Sechs herausragende Werke für den Pfalzpreis Geschichte nominiert

Preisträger wird bei Pfalzpreis-Gala bekannt gegeben

Gewinnerin des Nachwuchspreises für pfälzische Geschichte und Volkskunde 2015: Preisträgerin Marie Sophie Purper im Gespräch mit Stefan Schaupp

Gewinnerin des Nachwuchspreises für pfälzische Geschichte und Volkskunde 2015: Preisträgerin Marie Sophie Purper im Gespräch mit Stefan Schaupp

Die Nominierten stehen fest. Unter 24 Historikern und Nachwuchsforschern dürfen sich vier Hoffnungen auf den Pfalzpreis für pfälzische Geschichte und Volkskunde des Bezirksverbands Pfalz machen. Eine mit Fachleuten besetzte Jury unter Vorsitz des Bezirkstagsvorsitzenden Theo Wieder hat nun ihre Auswahl getroffen, wer den mit 10.000 Euro dotierten Pfalzpreis erhalten könnte: Hans Kirsch und Klaus Zimmer, die Herausgeber Dr. Christoph Picker, Gabriele Stüber, Klaus Bümlein und Frank-Matthias Hofmann, Prof.  Dr. Karsten Ruppert oder Dr. Henning Türk. Für den mit 2.500 Euro dotierten Nachwuchspreis nominierte die Jury Philippe Haller und Rabea Limbach. Insgesamt gab es elf Bewerbungen für den Pfalzpreis und 13 für den Nachwuchspreis. Der Lebenswerkpreis in der Sparte Pfalzpreis für pfälzische Geschichte und Volkskunde wird dieses Jahr nicht vergeben. Die Nominierten werden bei der Pfalzpreis-Gala am Sonntag, 12. November, um 18 Uhr im Pfalztheater Kaiserslautern vorgestellt. Sodann erfolgt die Bekanntgabe der Preisträger. Diejenigen, die nicht zum Zug kommen, erhalten einen Anerkennungspreis von 500 beziehungsweise 200 Euro. Der Eintritt zur Gala ist frei (Einlass ab 17.30 Uhr, freie Platzwahl).

Hans Kirsch und Klaus Zimmer haben nach 15 Jahren Recherche den nunmehr vierten Band ihrer Ostertaler Chronik mit dem Titel „Weimarer Republik und Drittes Reich“ vorgelegt. Das zweibändige Werk, das sich ganz auf die Weimarer Republik und die NS-Zeit konzentriert, zeichnet sich durch die akkurat nachgewiesene Fülle der Archivquellen und Literatur, regionale Auskünfte, Einzelschicksale, selbst erstellte Listen, Statistiken, Karten sowie unzählige hochwertige und teils rare Abbildungen aus. Mit der Rolle der Landeskirche während des Nationalsozialismus, den Versäumnissen von damals und den Lehren, die heute daraus zu ziehen sind, befasst sich der von Christoph Picker, Gabriele Stüber, Klaus Bümlein und Frank-Matthias Hofmann herausgegebene Band „Protestanten ohne Protest – die evangelische Kirche der Pfalz im Nationalsozialismus“. Das Werk enthält eine Vielzahl von  Beiträgen, verfasst von 58 Autorinnen und Autoren, zu einzelnen Gesichtspunkten aus dieser Zeit.

Der ehemalige Lehrstuhlinhaber für Neuere und Neueste Geschichte an der Katholischen Universität Eichstätt Prof. em. Dr. Karsten Ruppert legte mit seinem Buch  „Die Pfalz im Königreich Bayern: Geschichte, Kultur und Identität“ eine Überblicksstudie zur Entwicklung der Pfalz unter königlich-bayerischer Herrschaft von 1816 bis 1918 vor. Ruppert präsentiert darin souverän eine geraffte, vielfältige und moderne Strukturgeschichte der wechselseitigen Beziehung der Pfalz zu ihrer Zentralgewalt. Dr. Henning Türks Habilitationsschrift „Ludwig Andreas Jordan und das Pfälzer Weinbürgertum. Bürgerliche Lebenswelt und liberale Politik im 19. Jahrhundert“ aus dem Jahre 2015 ist eine beeindruckende Studie, die individual- und familienbiographisch angelegt und mit einer reichen Quellenüberlieferung, die ein ausführliches Tagebuch und Briefe einschließt, ausgestattet ist. Es entstand am Beispiel von Ludwig Andreas Jordan ein umfassendes Bild des Aufstiegs und Machtzuwachses der Pfälzer Großwinzer im 19. Jahrhundert.

In seiner Studie „‚…Sorge du dafür, dass man mich nicht vergisst‘. Briefe des Kommunisten Oskar Brill aus sechseinhalb Jahren KZ Buchenwald in die pfälzische Heimat“ hat sich Philippe Haller eingehend mit Brills Biographie befasst und den Briefbestand aus der Lagerzeit transkribiert, kommentiert und in einen größeren Zusammenhang gestellt. Durch diese Briefedition, gemeinsam herausgegeben mit Roland Paul und Klaus J. Becker, hat Haller, derzeit Student der Geschichts- und Politikwissenschaft in Heidelberg, einen Quellenbestand zu einem Teilaspekt der Geschichte des Widerstands zugänglich gemacht. Die Heidelberger Dissertation der Historikerin Rabea Limbach  „Die Briefkopierbücher der Speyerer Handelshäuser Joh. Heinrich Scharpff und Lichtenberger & Co. (1815 -1840) ist im unternehmensgeschichtlichen Sektor des frühen 19. Jahrhunderts angesiedelt. Die exzellente und stringente Studie gibt einen erstmaligen Einblick in die Innenstruktur pfälzischer Handelshäuser im 19. Jahrhundert. Der Jury gehörten neben Theo Wieder Prof. Dr. Hans Ammerich, Dr. Charlotte Glück, Dr. Dieter Schiffmann, Werner Schineller und Stefan Schaupp an.