Tag der Psychiatrie am 22. Juni im Pfalzklinikum

Da kann die häusliche Küche kalt bleiben und der Kopf kühl für anregende Erlebnisse

Noch steht die Eule aus Pappmaché im Atelier der Kunsttherapie. Am Abend des 22. Juni soll sie als Wunsch-Vogel dorthin fliegen

Noch steht die Eule aus Pappmaché im Atelier der Kunsttherapie. Am Abend des 22. Juni soll sie als Wunsch-Vogel dorthin fliegen

Klingenmünster. Sport und Spiel, Essen und Trinken, Ausstellungen und Informationen – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pfalzklinikums haben sich zum Tag der Psychiatrie am 22. Juni wieder ein buntes Programm ausgedacht. Vertreter aller Einrichtungen erwarten interessierte Nachbarn und Gäste der Region am Brunnenpark vor der Klinikkirche, um Fragen zu beantworten und über Neuigkeiten zu informieren.Schon um 11 Uhr beginnt auf dem Sportplatz am Pfalzinstitut ein Fußball-Turnier, denn die Mädchen und Jungen dort sind genauso im WM-Fieber wie alle anderen Fans des runden Leders auch. Auf der benachbarten Festwiese am Tennisplatz kann man mit der ganzen Familie und mit Freunden unter schattigen Bäumen sitzen und sich darüber freuen, dass die häusliche Küche an diesem Sonntag kalt bleibt. Das Gastronomie-Team des Pfalzklinikums und verschiedene Vereine haben sich wieder leckere Snacks und Menüs ausgedacht. Wie immer sind auch hausgebackene Kuchen – frisch aus dem Ofen, handgemachte Torten, Kaffee und Kaltgetränke im Angebot.

Falls es sehr heiß wird – kein Problem, die Werkfeuerwehr ist vor Ort und hat alles im Griff. Wehrleiter Herbert Weber und seine Mitstreiter öffnen gern für Interessierte die Fahrzeughalle und lassen kleine Feuerwehrleute gern mal in ein Löschfahrzeug einsteigen oder einen Schutzhelm probieren.Trommelwirbel der Gruppe „Mayi Africa“ wird gegen 12.30 Uhr das Bühnen-Programm eröffnen. Am Rosengarten unterhalten Bands von Mitarbeitern und Patienten die Gäste mit Musik für jeden Geschmack. Moderiert wird das Programm von Barbara Meyer, Diplom-Sozialpädagogin in der Forensisch-Psychiatrischen Ambulanz, und Ferdinand Antl, Diplom-Psychologe auf der Station P11. Gegen 16 Uhr findet hier auch die Siegerehrung des Fußball-Turniers statt, das schon um 11 Uhr am Pfalzinstitut beginnt.

Für Kinder gibt es Ponyreiten, Kistenklettern und Torwandschießen sowie weitere Spiel-, Sport- und Schminkangebote. „Weil das immer so gut ankommt, haben wir auch wieder das Erzähltheater engagiert. ‚Echte Schauspieler‘ vom Pfalztheater Kaiserslautern bekommen eine Extra-Kinder-Bühne im Brunnenpark und gehen auch gern mal ‚unter die Leut‘“,sagt Joachim Haag, Leiter der Therapeutischen Dienste, der mit seinem Team die vielen Programmpunkte koordiniert.

Ein Highlight für jugendliche Besucher bietet das Dynamikum aus Pirmasens: Die Einrichtung des Bezirksverbands Pfalz kommt mit überraschenden Experimenten. Und siehe da: Naturwissenschaft kann richtig Spaß machen.

"Fit sein und fit bleiben. Was kann ich selbst dafür tun?" fragt Rita Becker-Scharwatz um 14 Uhr im Konferenzraum des Hauptgebäudes. Die Leiterin der Tagesstätte mit Demenzschwerpunkt in Bad Bergzabern wendet sich ausdrücklich an alle Generationen, gerade auch, damit man schon in jungen Jahren eine gesunde Lebensweise entwickeln kann, Freude am Leben hat und damit auch möglichen Krankheiten vorbeugt. Als ein Beispiel stellt sie das SIMA-Programm vor. Das Kürzel steht für Selbstständig leben im Alter. Dieses Ziel erreicht man am besten im Kontakt mit anderen, denn verlässliche Beziehungen zu anderen Menschen tun einfach gut. SIMA ist nicht nur für die Generation 55+ interessant, das Programm eignet sich sehr wohl auch für abwechslungsreiche Begegnungen zwischen Enkeln und Großeltern oder Eltern und Kindern. Natürlich weiß die Anbieterin dieses interaktiven Vortrags auch über freie Plätze und Wartelisten in der Tagesstätte Bescheid, und sie kennt alle Möglichkeiten zur Finanzierung. Denn die Tagesstätte ist für alle da, nicht etwa nur für Leute mit dickem Geldbeutel.Mit persönlichen Anliegen kann man sich auch an die Mitarbeiter an den Info-Ständen wenden. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine neue berufliche Herausforderung handeln, um einen Ausbildungs-, Studien- oder Praktikumsplatz, um ehrenamtliches Engagement und natürlich auch um eine Beratung für sich selbst, für Familienangehörige, Freunde oder Kollegen, wenn es um schwierige Lebenssituationen und gesundheitliche Probleme geht. Thematisch bietet das Pfalzklinikum ein immer breiteres Spektrum von Unterstützungsangeboten an: vom gesunden Schlaf über Lebensfreude in jedem Alter, von Genuss mit Maß, von Achtsamkeit und Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress, von Hilfe zur Selbsthilfe auch nach Schicksalsschlägen, von Diagnostik und Therapie bei Schlaganfall, Parkinson oder Multipler Sklerose, von Pubertätsproblemen bis hin zu Mobilität in (fast) allen Lebenslagen. Und längst nicht immer muss man bei Erkrankungen ins Krankenhaus. Vieles lässt sich ambulant oder in einer Tagesklinik angehen, häufig für alle Beteiligten der bevorzugte Weg. Und auch bei chronischen Beeinträchtigungen oder Behinderungen bietet das Pfalzklinikum Betroffenen und ihren Angehörigen neue Wege. Immer geht es um weitreichende Selbstbestimmung, um Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und um maßgeschneiderte Hilfen. Vor und nach dem Vortrag kann man sich im Ausstellungsflur vor dem Veranstaltungssaal im Hauptgebäude Patientenarbeiten anschauen. Wie Kunsttherapie Menschen auf ganz andere Weise erreichen kann, davon zeugen kreativ ausgewählte und gestaltete Sinnsprüche, von denen so mancher heilend wirken kann.

Dass gerade auch Betroffene bei Betroffenen viel Verständnis und Einfühlung erfahren – diese Tatsache findet im Pfalzklinikum immer mehr Beachtung. Kein Wunder also, dass es spezielle, eigene Angebote von Psychiatrie-Erfahrenen, also Experten aus Erfahrung, gibt. „Ohne Austausch zwischen Patienten, Angehörigen und professionell Tätigen geht es bei uns gar nicht mehr“, betont Geschäftsführer Paul Bomke. „Wir nennen das Trialog und meinen Gespräche auf Augenhöhe. Die Zeiten, in denen einer meinte zu wissen, was für andere gut ist, sind zum Glück vorbei. Es wird viel mehr ver-handelt, als be-handelt.“

Und dazu gehört auch Ausprobieren von etwas Neuem. Nicht nur in der klassischen Therapie, sondern auch bei Kreativangeboten. So bietet zum Beispiel die Musiktherapie einen Mini-Workshop zum Klavierspielen an. Außerdem hat das Team eine Wasserspringschale ausgeliehen, die Besucher am Tag der Psychiatrie testen können. Wenn die Schale gut ankommt, könnte sie angeschafft werden und die therapeutische Arbeit bereichern. Sie unterstützt das Schulen der Sinne und der Achtsamkeit gegenüber sich selbst und anderen im Hier und Jetzt.

Ausprobieren können interessierte Besucher auch, wie sie sich auf der Testversion der neuen Website des Pfalzklinikums zurecht finden. Wer mitmachen möchte, kann sich bei Marius Klein am zentralen Info-Pavillon melden. Der Azubi mit Berufsziel Bürokaufmann, der zurzeit seinen Praxiseinsatz in der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit absolviert, zeigt grafische Entwürfe und gibt Auskunft zur Testphase, die in den Sommermonaten läuft. Sie finden ihn direkt am Eingang zum Brunnenpark, gleich neben Silvia Städtler-Kern und Stefanie Bollinger vom Fort- und Weiterbildungsinstitut, die sich bestens im Programm des Sommerfestes auskennen und für Fragen der Besucher zur Verfügung stehen.

Am Stand der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie erwartet Kunsttherapeutin Elisabeth Moser die Gäste zu einem tollen Gemeinschaftsprojekt: Eine mehr als mannshohe Eule wird zu einem Wunsch-Vogel gestaltet. Egal ob mit einem Satz, einem Bild oder passendem Material kann man seine Wünsche für die Zukunft ausdrücken. Auch mitgebrachte Federn, Knöpfe oder andere kleine Objekte können aufgeklebt werden. Der fertige Collagen-Körper könnte vielleicht im neu entstehenden Gebäude der Klinik für Gerontopsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, gleich links in der Allee, seinen Platz finden, denn auch ältere und hochbetagte Menschen haben Wünsche. Man muss sie nur hören.