Bundesweites Filmfestival „Ausnahmezustand“ auch in Kaiserslautern

Filme über psychische Erkrankungen am 18. Mai im Kino "Union"

Vor vier Jahren sprang die 24-jährige Janine F. aus dem fünften Stock des Berliner Kunsthauses Tacheles in den Tod. Wer war diese junge Frau, für die Drogen ebenso zum Alltag gehörten wie künstlerische Arbeit? Wie konnte es zu ihrem Freitod kommen? Die 29 Jahre alte Regisseurin Theresa Renn spürt diesen Fragen nach. Mit ihrem 80-Minuten-Dokumentarfilm wurde die Absolventin der Filmakademie Baden-Württemberg bereits mehrfach ausgezeichnet.

In Kaiserslautern ist der Film "Janine F." am 18. Mai im "Union – Studio für Filmkunst" in der Kerststraße 24 zu sehen. Möglich wurde das, weil "Irrsinnig menschlich e. V.", ein Leipziger Verein für Öffentlichkeitsarbeit in der Psychiatrie, das bundesweite Filmfestival "Ausnahmezustand" initiierte. Von Mai bis Oktober werden acht verschiedene Filme in über 70 Städten gezeigt. Als Partner in der Westpfalz fand der Verein den Gemeindepsychiatrischen Verbund Kaiserslautern, in dem zum Beispiel Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, niedergelassene Ärzte und Therapeuten, Kliniken und Heime mitarbeiten. Gemeinsam sichern sie Information, Beratung und Hilfe für psychisch kranke Menschen. Zehn Einrichtungen haben sich in der Arbeitsgemeinschaft Film zusammengeschlossen, um aus Kaiserslautern am 18. Mai einen Festspielort zu machen. Zu den Aktiven gehören der Landesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V., die Selbsthilfegruppe Angehöriger psychisch kranker Menschen, das Gemeinschaftswerk für Menschen mit Behinderungen GmbH "Lotse", das Caritas-Heim St. Lukas, das Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie mit seiner neuen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Kaiserslautern und seinem Projekt BIFID Kaiserslautern, die RUBIN GmbH, Zoar mit seiner Wohnanlage "Am Volkspark", der Arbeitskreis Kinder psychisch kranker Eltern, die Gemeinsame Koordinierungsstelle Psychiatrie für die Stadt und den Landkreis Kaiserslautern sowie die Stabstelle Gesundheit der Stadt Kaiserslautern.

Festivalauftakt im "Union"-Kino ist am 18. Mai um 10 Uhr. Nach der Eröffnung läuft um 10.15 Uhr der Streifen "Janine F."; anschließend findet ein Gespräch zum Film statt, das auch in der Mittagspause am Infostand vor dem Kino mit Ansprechpartnern aus allen beteiligten Einrichtungen fortgesetzt werden kann. Um 13.30 Uhr wenden sich Günter Remler, Beigeordneter der Stadt Kaiserslautern, und Gerhard Müller, Beigeordneter des Landkreises Kaiserslautern, mit Grußworten an die Besucher. Die ST-Band aus der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Pfalzklinikums spielt Rockballaden. Nach einer zweiten Vorstellung von "Janine F." um 14.15 Uhr beantwortet die Chefärztin der psychiatrischen Klinik des Pfalzklinikums in Kaiserslautern, Dr. Gudrun Auert, von etwa 15.50 bis 16.45 Uhr Fragen zum Film und zu psychischen Erkrankungen. Um 17.15 Uhr wird der Film "Raum 4070/4071" gezeigt. Dieser brandneue Film der Regisseure Jana Kalms und Torsten Striegnitz begleitet Menschen durch ein Psychoseseminar. Die Zuschauer können miterleben, was Betroffenen in einer Psychose begegnet: Schönes, Unglaubliches, Bedrohliches, Dinge, die man eigentlich nicht erzählt … Auch hier stehen anschließend Betroffene, Angehörige und professionelle Helfer für die Diskussion zur Verfügung.

Der Neurologe und Psychiater Michael Merkert von der Koordinierungsstelle Psychiatrie Kaiserslautern hat die Moderation der Veranstaltung übernommen. Ihm und allen Akteuren des Filmfestivals ist es wichtig zu vermitteln: Jeder dritte Mensch ist einmal in seinem Leben von einer psychischen Erkrankung betroffen. Ebenso wie körperliche Krankheiten lassen sich die psychischen Störungen heute meist gut behandeln. Menschen mit seelischen Erkrankungen sind entgegen weitläufigen Annahmen nicht gefährlicher als die Bevölkerung insgesamt. Dieser "Generalverdacht" belastet und verletzt Betroffene immer wieder. Es gibt keinen Grund, psychische Probleme zu tabuisieren, im Gegenteil: Wissen über die Erkrankung und Begegnungen mit Betroffenen sollen dazu beitragen, bei Bedarf rechtzeitig geeignete Hilfen in Anspruch zu nehmen. Das ist auch ein wesentliches Ziel des Filmfestivals.

Auf Anfrage bietet das "Union" weitere Vorstellungen an, auf Wunsch auch mit anderen Festivalfilmen. Kontakt: Stefan Sprengart, 0631 3605780, info@provinzkino.de. Der Eintritt zu allen Festival-Vorstellungen kostet jeweils drei Euro. Weitere Informationen zu Filmen, Partnern und Terminen bietet die Website

www.ausnahmezustand-filmfest.de. Info: Gemeinsame Koordinierungsstelle Psychiatrie für Stadt und Landkreis Kaiserslautern, Markus Jaletzky, Telefon 0631 7105-535, markus.jaletzky@kaiserslautern-kreis.de, www.ausnahmezustand-filmfest.de.