Linda Karshan – Bewegung und Linie

Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern zeigt Zeichnungen von 1984 bis 2012

Gitterform: Linda Karshans Tuschezeichnung ohne Titel von 1995 (Courtesy Galerie Werner Klein

Gitterform: Linda Karshans Tuschezeichnung ohne Titel von 1995 (Courtesy Galerie Werner Klein

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) bietet vom 16. Januar bis 7. April unter dem Titel „Lines and Movements – Bewegung und Linie" einen konzentrierten Einblick in das zeichnerische Schaffen von Linda Karshan. Es ist die erste Einzelausstellung der amerikanischen Künstlerin in einem deutschen Museum. Anhand einer qualitativ herausragenden Auswahl von rund 60 Zeichnungen aus den drei vergangenen Jahrzehnten (1984 bis 2012) wird ihre künstlerische Entwicklung aufgezeigt. Besondere Betonung erfährt die Herausbildung der horizontal-vertikalen Linienführung und der linearen Flächenorganisation ihrer Werke. Die Ausstellung wird am Dienstag, 16. Januar, um 19 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin durch Museumsdirektorin Dr. Britta E. Buhlmann und Ausstellungskurator Dr. Heinz Höfchen eröffnet.

Linda Karshan ist Zeichnerin durch und durch: Sie zeichnet instinktiv nach ihrer inneren Choreographie, nach dem Rhythmus ihrer Existenz. Ihr beherrschendes Thema ist die Einbeziehung des spontanen Elements eigener Körpererfahrung in eine geometrisch organisierte Struktur. Sie verbindet in ihrer Arbeit Kunst und Psychologie. „Mein Sein zeichnen", nennt die Künstlerin den intensiven, geradezu ritualisierten Entstehungsprozess ihrer Werke, die in der Suche nach Absolutheit der Linie und elementarer Form eine eindrucksvolle Position zeitgenössischer Zeichenkunst markieren. In ihrer konzentrierten, im Laufe des Schaffens immer weiter reduzierten Bildsprache hat Linda Karshan zu einer grundlegenden, in ihrer Radikalität äußerst anspruchsvollen Ausdrucksform gefunden.

Die Entwicklung ihrer Zeichnung zur Gitterform setzt im zeichnerischen Schaffen Linda Karshans um 1995 ein, begleitet während der zweiten Hälfte der 90er Jahre von ständigem Ringen um die Qualität der Linie, um die Ausprägung des Gitters, das sich unter durchaus noch gestisch anmutender Findung langsam manifestiert. Der Durchbruch zur klaren Flächenorganisation im Sinne einer organischen Konkretion gelingt zu Beginn des neuen Jahrhunderts: Zunehmend verfestigen sich die Rasterformen, sie können eng oder weit gefasst sein, sich sogar zum Einzelmotiv wandeln, zur Rahmenform, mit Mut zu undefiniertem Raum. Das Gitter oder Raster als formales Ordnungssystem hat in der Kunst des 20. Jahrhunderts eine lange Tradition, insbesondere in der konstruktiv-konkreten Kunst, die sich der Sprache der Geometrie bedient – beispielsweise im Schaffen von Piet Mondrian, Josef Albers oder Sol LeWitt. Bei der mathematisch-logischen Umsetzung ist für die Künstler die visuelle Nachvollziehbarkeit entscheidend. Das Raster ist hier Garant für eine rationale Erfassung der Welt. Linda Karshans Gitterformen stehen nur auf den ersten Blick in dieser Tradition der Formstrenge, die eine individuelle Erkennbarkeit des Handschriftlichen verneint. Ihre Intentionen sind bei aller formalen Ähnlichkeit grundsätzlich andere: Sie betont im Gegensatz zum rein Rationalen eben gerade den individuellen Ausdruck der Linie als Seismograph des Innenlebens.

Als jüngste zeichnerische Entwicklung Linda Karshans müssen die „Light Points" gelten. Das Auge erweist sich als Komplize der Linie, fixiert die imaginären linearen Schnittpunkte und erlebt in Folge die Fata Morgana inexistenter heller Punkte, der „Light Points". Visuell sind diese optischen Täuschungen äußerst eindrücklich, und auch in ihrer theoretischen Dimension handelt es sich um eine der qualitätvollsten Werkgruppen im Œuvre der Künstlerin.

Linda Karshan wurde 1947 in Minneapolis (Minnesota/USA) geboren. Sie studierte 1965/66 zunächst am Skidmore College in Saratoga Springs (New York) und nahm 1967/68 ein Studium der Kunstgeschichte an der Pariser Sorbonne auf. 1969 übersiedelte sie nach London und studierte Kunstgeschichte an der Slade School.1983 erwarb sie den Master in Kunst und Psychologie an der Antioch University, London. Im selben Jahr richtete sie ein erstes Studio ein, 1990 bezog sie ihr heutiges Studio in Denmark Hill, London. Seit 1998 unterhält sie ein zweites Studio in Lakeville (Connecticut/USA), dort arbeitet sie im Sommer.

Die Ausstellung wird eingerichtet in Zusammenarbeit mit den Galerien Biedermann (München), Redfern (London), Kit Schulte (Berlin) und Werner Klein in Köln. Das mpk ist dienstags von 11 bis 20 Uhr und mittwochs bis sonntags sowie feiertags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Infos unter www.mpk.de.