Politischer Dialog im Tal

Lambrechter Montagsrunde zum demografischen Wandel

Zum dritten Mal fand die Lambrechter Montagsrunde in der Pfalzakademie Lambrecht statt. Das Kooperationsprojekt zwischen der Volkshochschule (VHS) Lambrecht und dem Bildungshaus des Bezirksverbands Pfalz hat zum Ziel, die Menschen anhand verschiedener Themen in der Verbandsgemeinde miteinander ins Gespräch zu bringen. Dabei ging es diesmal um den demografischen Wandel und die damit verbundenen Chancen und Risiken, der zu einer regen Diskussion führte. So würden die Jüngeren immer mehr die Dörfer verlassen, wodurch es zunehmend Lehrstände bei den Immobilien gebe. Hierdurch fielen die Immobilien- und Mietpreise, so dass sich vorwiegend sozial schwache Familien ansiedeln würden. Die Grund- sowie Realschule plus in Lambrecht entwickelten sich dadurch heute schon immer mehr zu Brennpunktschulen, in denen vermehrt Schülerinnen und Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten und sozialen Problemen beschult würden. Alleine die Kosten für Schulsozialarbeit sowie für die soziale Absicherung beliefen sich in der Verbandsgemeine inzwischen auf 1,2 Millionen Euro. Niedrige Mieten seien aber auch von Vorteil für die von Altersarmut betroffenen Rentnerinnen und Rentner im Tal.

Die Landflucht Jüngerer führe zudem zu einer Abnahme der Kinder. Dies habe Auswirkungen auf den Bestand von Kindertagesstätten und Grundschulen. Fehlen diese aus Wirtschaftlichkeitsgründen, schaffe man es auch nicht mehr, junge Familien aus den Städten zurückzuholen, da diesen die wichtigste Infrastruktur fehle. Problematisch sei in diesem Zusammenhang auch die mangelnde Nahversorgung. So gäbe es im Tal aktuell keine Tankstelle, keinen Drogeriemarkt und keinen Baumarkt sowie in den Dörfern kaum noch Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf. Vor große Herausforderungen stünde die Verbandsgemeinde aber auch mit Blick auf die Pflege der Älteren und die Ärzteversorgung. Das Altenheim in Lambrecht würde aufgrund der Zunahme alternder Menschen bald an seine Grenzen stoßen. Die Allgemeinärzte begäben sich über kurz oder lang in den Ruhestand und Nachfolger seien bis dato nicht in Sicht. Dies führe wiederum zu Problemen bei der Notarztversorgung. Auch fehlten dringend benötigte Fachärzte im Tal, die vor allem altersbedingte Leiden behandeln könnten.

Das heute schon sichtbare Missverhältnis zwischen Alt und Jung zeige sich auch bei der Zunahme der Eigenverantwortung für die spätere Rente oder den Pflegefall. Und es bliebe abzuwarten, ob die Belastung der Renten- und Sozialkassen durch die Alten von den Jungen zukünftig überhaupt noch geschultert werden könne. Umgekehrt hätten die Kinder bessere Chancen auf einen Arbeitsplatz, weil vermehrt Menschen in Rente gingen. Andererseits sei es von Vorteil, wenn viele Menschen im Rentenalter aufgrund veränderter Arbeitsbedingungen länger rüstig blieben. Viele brächten sich ehrenamtlich in Vereinen ein oder, wie in Lambrecht, in der Senioren AG. Auch könne man die fitten Senioren für die Kinderbetreuung gewinnen, wo Kitas an die Grenzen stießen. Wichtig sei aber auch, so eine Teilnehmerin, die Weisheit der älteren Generation stärker zu nutzen, um von deren Erfahrungen zu profitieren.

Kontakt:
VHS Lambrecht, Traudel Füßer, 06325 181112, traudel.fuesser­@vg-lambrecht.de
Pfalzakademie, Dr. Uwe Schwab, 06325 1800-25, u.schwab@pfalzakademie.bv-pfalz.de