Jugendliche wirken in Gurs-Film mit

Gedenkfahrt des Bezirksverbands Pfalz ins ehemalige Internierungslager

Einfühlsam und engagiert: Jugendliche aus der Pfalz und Baden gestalteten Filmszenen in Gurs

Einfühlsam und engagiert: Jugendliche aus der Pfalz und Baden gestalteten Filmszenen in Gurs

Insgesamt 28 pfälzische und badische Jugendliche nahmen in diesem Jahr an der Gedenkfahrt ins südwestfranzösische Gurs teil, die der Bezirksverband Pfalz sowie weitere Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft zur Unterhaltung und Pflege des Deportiertenfriedhofs organisierten. Neben der Gedenkfeier und einem Zeitzeugengespräch mit Paul Niedermann konnte die Filmemacherin Anne Castillo mit ihrem Projekt „Lueurs de Gurs“ („Schatten von Gurs“, so der deutsche Arbeitstitel) die Jugendlichen begeistern. Einfühlsam und engagiert wirkten sie bei der Entstehung von Filmszenen mit, die Paul Niedermanns Erlebnisse als 13-jähriger Häftling in Gurs schildern. Herzstück des Films bilden die Briefe von Pauls Mutter Friederike, die sie zwischen 1940 und 1941 aus dem Lager an ihre in die USA emigrierte Familie geschickt hat. Die Briefe verbinden kurze Schauspiel- und Tanzeinlagen, in denen die jungen Frauen und Männer den Lageralltag veranschaulichen und Gefühle, wie Sehnsucht und Traurigkeit, zum Ausdruck bringen, die die Briefe Friederike Niedermanns prägten. Am Ende des Films liefert Paul Niedermann als einziger Überlebender der Familie am Ort des Geschehens ein bewegendes Zeitzeugnis des Konvois, der ihn nach Gurs gebracht hat, seiner Zeit im Lager und schließlich seiner Verlegung in das Lager von Rivesaltes mit seiner Familie im Jahr 1941.

Den inzwischen 86-jährigen Zeitzeugen erlebten die Jugendlichen aus der Pfalz und Baden während eines Gesprächs am folgenden Tag und auf einer Führung durch das ehemalige Internierungslager, in das die Nationalsozialisten am 22. Oktober 1940 über 6.500 Juden aus der Pfalz und Baden verschleppt hatten. Gespannt und bewegt hörten sie seinen Bericht von den katastrophalen Zuständen, die in Gurs herrschten: Hunger und Kälte, Ratten und Ungeziefer, unerträgliche hygienische Zustände und die schier ungeheuren Schlammmassen machten den Insassen das Leben schwer. Zahlreiche von ihnen starben dort und in anderen südfranzösischen Lagern, fast die Hälfte wurde in die Vernichtungslager der Nazis im Osten gebracht und ermordet. Einige überlebten den Terror, nur ganz wenige von ihnen kehrten in die Pfalz oder nach Baden zurück. Die historischen Fakten vermittelte der Freiburger Universitätsprofessor Dr. Bernd Martin. Zur pfälzischen Gruppe, die Bezirkstagsvize Manfred Petry anführte, der zugleich Vorsitzender des Gedenkbeirats des Bezirksverbands Pfalz ist, gehörten die 17-jährige angehende Verwaltungsfachangestellte Natalie Palm und die 21-jährige Verwaltungsinspektoren-Anwärterin Ina Scheerer, die beide in der Verwaltung des Bezirksverbands Pfalz in Kaiserslautern tätig sind, sowie der 19-jährige Matthias Heckmann, der zurzeit eine Ausbildung zum Landwirt am Hofgut Neumühle in Münchweiler an der Alsenz absolviert.

Der Bezirksverband Pfalz beschäftigt sich seit einigen Jahren intensiv mit dem dunkelsten Kapitel der pfälzischen Geschichte. 2001 bewilligte der Bezirkstag Pfalz einen Zuschuss von 25.000 Euro zur Errichtung einer Gedenkstätte auf dem ehemaligen Lagergelände in Gurs, das nach Kriegsende eingeebnet und mit Bäumen bepflanzt wurde. 2006 trat der Bezirksverband Pfalz der Arbeitsgemeinschaft badischer Städte bei und zahlt nun jährlich einen Zuschuss von 5.000 Euro für die Pflege und Unterhaltung des Friedhofs, auf dem etwa 1.070 deportierte Juden aus Baden und der Pfalz beerdigt sind. Seit 2008 lädt der Regionalverband pfälzische Jugendliche zu Gedenkfahrten unter anderem nach Gurs ein.