Tragödie der Menschheit

Museum Pfalzgalerie und Pfalztheater gestalten Kunst(früh)stück

Authentisch und erschütternd: Anja Niedringhaus‘ Fotografie eines trauernden amerikanischen Marine-Infanteristen während eines Gedenkgottesdienstes im irakischen Ar Rutbah im Februar 2005

Authentisch und erschütternd: Anja Niedringhaus‘ Fotografie eines trauernden amerikanischen Marine-Infanteristen während eines Gedenkgottesdienstes im irakischen Ar Rutbah im Februar 2005

Das Kunst(früh)stück mit dem Titel „Tragödie der Menschheit“ am Sonntag, 22. Februar, um 11 Uhr gestaltet das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk), Museumsplatz 1, gemeinsam mit dem Pfalztheater. Dr. Annette Reich vom mpk und Pfalztheater-Dramaturgin Andrea Wittstock sprechen in der Ausstellung „Anja Niedringhaus – At War” miteinander über die Kooperation: Beide Einrichtungen des Bezirksverbands Pfalz zeigen insgesamt rund 100 Fotografien von Anja Niedringhaus und im Pfalztheater steht die Inszenierung der Tragödie „Die letzten Tage der Menschheit” von Karl Kraus in einer eigenen Bühnenfassung auf dem Spielplan.

„Tonfälle rasen und rasseln durch die Zeit und schwelgen zum Choral der unheiligen Handlung. Leute, die unter der Menschheit gelebt und sie überlebt haben, sind als Täter und Sprecher einer Gegenwart, die nicht Fleisch, doch Blut, nicht Blut, doch Tinte hat, zu Schatten und Marionetten abgezogen und auf die Formel ihrer tätigen Wesenlosigkeit gebracht. Larven und Lemuren, Masken des tragischen Karnevals, haben lebende Namen, weil dies so sein muss und weil eben in dieser vom Zufall bedingten Zeitlichkeit nichts zufällig ist. […] Wer schwache Nerven hat, wenn auch genug starke, die Zeit zu ertragen, entferne sich vor dem Spiel.” Diese Sätze schrieb Karl Kraus, einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des beginnenden 20. Jahrhunderts, im Vorwort zum Stück „Die letzten Tage der Menschheit”. Sie ist in den Jahren 1915 bis 1922 als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg entstanden. Die Darstellung der Unmenschlichkeit und Absurdität des Krieges beruht auf authentischem Quellenmaterial. Authentisch sind auch die Kriegsfotografien der deutschen Fotojournalistin Anja Niedringhaus. Unerschrocken bewegte sie sich mit ihrer Kamera in zahlreichen Kriegsgebieten, wie zum Beispiel Afghanistan, Libyen, dem Irak, Israel (Gaza) und Bosnien. Am 4. April 2014 wurde sie in Banda Khel (Afghanistan) einen Tag vor der Präsidentschaftswahl von einem Polizisten erschossen. Die komplexe, subtile Bildsprache ihrer Fotografien bannt Opfer und Täter. Sie führt den Wahnsinn eines jeden Krieges drastisch vor Augen.

Nach der Führung in der Ausstellung kann beim Frühstücksbuffet im Foyer des mpk das Gesehene und Gehörte diskutiert werden. Um verbindliche Anmeldung mit Vorauskasse bis 13. Februar unter der Telefonnummer 0631 3647-201 oder per Mail (info@mpk.bv-pfalz.de) wird gebeten. Die Teilnahme am Kunst(früh)stück kostet 15 Euro pro Person; Kinder zahlen sechs Euro und Familien (zwei Erwachsene mit zwei Kindern bis 12 Jahre) 35 Euro. Infos unter www.mpk.de.