen.“ Da das Hofgut Neumühle eine Forschungseinrichtung sei, empfahl er eine wissenschaftliche Begleitung durch die Tierärztliche Hochschule Hannover und das Bundesinstitut für Tiergesundheit Wusterhausen, um mehr Wissen über das Erkrankungsbild zu erhalten.

Erstmals konnte vor einem Jahr durch Zufall an Schafen des Hofguts Neumühle der Q-Fieber-Erreger nachgewiesen werden, woraufhin die Herde an 250 Merinolandschaften in etwa einen Kilometer entfernt vom eigentlichen Gutshof liegende Stallungen verlegt wurde, wo sie auch dauerhaft verbleiben soll. Es ließ sich feststellen, dass der Höhepunkt der Infektion zwischen Januar und April 2010 lag. Da ein Impfstoff erst im Herbst zur Verfügung stand, konnte auch erst dann mit der Impfaktion begonnen werden. Nachdem das Hofgut im vergangenen Jahr die meisten Schaflehrgänge abgesagt hatte, finden diese nun wieder statt, wobei die Teilnehmer über das Geschehen informiert werden. Im August konnte der Erreger auch bei einer Kuh nachgewiesen werden, Erkrankungen in der Herde der Neumühle konnte man jedoch nicht beobachten. „Wir nutzen nun die Erkenntnisse, die wir durch die aufgetretenen Infektionsfälle gewinnen konnten, um sie in der Aus- und Fortbildung des Hofguts Neumühle an die landwirtschaftlichen Fachkräfte weiterzugeben“, sagte Landfried abschließend.

Das Q-Fieber, eine Abkürzung für Query- beziehungsweise Queensland-Fieber, wurde erstmals 1937 in Australien wissenschaftlich beschrieben. Man geht davon aus, dass weltweit rund 30 Prozent aller Schafe und bis zu 20 Prozent der Rinder infiziert sind. Meist verläuft eine Infektion unbemerkt.