Kunst als Lebenselixier

Diskussion um Engagement im Kunstbetrieb im MPK

Diskutierten angeregt miteinander und mit dem Publikum: Der Bezirkstagsvorsitzende Theo Wieder (Mitte) und der Bochumer Kunstvermittler Alexander von Berswordt mit der Gesprächsleiterin Dr. Anette Reich vom Museum Pfalzgalerie

„Die Kunst ist ein Lebenselixier, sie prägt unser Menschsein“, sagte der Bezirkstagsvorsitzende Theo Wieder im Gespräch mit dem Bochumer Kunstvermittler Alexander von Berswordt im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk). Beim Kunst(früh)stück setzten sich die beiden mit der Bedeutung von Kooperationen im Kunstbetrieb aus politischer sowie aus der Sicht von Kunstschaffenden auseinander. Durch das Gespräch führte die stellvertretende Direktorin des mpk, Dr. Anette Reich. Anlass für die Diskussion war das Kooperationsprojekt „Aufbruch. Malerei und realer Raum“, das das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern in Zusammenarbeit mit Situation Kunst in Bochum, der Akademie der Künste in Berlin, dem Museum im Kulturspeicher Würzburg und der Kunsthalle Rostock realisiert hat.

Die Grundfrage, ob es in Zeiten zunehmend begrenzter finanzieller Mittel geradezu notwendig sei, kooperative Möglichkeiten auszuloten, um bei der Umsetzung von Ausstellungsprojekten Kosten zu reduzieren, beantwortete Wieder differenziert. Für ihn entstehe Kooperation nicht nur aus Finanznöten heraus; für jede Ausstellung arbeiten Museen und Künstler zusammen, so Wieder, demnach sei das Prinzip nicht neu. Auch der Bezirksverband Pfalz sei eine Körperschaft, die ohne Kooperation nicht denkbar sei. Die zahlreichen Einrichtungen des Bezirksverbands Pfalz, darunter auch das Museum Pfalzgalerie, wirken nicht isoliert nebeneinander, sondern es gelänge ihnen immer wieder, Aktivitäten zusammenzuführen. Auch für Berswordt ist „Kooperation ein existenzieller Begriff“, gelte es doch gerade für Museen immer wieder, herausragende Ausstellungen mit Alleinstellungsmerkmalen zu bieten. Er wies dabei darauf hin, dass auch die Bürgerschaft in einer besonderen Verantwortung gegenüber ihren Museen stehe.

Zudem stellte sich die Frage nach dem zukünftigen Selbstverständnis von Museen: Wie weit sollten sie sich für Kooperationen mit externen Partnern öffnen, zum Beispiel im Hinblick auf eine stärker werdende Eventkultur, wollte Reich von den Diskutanten wissen. Events seien als Marketing-Instrument legitim, insoweit sie größere Besucheraufmerksamkeit auf das Haus und die qualitativ hochwertige Arbeit des Museumsteams lenken, so Wieder. „Zum Beispiel wäre ein Frühstück im Museum vor einigen Jahren noch nicht vorstellbar gewesen. Jetzt lockt das Kunst(früh)stück des Museums Pfalzgalerie jeden Monat zahlreiche Besucher hierher“. Die Veranstaltungsreihe sei ein gutes Beispiel für ein gelungenes Vermittlungsinstrument, das nicht zuletzt die mediale Aufmerksamkeit hervorrufe. „So gewinnt die Einrichtung Ausstrahlungskraft über die Region hinaus, was das Argumentieren gegenüber der Politik erleichtert.“ Berswordt warnte vor „Augenwischerei“, die Fixierung auf die finanzielle Tragbarkeit von Museen halte er für einen Fehler: „Kunst kostet Geld, das sollte allen klar sein. Von Schulen und Universitäten würde keiner erwarten, dass sie Geld erwirtschaften.“ Kunst müsse sich mehr in den Vordergrund stellen, denn sie sei notwendig. „Eine Stadt oder Region sollte sich Kunst nicht trotz der desolaten Situation leisten, sondern wegen der desolaten Situation“. Wieder unterstrich, dass Kunst unverzichtbar sei. Das mpk als Haus der Kunst in der Pfalz und für die Pfalz dürfe – auch wenn manchmal Kompromisse unumgänglich seien – weiterhin auf die nötige politische und finanzielle Unterstützung zählen, um die sehr gute Arbeit fortzusetzen.

Die umfangreiche Ausstellung „Aufbruch. Malerei und realer Raum“ gibt einen Überblick über vielfältige künstlerische Ansätze, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts die Grenzen des traditionellen Tafelbildes aufbrechen. Sie ist noch bis 22. April im Museum Pfalzgalerie zu sehen. Weitere Informationen unter www.mpk.de.