Phänomen Landschaft

Museum Pfalzgalerie zeigt über 100 Werke zum Thema „Pfälzer Landschaften“

Zivilisatorisch veränderte Landschaft als zentrales Thema: Besucherinnen vor der Werkreihe „Nonnenwühl (Mülldeponie der Stadt Speyer)“ des Fotografen Kurt Schapper

Zivilisatorisch veränderte Landschaft als zentrales Thema: Besucherinnen vor der Werkreihe „Nonnenwühl (Mülldeponie der Stadt Speyer)“ des Fotografen Kurt Schapper

„Wir dürfen als Pfälzerinnen und Pfälzer in einer besonders schönen Landschaft leben. Natürlich gehört zur Landschaft auch die Kulturlandschaft“, sagte der Bezirkstagsvorsitzende Theo Wieder bei der Eröffnung der Ausstellung „Pfälzer Landschaften – Natur pur“ im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk). Zur pfälzischen Kulturlandschaft, so Wieder weiter, gehören auch die kulturellen Einrichtungen des Bezirksverbands Pfalz, insbesondere auch das Museum Pfalzgalerie. Da sich die Ausstellung, die bis 17. Juli über 100 Werke aus dem eigenen Bestand des Museums zeigt, in den Veranstaltungsreigen zum 200-jährigen Jubiläum des Bezirkstags Pfalz einreiht, erläuterte er weiter: „Seitdem die ernannten Mitglieder des ersten „Landraths“ ab 1816 den Bayerischen König in einigen Bereichen beraten durften, haben sich die Menschen, unsere Aufgaben und unsere Entscheidungsbefugnisse natürlich stark gewandelt. Mit besonderer Leidenschaft nimmt der Bezirksverband Pfalz etwa die Verantwortung für den Naturpark Pfälzerwald wahr; warum – das verraten auch die Bilder dieser Ausstellung!“

Nicht immer kündige sich im Vorfeld einer Ausstellung ein so reges Interesse an, so die Direktorin des mpk, Dr. Britta E. Buhlmann. Sie ging der Frage auf den Grund, weshalb das Phänomen Landschaft durch die Zeiten so stark fasziniere. So sei eine Beschäftigung mit Landschaft bereits aus vorchristlicher Zeit belegt, eine tiefere Verbindung zur Natur sei nach der agrarisch geprägten Gesellschaft des Mittelalter vor allem wieder mit dem heraufziehenden Humanismus entstanden; „Erst jenseits eines utilitaristischen Interesses an der Natur als etwas zur Ernährung Notwendiges war eine Wahrnehmung der Natur als etwas Schönes und eine Zuwendung zur Landschaft in kontemplativer Weise möglich“, so Buhlmann. „Das Spektrum der Landschaftsaneignung ist erheblich; Situationen, die sich in der Pfalz zeigen, erlauben eine variantenreiche Darstellung“. Die Ausstellung lade dazu ein, diese zu genießen und über diese nachzudenken, sagte die Direktorin.

Das Museum des Bezirksverbands Pfalz besitzt von der schnellen Bleistiftskizze bis zum durchformulierten Gemälde viele großartige Bildbeispiele zum Thema. Von Heinrich Jakob Frieds Pfalzlandschaften des 19. Jahrhunderts bis zu Ludwig Waldschmidts expressiven Landschaftsradierungen aus dem Pfälzerwald wird ein spannungsreicher motivischer Bogen geschlagen. In jeder künstlerischen Beschäftigung mit Natur sei auch die Auseinandersetzung zwischen „Natura naturans“ – der schaffenden Natur – und „Natura naturata“ – der geschaffenen, also vom Menschen gestalteten Natur – präsent, erläuterte der Kurator der Ausstellung, Dr. Heinz Höfchen. Durch die bildkünstlerische Verarbeitung von Landschaft und Naturphänomenen könne mit historischen Beispielen auch die Veränderung der Naturwahrnehmung vor Augen geführt und überhaupt die Umgestaltung der Landschaft mittels menschlicher Eingriffe dokumentiert werden.

Albert Haueisen, Max Slevogt, Peter Koch, Siegfried von Leth, August und Eugen Croissant, Daniel Wohlgemuth, Kurt Schapper, Sigrid Schewior, Jörg Heieck und viele andere waren und sind dem Reiz der Pfälzer Landschaften auf der Spur. Ihre Gemälde, Aquarelle und Fotografien spiegeln die Sinnenfreuden dieser bezaubernden und unverwechselbaren Region und können jetzt in dieser einzigartigen Ausstellung bewundert werden. Für die Erkundungstour gab Höfchen den Besuchern ein Zitat des französischen Schriftstellers Marcel Proust mit auf den Weg: „Die wirkliche Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu erforschen, sondern darin, Altes mit neuen Augen zu sehen.“

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der erstmalig die künstlerische Dimension des Themas „Pfälzer Landschaften“ aufzeigt; das Buch mit Texten von Britta E. Buhlmann und Heinz Höfchen sowie zahlreichen Farbabbildungen hat einen Umfang von 80 Seiten und ist zum Preis von 19 Euro erhältlich (ISBN 978-3-89422-205-5).