„OptiKuh“ soll Tiergesundheit verbessern

Forschungsprojekt startet im Hofgut Neumühle

Futtern für die Forschung: Milchkühe des Hofguts Neumühle

Futtern für die Forschung: Milchkühe des Hofguts Neumühle

Ein besonderes Forschungs- und Entwicklungsprojekt startete kürzlich am Hofgut Neumühle in Münchweiler an der Alsenz sowie an weiteren 21 Lehr- und Forschungsbetrieben: „OptiKuh“, so der klangvolle Name des bundesweit angelegten Vorhabens, soll im Laufe von drei Jahren zu Kenntnissen führen, die der Haltung und Gesundheit von Milchkühen zugutekommen. Einmalig ist bislang in Deutschland, dass Tierernährer und Tierzüchter sowie deren wissenschaftliche Institute zusammenarbeiten und dass eine Datengrundlage geschaffen wird, die es in dieser Breite noch nie gab. Das Ganze hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft angestoßen und dafür gut 3,5 Millionen Euro bereitgestellt. Rund 200.000 Euro entfallen davon auf das Hofgut des Bezirksverbands Pfalz, das auch Daten ermitteln wird, die den Bauern in der Praxis von Nutzen sind. Im Dienst der Wissenschaft stehen hier rund 150 Milchkühe der Rasse Deutsche Holstein; am Forschungsprojekt insgesamt sind rund 1.700 Tiere beteiligt.

Die Milchleistung von Kühen konnte in den vergangenen 30 bis 40 Jahren um mehr als die Hälfte gesteigert werden, obwohl die Tiere nur etwa 25 bis 30 Prozent mehr Futter aufnehmen. Das heißt, die Kühe mobilisieren nach der Geburt eines Kalbes Körpermasse, um die nötige Energie für die Milchbildung zur Verfügung zu stellen, was physiologisch als normal eingeschätzt wird. Greifen die Tiere jedoch übermäßig stark auf ihre Körperreserven zurück, steigt das Risiko an, krank zu werden. Um diesem Phänomen wissenschaftlich nachzugehen, geht es nun darum, einen Zuchtwert für die Futteraufnahme zu entwickeln, um herauszufinden, wie hoch diese genetisch vererbbar ist, damit die Bauern sie nachhaltig in der Tierzucht nutzen können. Darüber hinaus steht die Stoffwechselstabilität im Fokus, das heißt, es wird untersucht, welche Faktoren eine Rolle spielen, dass manche Hochleistungskühe gesundheitliche Probleme bekommen und andere nicht. Schließlich geht es noch um die Umweltverträglichkeit, denn es gibt Kühe, die weniger Methan produzieren als andere; hier stellt sich die Frage, ob sie das Methan energetisch effizienter nutzen oder in geringerem Maße produzieren.

Das Forschungsprojekt betreut im Hofgut Neumühle Dr. Christian Koch, der für die Lehrwerkstätte für Milchvieh zuständig ist. Die einzelnen Daten ermittelt eine Doktorandin, die alle Hände voll zu tun hat. Denn sie erhebt täglich unter anderem die Menge des aufgenommenen Futters sowie das Gewicht und die Milchleistung der Tiere; vierzehntäglich analysiert sie das Futter und wöchentlich die Milchinhaltsstoffe, wie Fett, Eiweiß und Laktose, sowie die Milchfettzusammensetzung. Außerdem muss sie Blut- und Harnproben nehmen, die Klauen der Tiere beurteilen, an denen sich die Gesundheit zeigt, und die Rückenfettdicke begutachten, die Auskunft über die Körperkondition gibt. Dreimal im Untersuchungszeitraum von 100 Tagen muss sie außerdem Leberproben entnehmen. Alle Daten der 22 am Forschungsprojekt beteiligten Betriebe werden von der Universität Kiel gebündelt und in deren Rechenzentrum gespeichert und ausgewertet.

„Für die Bauern ist es sehr hilfreich zu wissen, wie sie ihre Kühe möglichst lange bei guter Gesundheit halten können“, sagt Koch. „Denn kranke Kühe produzieren weniger Milch und fallen als Milchlieferanten schneller aus.“ Neumühle-Leiter Dr. Karl Landfried freut sich, dass das Hofgut des Bezirksverbands Pfalz den Zuschlag bekommen hat, an dem einmaligen Forschungsprojekt mitzuarbeiten: „Es versetzt uns in die Lage, unsere Erkenntnisse an die Landwirte weiterzugeben.“