Jüdische Geschichte erforschen und vermitteln

Eröffnung einer neuen Arbeitsstelle in Lambrecht

Buchvorstellung in der neuen Arbeitsstelle (von links): Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder, Institutsdirektorin Dr. Sabine Klapp, Bernhard H. Gerlach und Roland Paul Roland

Buchvorstellung in der neuen Arbeitsstelle (von links): Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder, Institutsdirektorin Dr. Sabine Klapp, Bernhard H. Gerlach und Roland Paul Roland

Eine Arbeitsstelle zur „Geschichte der Juden in der Pfalz“ hat das Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in der Pfalzakademie Lambrecht, eröffnet. „Die Forschungen zur jüdischen Geschichte und insbesondere der Zeit des Nationalsozialismus, als die pfälzischen Juden 1940 nach Gurs deportiert wurden, sind nicht vergangenheits-, sondern zukunftsorientiert, damit sich diese Gräuel nicht wiederholen“, sagte der Bezirkstagsvorsitzende Theo Wieder bei der Eröffnung der neuen Arbeitsstelle, die ehrenamtlich vom ehemaligen Institutsdirektor Roland Paul betreut wird; unterstützt wird er, ebenfalls ehrenamtlich, von dem Theologen und ehemaligen Studiendirektor am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Kaiserslautern, Bernhard H. Gerlach. „Bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben; dennoch ist es wichtig, das Geschehene an die jüngeren Generationen weiterzugeben“, so Wieder weiter. Die Arbeitsstelle beherberge eine Fülle von Sammlungsbeständen, und in der Pfalzakademie habe man geeignete Räumlichkeiten dafür gefunden. Hier könnten dann auch Bildungsveranstaltungen und Tagungen stattfinden.

„Seit nahezu 1.000 Jahren leben jüdische Mitbürger in der Pfalz. Die Erforschung ihrer Geschichte wird mit dieser Arbeitsstelle gewürdigt“, führte Institutsdirektorin Dr. Sabine Klapp aus. Mit Roland Paul und Bernhard Gerlach, beide ausgewiesene Kenner der Materie, sei die Arbeitsstelle „fachlich in besten Händen“. Sie ist sich sicher, dass sich das Büro, dem eine umfangreiche Judaika-Sammlung mit Büchern, Quellen und anderen Datenträgern angeschlossen ist, zu einer gefragten Anlaufstelle für Interessierte, Historiker und Schüler entwickeln werde. Hier könne die Geschichte der Juden vom Mittelalter bis zur Gegenwart erforscht werden. Die Arbeitsstelle des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde in der Pfalzakademie Lambrecht, Franz-Hartmann-Straße 9, Telefon 06325 1800-245, r.paul@institut.bv-pfalz.de, ist mittwochs von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Sodann stellte Roland Paul sein neues Buch vor, das bislang als CD vorlag: „Pfälzer Juden und ihre Deportation nach Gurs. Schicksale zwischen 1940 und 1945“. An diesem 420 Seiten starken Werk habe er viele Jahre gearbeitet und zahlreiche Archive besucht. Da immer wieder Informationen hinzukämen, sei es nicht abgeschlossen, sondern könne immer wieder aktualisiert herauskommen. Das Buch bilde eine Grundlage für die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in den einzelnen Orten der Pfalz. Es beinhalte 1.554 Kurzporträts von Menschen, die nach Gurs deportiert wurden, und zwar 825 aus der Pfalz, 651 aus Baden und dem Saargebiet sowie 78, die vor dem Krieg emigrierten. Das Buch ist für 29,50 Euro im Buchhandel sowie über den Büchershop des Instituts (www.bv-pfalz.de/shop/) erhältlich.