Pfalzpreis für Bildende Kunst 2016

Ausstellungseröffnung im mpk mit sechs Nominierungen für den Pfalzpreis für Bildende Kunst

Besucherandrang bei der Ausstellungseröffnung im mpk: Die ausgestellten Werke für den Pfalzpreis für Bildende Kunst wecken großes Interesse.

Besucherandrang bei der Ausstellungseröffnung im mpk: Die ausgestellten Werke für den Pfalzpreis für Bildende Kunst wecken großes Interesse.

„Insgesamt 134 Künstler haben sich in diesem Jahr um den Pfalzpreis für Bildende Kunst beworben, den der Bezirksverband Pfalz in der Sparte Graphik/Fotografie/Video/neue Medien ausgeschrieben hat“, sagte der stellvertretende Bezirkstagsvorsitzende Dr. Klaus Weichel bei der Eröffnung der Ausstellung im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk). Er dankte allen Künstlerinnen und Künstlern, deren rege Beteiligung zeige, wie lebendig die Kunstszene in der Pfalz sei. Auch viele Pfälzer, die nicht mehr in der Region leben, hätten sich in diesem Jahr beworben. Eine Fachjury habe aus der Vielzahl an Bewerbungen insgesamt 19 Künstlerinnen und Künstler ausgewählt, deren Werke nun bis zum 14. August im mpk zu sehen sind.

Für den mit 10.000 Euro dotierten Pfalzpreis sind Nicole Ahland, Sarah Mock, Hermann Recknagel und Christiane Schlosser nominiert. Zwei weitere Nominierungen erhalten Andrea Grützner und Jana Kerima Stolzer für den mit 2.500 Euro dotierten Nachwuchspreis. Die Jury entschied sich, in diesem Jahr auch einen Lebenswerkpreis zu vergeben. Dieser Preis solle der Ludwigshafener Rudolf Scharpf (1919-2014) postum erhalten, der vor allem durch seine herausragende Holzschnittkunst bekannt wurde und einer der bedeutendsten Künstler der Pfalz war. Die Preisträger werden im Rahmen der Pfalzpreis-Gala am Sonntag, 20. November, um 18 Uhr im Großen Haus des Pfalztheaters Kaiserslautern bekannt gegeben. In die Zukunft blickend, versicherte Weichel, dass sich der Bezirksverband Pfalz auch weiterhin dafür engagieren werde, die Kunst in der Region zu fördern und pfälzische Künstlerinnen und Künstler zu unterstützen.

Der Kurator der Pfalzpreis-Ausstellung, Dr. Heinz Höfchen, regte mit seinen Fragen, was Kunst sei und leiste, die Besucher zum Nachdenken an. Kunst sei vor allem ein Ausdruck von Emotion und des imaginativen Lebens. Diese Emotionen seien wichtig, da sie der Schlüssel der Kunst seien. Zudem gebe es zahlreiche neue und innovative Strömungen, die die pluralistische Gesellschaft spiegeln und ein Ausdruck von Freiheit seien, führte Höfchen aus. Daher sei es wichtig, Vorurteile gegenüber neuer Kunst abzubauen.

Höfchen stellte dann die einzelnen Nominierten vor: Nicole Ahland, deren Zweitwohnsitz in Kaiserslautern ist und die künstlerisch auch in der Westpfalz aktiv ist, widme sich in schwarz-weiß Fotografien der Lichtwirkung im Raum; die Künstlerin spiele dabei mit Malerei und Fotografie. Eine kulturhistorische Untersuchung aus einer hochmodernen Perspektive liefere die in Frankenthal und Neustadt aufgewachsene Sarah Mock mit ihren selbstreflektierten Videoarbeiten. Besonders im Fokus stehe dabei der Gegensatz von Natürlichkeit und Künstlichkeit. Die fotografischen Arbeiten aus der Reihe „Suppengrün“ von Hermann Recknagel aus Frankfurt haben einen inhaltlichen Bezug zur Pfalz: Seine lebensgroßen Porträts von Erntearbeitern in der Vorderpfalz, denen der Betrachter auf Augenhöhe begegnet, heben die Ambivalenz zwischen der ehrlichen Arbeit und der gleichzeitigen saisonalen Ausbeutung in einer funktionalistischen Arbeitswelt hervor. Als unorthodoxe Grenzgängerin, so Höfchen, könne man Christiane Schlosser bezeichnen, die in Berlin arbeitet und zehn Jahre in Albersweiler gelebt hat. Bei ihr ergeben viele kleine zeichnerische Entscheidungen ein „all over“, ein Raster organischer Konkretion. Die für den Nachwuchspreis nominierte Andrea Grützner ist in Kaiserslautern aufgewachsen und liefere in ihrer fotografischen Werkreihe „Tanztee“ eine vielschichtige und differenzierte Betrachtung zum wichtigen gesellschaftlichen Thema des Älterwerdens. Die intensive Farbigkeit der Arbeiten stehe in scharfem Kontrast dazu. Die Videoinstallationen der aus Kandel stammenden und in Dortmund lebenden Jana Kerima Stolzer, die ebenfalls für den Nachwuchspreis nominiert ist, zeigen Fragmente des digitalen Lifestyles und werfe Schlaglichter auf die medial aufbereitete Wirklichkeit.

Die Ausstellung zeigt die Werke von Nicole Ahland, Nicole Bellaire, Helga Boebel, Natascha Brändli, Thomas Brenner, Margret Eicher, Andrea Esswein, Andrea Grützner, Fiona Heieck, Jörg Heieck, Eva Johann, Oliver Kelm, Sarah Mock, Hermann Recknagel, Regina Reim, Silvia Rudolf, Christiane Schlosser, Gerd O. Stegner und Jana Kerima Stolzer. Ein 96-seitiger Katalog mit zahlreichen Abbildungen ist für zwölf Euro an der Museumskasse erhältlich. Mitglieder der Jury unter Vorsitz des Bezirkstagsvorsitzenden Theo Wieder waren Barbara Auer, Direktorin des Kunstvereins Ludwigshafen, Stefan Engel, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler, Jana Franze vom Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, Dr. Thomas Köllhofer, Leiter der Graphischen Sammlung der Kunsthalle Mannheim, sowie Prof. Dr. Beate Reifenscheid, Direktorin des Ludwig Museums Koblenz.

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Museumsplatz 1, ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und dienstags von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter www.mpk.de.