Kyra Spieker – Der rote Faden

Künstler im Dialog mit Angewandter Kunst im Museum Pfalzgalerie

Vom Umgang mit dem Raum: Kyra Spiekers Porzellanarbeit „Link“ von 2009

Vom Umgang mit dem Raum: Kyra Spiekers Porzellanarbeit „Link“ von 2009

Mit der Ausstellung „Der rote Faden. Künstler im Dialog mit Angewandter Kunst (3)“ ermöglicht die international renommierte Künstlerin Kyra Spieker einen ungewöhnlichen Blick auf von ihr ausgewählte Stücke der Stoffsammlung des Museums Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk). Die Ausstellung wird am Freitag, 6. September, um 19 Uhr in Gegenwart der Künstlerin eröffnet. Bis zum 3. November kann zwischen abstrakten Porzellan- und Papierarbeiten Spiekers und Stoffen aus der Kunsthandwerklichen Sammlung lustgewandelt werden. Denn es ist zunächst ein reines Vergnügen, den rhythmischen Strukturen der zart schimmernden Porzellanarbeiten und dem mitunter elegant verschlungenen Rapport der Damaste und Brokatstoffe aus der hauseigenen Sammlung zu folgen. Auf den zweiten Blick eröffnen sich weiterführende Überlegungen zu den Verbindungen beider Bereiche.

Zum dritten Mal werden Artefakte der Kunsthandwerklichen Sammlung in den künstlerischen Fokus genommen. Beim Aufeinandertreffen von Angewandter und Bildender Kunst finden aufschlussreiche Verschiebungen ursprünglicher Zusammenhänge statt, die dazu auffordern, Altbekanntes im neuen Licht zu sehen. Die eigens für diesen Dialog geschaffenen Kunstwerke geben jeweils umgekehrt Einblick in das künstlerische Denken. Spiekers Arbeiten bestechen durch einen verblüffenden Umgang mit dem Raum. Grundlage ihrer Arbeit ist ein Würfelmodul mit wellenförmigen Ober- und Unterkanten. In Porzellan gefertigt, ist jeder Würfel einzeln eine gleichermaßen elegante wie schlichte Erscheinung. Zu mehreren als Modul geschichtet, gedreht und aneinandergereiht, lassen sie hingegen hochkomplexe, variantenreiche Rhythmen entstehen, die das Auge lange beschäftigen. Die Kombination von Raum, Oberfläche und Linie führt im Zusammenspiel zu imponierenden Werken, die ein darunterliegendes System spürbar werden lassen und deren Ordnung man instinktiv ergründen möchte.

Spiekers ausgewählte „Gesprächspartner“, Stoffe aus dem 17. und 18. Jahrhundert, überzeugen durch ihre mitunter ausgeklügelten üppigen Muster. Aber auch die einfacheren Ausführungen der Damaste, Seiden- und Silberbrokatstoffe wecken eine gewisse Ehrfurcht. Denn immer schwingt bei der Betrachtung der Gewebe der Versuch mit, die Webstrukturen zu entschlüsseln und damit automatisch der Gedanke an die Komplexität der Einrichtung des Webstuhls. Der Verlauf der Muster sowie die Wahl der Farben vermitteln neben den Webrichtungen von Kett- und Schussfäden eine zusätzliche Räumlichkeit. Hier liegt die thematische Schnittstelle zum Werk von Spieker: Raum, Ordnung und im weiterführenden Sinne Orientierung sind die zentralen Themen ihrer Arbeit. Der Blick Spiekers allerdings zielt tiefer und grundsätzlicher. Mit ihren Werken lässt sie sich nicht auf die Oberfläche der Stoffe selbst ein, sondern – und das mag zunächst verwundern – auf deren Raumgefüge. Kette und Schuss, Horizontale und Senkrechte, werden je nach Bindung der Stoffe unterschiedlich miteinander verkreuzt. Die Künstlerin widmet sich demnach einem Raum, der zunächst unsichtbar, aber wesentlich ist.

Spieker, 1957 in Schiltach im Schwarzwald geboren, begann ihre Ausbildung mit einer Lehre als Keramikerin, an die sie ein Studium für Keramikgestaltung in Höhr-Grenzhausen und 1996 das der Bildenden Kunst an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz anschloss. Sie hat neben zahlreichen Einzelausstellungen verschiedene Preise, Stipendien und Förderungen erhalten, unter anderem 1998 das Burgund-Stipendium des Kultusministeriums Rheinland-Pfalz. Sie wurde zu zahlreichen Keramiksymposien eingeladen, so nach Polen, in die Tschechische Republik, Finnland und 2011 zum renommierten internationalen Keramiksymposium in Römhild. Ihre Arbeiten sind sowohl in öffentlichen Sammlungen, unter anderem in der Städtischen Kunsthalle in Mannheim, dem Kunstgewerbemuseum in Berlin und dem Museum Ariana in Korea, als auch im öffentlichen Raum, wie in Dijon (Betonplastik, Institut Universitaire de Technologie), Mainz (Reliefs am Abgeordnetenhaus des Landtags) und Montabaur (Wandgestaltung am Mons-Tabor-Gymnasium), zu sehen. Sie war über mehrere Jahre Lehrbeauftragte an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Spieker lebt und arbeitet in Höhr-Grenzhausen.

Die Ausstellung wird aus Mitteln des Kultursommers Rheinland-Pfalz unterstützt. Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern am Museumsplatz 1 ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und dienstags von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter www.mpk.de.

Ort
Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Museumsplatz 1, 67657 Kaiserslautern

Pressevorbesichtigung
3. September, 11.00 Uhr und nach telefonischer Absprache

Eröffnung
6. September 2013, 19 Uhr

Ausstellungsdauer
7. September bis 3. November 2013

Öffnungszeiten
Di 11 – 20 Uhr, Mi – So 10 – 17 Uhr, Feiertage 10 – 17 Uhr

Information
www.mpk.de, info@mpk.bv-pfalz.de, Telefon +49(0)631 3647-201, Fax +49(0)631 3647-202

Eintritt
Sammlung: 3 Euro, Sonderausstellungen: 5 Euro, Kombikarte (Sammlung und Sonderausstellung) 6 Euro, Familienkarte 10 Euro, Jahreskarte 20 Euro, freier Eintritt für Kinder und Schüler bis 16 Jahren

Medienpartner
Rheinpfalz, SWR 2

Kurator
Dr. des. Svenja Kriebel M.A., s.kriebel@mpk.bv-pfalz.de, Telefon 0631 3647- 211

Pressedownloads
www.mpk.de – hier sind Pressefotos abgelegt