Qiu Shihua – Landschaft, Licht und Stille

Erste museale Einzelausstellung in Europa für chinesischen Maler

Stimmungen

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Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) zeigt vom 8. September bis zum 6. Januar unter dem Titel „Landschaft, Licht und Stille” rund 50 meist großformatige Ölgemälde des chinesischen Malers Qiu Shihua. Erstmals in einer musealen Einzelausstellung in Europa stellt das Museum des Bezirksverbands Pfalz in Kooperation mit der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin das Werk des Künstlers in einem repräsentativen Überblick vor. Private und öffentliche Leihgeber im In- und Ausland haben die Zusammenschau ermöglicht. Sie wird am Freitag, 7. September, um 19 Uhr von dem Bezirkstagsvorsitzenden Theo Wieder, Museumsdirektorin Dr. Britta E. Buhlmann, Dr. Silke von Berswordt-Wallrabe, Autorin des Katalogs, und Ausstellungskuratorin Dr. Annette Reich eröffnet; es singt Seung-Hee Jang (Sopran), begleitet von Ai Ichikawa (Klavier). Für Kinder ab sechs Jahre gibt es ein museumspädagogisches Angebot.

Qiu Shihua zählt mit seinen seit den frühen 1970er Jahren bis heute entstandenen Werken zu den herausragenden Positionen aktueller chinesischer Kunst im Allgemeinen und zeitgenössischer Landschaftsmalerei im Besonderen. Der Künstler befragt mit äußerst feinen Bildfindungen auf eindrucksvolle Weise die Sichtbarkeit in der Malerei. Er verbindet ostasiatische Vorstellungen mit westlichen Einflüssen und lädt zu außergewöhnlichen Seherlebnissen ein.

Auf den ersten Blick scheinen seine Gemälde nahezu weiß zu sein, doch bei längerer, intensiver Betrachtung werden weite Landschaften, ruhig und menschenleer, in zarten variantenreichen Farbnuancen sichtbar. Je nach Blickwinkel erscheinen oder entziehen sich Motive wie Bäume, Wellen, ein Weg oder die durch eine Wolkendecke hindurch brechende Sonne. Erahntes verdichtet sich, Details scheinen auf, doch schon im nächsten Augenblick kann sich der eben gewonnene Eindruck wieder ins Immaterielle verflüchtigen. Das gemalte Licht übt geradezu eine magische Anziehungskraft auf den Betrachter aus. Stimmungen entstehen, die an einen Traumzustand erinnern.

In seiner Denk- und Arbeitsweise orientiert sich Qiu Shihua am Taoismus. Darstellung und Entrückung, An- und Abwesenheit, Fülle und Leere beschäftigen den Maler in einem steten Prozess des Wiederholens und gleichzeitigen Variierens. Dabei bedient er sich äußerst sparsamer Gestaltungsmittel. Seine stille, überaus sensible, in dünnen Farbschichten und Lasuren aufgetragene Malerei gibt keine bestimmten Orte wieder, sondern ruft vielmehr Erinnerungen an landschaftliche Eindrücke wach. Sie ist das Ergebnis vom Künstler real gesehener Landschaften, entsteht tatsächlich jedoch in einem Zustand meditativer Versenkung. Qiu Shihuas Ziel ist es, dem Wesen der Dinge nachzuspüren. Er sieht die Welt als einen leeren Raum, in dem sich alles befindet; deshalb bedeutet Leere für ihn das wirkliche Sein.

Neben seiner Verbindung zur traditionellen chinesischen Malerei ist Qiu Shihuas intensive Auseinandersetzung mit westlicher Kunst spürbar. So bringt ihn die bildkonstituierende Verwendung der Nicht-Farbe Weiß in die Nähe abstrakter Malerei westlicher Künstler, die seit etwa 1945 damit experimentiert und vielfältige, neue Ausdrucksmöglichkeiten gefunden haben.

Qiu Shihua wurde 1940 in Zizhong in der Provinz Sichuan, im Südwesten Chinas, geboren. Er studierte an der Kunstakademie Xi’an und erhielt dort vor allem eine Ausbildung in traditioneller chinesischer Malerei. Am Ende seiner Studienzeit beschäftigte er sich mit dem sozialistischen Realismus nach sowjetischem Vorbild. Nach seinem Abschluss 1962 arbeitete Qiu Shihua während und nach der Kulturrevolution bis 1984 als Plakatmaler für ein Kino. In den folgenden Jahren bereiste er Europa und stellte hier vereinzelt auch aus. Diese Erfahrungen sowie seine Hinwendung zum Taoismus trugen zur Entwicklung seines heutigen Werkes bei. Qiu Shihua lebt und arbeitet in Beijing und der Wirtschaftsmetropole Shenzhen.

Das Begleitprogramm zur Ausstellung offeriert Führungen, Gespräche, Musik, museumspädagogische Aktionen für Kinder und Erwachsene sowie zwei Ausgaben der Sonntagsreihe Kunst(früh)stück am 30. September mit dem Ludwigshafener Sinologen Dr. Jörg-Meinhard Rudolph und am 28. Oktober mit dem Pfalztheater-Schauspieler Rainer Furch (telefonische Anmeldung erforderlich unter 0631 3647-201). Zur Ausstellung ist ein 180-seitiger Katalog in Deutsch und Englisch erschienen, der für 39 Euro an der Museumskasse erhältlich ist. Das mpk ist dienstags von 11 bis 20 Uhr und mittwochs bis sonntags sowie feiertags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Infos unter www.mpk.de.