Klaus Staudts druckgraphisches Werk

Großzügige Schenkung für Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Ohne Titel: Klaus Staudts Farbsiebdruck aus dem Jahr 1966

Ohne Titel: Klaus Staudts Farbsiebdruck aus dem Jahr 1966

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) bietet vom 5. Mai bis 15. Juli in seinem Graphischen Kabinett einen konzentrierten Einblick in die Druckgraphik von Klaus Staudt. Ermöglicht hat diese Präsentation eine überaus großzügige Schenkung des Künstlers, der das Museum mit einem umfangreichen Teil seines druckgraphischen Werkes bedacht hat. Die Graphische Sammlung ist so in der Lage, in dieser Ausstellung Staudts stilistische Entwicklung als Graphiker umfassend und in herausragender Qualität aufzuzeigen.

Klaus Staudts Werk steht ganz in der Tradition konstruktiv-konkreten Kunstschaffens. Für die zeitgenössische Bewegung der Konkreten Kunst in Deutschland gehört er zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten. Staudts Kompositionsweise unterliegt einem geometrisch-systematischen Denken, das von klaren, einfachen Bildformen ausgeht. Diese Grundformen, wie zum Beispiel Quadrat oder Kreis, werden in zunehmend komplexeren Schritten dekliniert und in ihrer Wirkung untersucht. Staudts Oeuvre beeindruckt durch Kontinuität und künstlerische Stringenz in der Umsetzung der Bildideen.

Die Druckgraphik ist ein eigener, unabhängiger Werkkomplex im Schaffen Klaus Staudts. Sie setzt 1961 mit quadratischen Feldern, Kreissegmenten und linearen Zeichen ein, die seriell geordnet oder zufallsabhängig gedreht in Beziehung gesetzt sind. Die anfänglich ausschließlich in schwarzweiß vorgetragenen Flächenorganisationen gewinnen durch farbige Betonungen von Mitte der 1960er Jahre an zunehmend räumliche Dimension. Rot und blau sind die dominierenden Farben, mit denen Staudt eine Reihe herausragender Farbsiebdrucke realisiert. Während der 1970er und 80er Jahre geht der Künstler von der Beschäftigung mit geometrischen Grundformen zu linearen Setzungen über, die mit beschwingter Leichtigkeit und farblicher Zurückhaltung eine eigene zeichnerische Atmosphäre schaffen. Eine weitere Werkgruppe sind lineare Rahmenformen, die, teilweise als Prägedrucke, Staudts Druckgraphik der letzten zehn Jahre dominieren.

Technisch ist die Druckgraphik des Künstlers bis auf ganz wenige Ausnahmen vom Siebdruck bestimmt, der der konkreten Bewegung als gewissermaßen „objektive“ und vor allem zeitgenössische Drucktechnik gilt. Im Gegensatz zu den klassischen druckgraphischen Verfahren wie Holzschnitt oder Radierung ist der Siebdruck ein junges, erst im 20. Jahrhundert entwickeltes Verfahren. Er gelangte tatsächlich erst nach dem Zweiten Weltkrieg aus den USA nach Europa. Zu Beginn noch als Eigendruck realisiert, wurden Staudts Arbeiten von 1969 an meist von Hans-Jürgen Slusallek im hessischen Friedberg gedruckt. Diese intensive Zusammenarbeit mit einem Meisterdrucker hat Klaus Staudts Siebdruckwerk weiter befruchtet: Über den Zeitraum von 50 Jahren entstand eine Abfolge qualitativ herausragender, auch drucktechnisch exquisiter Arbeiten, die zu den besten Leistungen des Siebdrucks in Deutschland zählen.

Klaus Staudt wurde 1932 in Otterndorf an der Niederelbe geboren. Er studierte von 1954 bis 1959 zunächst Medizin in Marburg und von 1959 bis 1963 Malerei in München. Anschließend war er Meisterschüler und Assistent bei Ernst Geitlinger und Georg Meistermann. In die Studienzeit fällt seine Bekanntschaft mit Josef Albers, der sein Werk nachhaltig beeinflusste. Von 1974 bis 1994 lehrte Staudt als Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Klaus Staudt lebt in Frankfurt am Main.

Zur Ausstellung erscheint Band XII der Bestandskataloge der Graphischen Sammlung mit dem Titel „Klaus Staudt: Druckgraphik“, der für etwa 15 Euro an der Museumskasse erhältlich ist. Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern ist dienstags von 11 bis 20 Uhr und mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter www.mpk.de.