Zwei (scheinbare) Gegensätze in der NS-Zeit

Vortrag über Hans und Paul Münch in der Pfalzbibliothek

Versteckte Juden in Kaiserslautern: der Mundartdichter Paul Münch

Versteckte Juden in Kaiserslautern: der Mundartdichter Paul Münch

Gunther Strauß nimmt am Samstag, 24. Januar, um 11 Uhr in der Pfalzbibliothek in Kaiserslautern, Bismarckstraße 17, das Publikum mit hinein in die unterschiedlichen Lebenswelten von Hans und Paul Münch. Sein Vortrag „Vom nationalen Konservatismus bis zum Rassenwahn“ behandelt die entgegengesetzten politischen Gesinnungen und Spannungen, die unter den Verwandten während der NS-Zeit geherrscht haben (Eintritt frei, Parkplätze im Hof der Pfalzbibliothek). Die Begrüßung übernimmt Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder, das Schlusswort spricht Institutsdirektor Roland Paul. Für die musikalische Gestaltung sorgt Klaus Demuth mit Klavierstücken von Skrjabin, Satie und Prokofjew.

Pfalzweit ist Paul Münch bekannt als humorvoller Dichter und Lehrer. Was vielen jedoch unbekannt ist: Er versteckte im Zweiten Weltkrieg Juden in Kaiserslautern. Sein Neffe Hans Münch hingegen arbeitete als SS-Arzt in Auschwitz. Er experimentierte mit Frauen des Blockes 10 und wurde später wegen seiner Versuche zu Rheuma und Malaria angeklagt. Beide Männer sahen sich ab 1944 mehrmals bei Familientreffen in Lechbruck. Strauß beleuchtet unter anderem die Fragen, ob der eine wusste, wie der andere sein Leben gestaltete und welche Meinung Ernst Münch gegenüber seinem Sohn Hans beziehungsweise seinem Bruder Paul vertrat.

Gunther Strauß, ehemaliger Geschichtslehrer am Hohenstaufen-Gymnasium in Kaiserslautern, hat sich jahrelang mit Paul Münch und dessen Familie beschäftigt. Auf seine Initiative hin wurde in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem eine Akte über den Mundartdichter angelegt. Der Vortrag findet im Rahmen der Veranstaltungen zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar statt – an diesem Tag wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit.