Brücken bauen von Lambrecht in die Welt

Jugendliche aus fünf Ländern bei Seminaren an der Pfalzakademie

Freunde in der Welt gewinnen: Reger Austausch beim Eröffnungsabend

An den Wänden des großen Seminarraums hängen bunte Plakate; jedes diagonal mit einem Ländernamen versehen. Auf dem deutschen Poster ist ein Mercedes-Stern zu erkennen. Bei den Polen wurden Krakauer Würste gemalt. Das irische Plakat zeigt grüne Wiesen und etwas abseits eine Bombe, die gerade explodiert. „Die Plakate zeigen die Bilder, die andere Nationen von uns haben", erklärt Rachel, Teilnehmerin aus Nordirland. „Aber hier bei dem Seminar geht es darum, dass unsere Geschichte eben nicht nur aus Klischees wie grünen Landschaften oder dem politischen Konflikt besteht", fügt sie hinzu.

Wie Rachel haben insgesamt 30 weitere Jugendliche den Weg zum Sommerseminar der Pfalzakademie gefunden. Sie kommen aus Polen, Litauen, Nordirland, den USA und Deutschland. Unter den Titeln „Building Bridges" („Brücken bauen") und „How you make a difference" („Wie man einen Unterschied macht") werden in diesem Jahr zwei Seminare parallel angeboten. „Hier steht der Erfahrungsaustausch und das Kennenlernen der anderen Nationen und Kulturen im Mittelpunkt", sagt die deutsch-vietnamesische Schülerin Linh, die zum ersten Mal dabei ist. „Und alles ist auf Englisch, da lernt man noch viel mehr als bei einer Sprachreise."

Interkulturalität, Erfahrungsaustausch und interaktives Lernen, das sind die wesentlichen Merkmale, die das internationale Seminarprogramm der Akademie auszeichnen. Gruppenaufgaben, Diskussionen, aber auch Vorträge und Exkursionen bilden einen bunten Strauß an Methoden, die Geschichte, Politik und Kultur der jeweiligen Länder persönlich erfahrbar machen. Dabei zeigt sich schnell, dass große Weltgeschichte vor allem aus vielen kleinen Geschichten besteht, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt und interpretiert werden können.

Darum geht es auch bei der Aufgabe, die am Nachmittag auf dem Programm steht. Anhand von mitgebrachten Schulbüchern aus dem eigenen Land sollen Fragen zur Geschichte der anderen Gruppen beleuchtet werden. „Wie war die Reaktion der Welt auf den Ausbruch des Krieges in unserem Land?", fragten zum Beispiel die Polen. Dass hierzu sehr unterschiedliche und teils auch überraschende Informationen in den Büchern zu finden sind, zeigt sich bei der Abschlusspräsentation. „Aber denkt daran, es geht hier nicht darum, die präsentierten Informationen zu kritisieren, sondern einander zu verstehen", mahnt Erik, Mitglied des sechsköpfigen, international besetzten Leitungsteams.

Wie so häufig an den insgesamt 13 Seminartagen vergeht auch diesmal die Zeit wie im Flug, so dass die Teilnehmer ihre Diskussion beim gemeinsamen Abendessen fortsetzen. „Das Seminar ist wirklich toll, um Freunde in der ganzen Welt zu gewinnen", meint Jonathan Rainey zu seiner litauischen Tischnachbarin. Der junge College Student aus dem Süden der USA trat in die Fußstapfen seines Bruders, der im vergangenen Jahr bereits teilgenommen hatte und voller Begeisterung nach Hause zurückkehrte. „Am meisten freue ich mich jetzt schon auf die Zeit in Berlin", sagt Jonathan voller Erwartungen.

Doch bevor es zur zweiten Seminarhälfte in die Hauptstadt geht, steht erst einmal eine Exkursion zur „Offenen Moschee" in Mannheim an. „Das ist gerade für die deutschen Teilnehmer oft sehr interessant, wenn es um das Thema Integration und Islam geht", bemerkt Akademieleiter Martin Kaiser. „Bei solchen Projekten kann man sehen, was interkulturelle Arbeit in der Praxis bedeutet. Das ist es, was die meisten unserer Teilnehmer anspornt, und was sie nach Hause in ihre eigenen Jugendprojekte tragen." Beim Blick in die Runde bleibt an diesen Worten kaum ein Zweifel. Die Motivation und die Offenheit der Teilnehmer sind so sichtbar wie die vielen bunten Plakate an den Wänden. Sie wollen Brücken der Verständigung bauen – von Lambrecht in die Welt.