Schinderhannes – Nichtsnutz, Pferdedieb, Räuberhauptmann?

Vortrag im Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde

Während des Mainzer Gerichtsprozesses 1803: Johannes Bückler

Wer war Schinderhannes – vielmehr Johannes Bückler – wirklich? Ein Nichtsnutz, Pferdedieb oder Räuberhauptmann? Mit dieser Frage beschäftigt sich Dr. Mark Scheibe am Donnerstag, 6. Februar, um 19.30 Uhr im Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, Benzinoring 6 (Eintritt frei). „Der berüchtigte Räuber Schinderhannes und seine Leute – aus dem Pfälzerwald in den Orinokodschungel“, so lautet der Vortag des Mainzer Juristen und Historikers, der in 20 Jahren nahezu alle Sagen und Tatsachenberichte des Schinderhannes zusammengestellt und mehr als 1.000 Strafakten jener Zeit ausgewertet hat, um dieser schillernden Persönlichkeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts auf die Spur zu kommen.

Mangroven, Krokodile, Malaria und Gelbfieber. Wer denkt schon bei diesen Worten an Johannes Bückler, genannt Schinderhannes (1779-1803), und seine Mittäter? Vielmehr kommt bei diesem Namen der Schauspieler Curd Jürgens vor Augen, der 1957 im gleichnamigen Kinofilm einen charismatischen Räuberhelden und Freiheitskämpfer in der Pfalz und im Hunsrück spielte. Doch das war der „echte“ Schinderhannes vor 200 Jahren in Wirklichkeit nicht. Der junge Bückler strebte nach Höherem: Er bemühte sich, Mitglied der berühmten rheinischen Mafia zu werden, der sogenannten Niederländer Bande, die von Paris bis in die Tschechei tätig war und regelmäßig nationale Räuberkongresse veranstaltete. Doch diese Ganoven wollten den Aufsteiger nicht akzeptieren, obwohl Schinderhannes heute nachweisbar 130 Straftaten begangen hat; unter anderem war er an fünf Tötungsdelikten beteiligt. Doch der erhoffte Ruhm in der Kriminellenszene blieb zunächst aus: Sein Leben endete mit 24 Jahren unter der Mainzer Guillotine. Im Angesicht des Schafotts blieb Bückler nur die Rückschau auf wenige, aber besonders ereignisreiche Jahre, in denen er von Köln im Norden bis hinunter in den Schwarzwald einiges erlebt hatte. Das intensive Leben bescherte ihm mindestens vier Kinder, zwei davon hatte er mit Julchen, seiner letzten Liebe. Seine Mittäter und auch Opfer verstreuten sich vor 200 Jahren, viele von ihnen strandeten in Südamerika.