Subtile und differenzierte Bildsprache

Kriegsfotografie von Anja Niedringhaus im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

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„Dies ist eine außergewöhnliche und in jeder Hinsicht wichtige Ausstellung und auch zu einem sehr richtigen Zeitpunkt“, sagte Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder bei der Eröffnung der Schau „Anja Niedringhaus – at War“ im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) in Anwesenheit von Heide-Ute Niedringhaus, der Mutter der Pressefotografin, die am 4. April 2014 bei einem Einsatz als Wahl-Beobachterin in Khost (Afghanistan) erschossen wurde. Die Ausstellung zeige Bilder vom Krieg, vom Menschen im Krieg und von ihrem Leiden und Schrecken. „Es sind Bilder, die erschrecken und verstören“, so Wieder. Sie seien aus Regionen, von deren Ereignissen wir die Fernwirkungen spüren. „Und sie werfen die Frage auf, wie wir mit Flüchtlingen umgehen“. Anja Niedringhaus sei in Ausübung ihres Berufs ums Leben gekommen. Dieses Schicksal könne all jene ereilen, die uns aus Krisengebieten überall auf der Welt berichten oder dort helfen.

Dr. Britta E. Buhlmann, Direktorin des Museums Pfalzgalerie Kaiserslautern, ergänzte: „Wenn wir die Dokumente anschauen, dann fällt es uns vielleicht leichter, den Hilfesuchenden die Hand entgegenzustrecken.“ Die rund 100 Fotos gehörten zu einem dreigeteilten Ausstellungsprojekt, wozu der Erste Weltkrieg vor 100 Jahren den Anstoß gegeben habe: „Sonja Alhäuser – Endgericht“ beschäftige sich mit Genuss und Zerstörung und „Apocalypse now!“ zeige Visionen von Schrecken und Hoffnung in der Kunst vom Mittelalter bis heute (beide bis 16. Februar). Die Fotografien von Anja Niedringhaus hätten eine „besondere Qualität, eine subtile und komplexe Bildsprache“. Die Arbeiten seien mitfühlend und würden trotzdem die notwendige Distanz wahren. Feinfühlig und behutsam zeigten sie ohne Pathos und Spektakel Szenen vom Krieg. 2005 erhielt sie den Pulitzer-Preis für die aktuelle Fotoberichterstattung. Schon als Kind habe Anja Niedringhaus gewusst, dass sie fotografieren wolle, was sie mit Entschlossenheit, Mut und der Bereitschaft, auch unkonventionelle Lösungen zu suchen, verwirklicht habe. „Sie erzählt mit ihren Bildern visuelle Geschichten“, so Buhlmann. Ihre Leidenschaft habe sie mit dem Leben bezahlt. Ein Teil der Fotografien, nämlich 24 an der Zahl, sei auch im nahen Pfalztheater Kaiserslautern zu sehen.

Pfalztheater-Intendant Urs Häberli wies auf die Premiere von Karl Kraus‘ Tragödie „Die letzten Tage der Menschheit“ am Abend hin. Die Theatercollage in einer eigenen Fassung des Pfalztheaters konfrontiere die Zuschauer mit authentischen Gesprächsfetzen. Es entfalte sich ein Szenario über das menschliche Verhalten im Krieg. Das Stück wurde von Dominik von Gunten inszeniert und ist am 7., 13. und 18. Februar, am 6. und 29. März sowie am 26. April im Pfalztheater zu sehen. Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Museumsplatz 1, zeigt die Fotoausstellung von Anja Niedringhaus bis zum 26. April, und zwar mittwochs bis sonntags sowie feiertags von 10 bis 17 Uhr und dienstags von 11 bis 20 Uhr.