Antisemitismus im Rechtsrock

Beschäftigt sich mit der Neonazi-Szene: Timo Büchner

Bei der Verleihung des Musikpreises „Echo“ gab es vor einigen Wochen eine Kontroverse um die Auszeichnung für ein Rap-Album. Den umstrittenen Rappern Kollegah und Farid Bang wurde Gewaltverherrlichung, Frauenfeindlichkeit und auch Antisemitismus vorgeworfen. Die Kritik richtet sich besondere gegen die Textzeilen „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm‘ an mit dem Molotow“.

Mit einem Vortrag greift der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal die Kontroverse auf. Am Mittwoch, 15. August, diskutiert der Buchautor Timo Bücher um 10 Uhr in der Aula des Albert-Einstein-Gymnasiums mit Schülern des Gymnasiums und des Pfalzinstituts für Hören und Kommunikation (PIH). Um 19 Uhr wiederholt der Autor seinen Vortrag mit dem Thema „Weltbürgertum statt Vaterland: Antisemitismus im Rechtsrock“ im Lesecafé der Stadtbücherei Frankenthal. Der Eintritt ist frei.

Rechtsrock ist die „Einstiegsdroge Nr. 1“ in die Neonazi-Szene, stellt Timo Bücher das Ergebnis zahlreicher Untersuchungen vor. Die Inhalte extrem rechter Musik begeistern vor allem junge Menschen. Dabei stellt sich unter anderem die Frage, welche Rolle der Antisemitismus spielt. Seit über 100 Jahren werden mit der These von der „jüdischen Weltverschwörung“ die Machtverhältnisse in Politik, Wirtschaft und Medien auf eine einfache Weise scheinbar erklärt. Timo Büchner zeigt anhand einer Vielzahl von Liedtexten, wie antisemitische Bilder und Stereotype darin verschlüsselt werden. Timo Büchner studierte Politische Wissenschaften und Soziologie an der Universität Heidelberg sowie Jüdische Studien an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg.

Kooperationspartner der Vorträge sind der Förderverein, die Stadtbücherei und Dieter Burgard, der Beauftragte für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz. „Wir wollen dazu beitragen, dass sich Antisemitismus in Rheinland-Pfalz gar nicht erst weiterentwickelt und klare Kante zeigen,“ beschreibt er seine künftige Arbeit. Es sei nicht hinzu-nehmen, dass es immer mehr antisemitische Delikte gebe. Der frühere Bürgerbeauftragte und Polizeibeauftragte will Maßnahmen der Antisemitismusbekämpfung und -prävention ressortübergreifend koordinieren. Seit 2001 ist Dieter Burgard Vorsitzender der Landes-arbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit, in der neben dem Frankenthaler Förderverein über 60 Organisationen, Vereine und Arbeitsgemeinschaften aktiv sind.