Von der Kraft der Klage

Landauer Liederleute überzeugen mit Gesang und Lyrik im Pfalzklinikum

In der Klinikkirche des Pfalzklinikums: die Landauer Liederleute mit aktuellem Programm

„Klage und Zuversicht“, so lautete der Titel des Konzerts der Landauer Liederleute am Donnerstag, 12. März 2015, im Pfalzklinikum. Der Chor überzeugte bei seinem dritten Gastspiel in der Klinikkirche mit kraftvollem, facettenreichen Gesang, einer stimmigen Programmauswahl und einer großartigen Verbindung von Musik und gesprochenem Wort.

Der Geschäftsführer des Pfalzklinikums, Paul Bomke, begrüßte die Sängerinnen und Sängern herzlich und dankte für ihr Kommen. Chorleiter Matthias Kreiter erläuterte zu Beginn des Abends, warum Klagen so kraftvoll und erneuernd wirke: „Klage ist handfest. Sie bedeutet, dass ich etwas nicht klaglos hinnehme. Stattdessen schreie ich, benenne Leid und Ungerechtigkeit, die mir widerfahren.“ Klagen sei etwas anderes als Jammern, es verlange die Änderung einer Situation und beinhalte auch Forderungen nach einem guten Leben, einem Leben des Miteinanders, des Friedens und der Toleranz. „Gerade die Psalmen des Alten Testaments zeigen: Klage und Zuversicht gehören zusammen“, so Kreiter. Diesen Gedanken führten die Liederleute dann musikalisch aus, unter Anderem in der Vertonung des Psalms 22 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Der Solist Stefan Schölch klagte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Im Wechselspiel mit anderen Stimmen und dem Chor löste sich die Angst jedoch im Verlauf des Stücks in tiefes Vertrauen auf. Beim Stationentheater „Landauer Leben“ (2012) hatten die Liederleute den Psalm schon einmal gesungen. Er war anschließend Ausgangspunkt für die Suche nach dem Motiv der Klage und Zuversicht in Liedern und Lyrik. Der Konzertabend zeigte, dass die Suchenden fündig wurden. Alle Stücke griffen die Thematik in verschiedenen Jahrhunderten gelungen auf, wobei die Klage gegen Ende des Konzerts leiser und die Zuversicht lauter wurde.

Ebenso auserlesen wie die Lieder waren die Texte, die Felix S. Felix vom Chawwerusch Theater als Rezitatorin zwischen den Musikstücken vortrug. Die Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten gebannt den Worten von Robert Walser, Nelly Sachs oder Friedrich Rückert aus ihrem Mund. Sie zitierte auch Rosa Luxemburg, die im Gefängnis an ihre Freundin schrieb: „Seien Sie trotz alledem ruhig und heiter. So ist das Leben, und so muss man es nehmen, tapfer, unverzagt und lächelnd – trotz alledem.“ Die Botschaft der Liederleute kam an, sie passt zum Auftrag des Hauses und gibt allen Kraft, die Hilfe und Betreuung im Pfalzklinikum suchen.

Die nächsten Auftritte:
Freitag, 13. März, 20 Uhr, Kapelle des Mutterhauses der Diakonissen Speyer-Mannheim in Speyer
Sonntag, 15. März, 16 Uhr, Marienkirche, Landau
www.landauerliederleute.de