Chance für einst fast ausgestorbene Haustierrasse

Landwirtschaftsminister Wissing besucht Glanrinder im Karlstal

Stark am Glanrind interessiert (von links): Landwirtschaftsminister Dr. Volker Wissing mit dem Bezirkstagsvorsitzenden Theo Wieder und der Biosphärenreservatsdirektorin Dr. Friedericke Weber

Der rheinland-pfälzische Landwirtschaftsminister Dr. Volker Wissing nutzte die Glanrindertage und besuchte die Glanrinderherde des Hofguts Neumühle im Karlstal bei Kaiserslautern, um sich über die in den 1980er Jahren fast ausgestorbene Haustierrasse zu informieren. „Wir haben vieles unter anderem im Hofgut Neumühle in Bewegung gesetzt, um die alte Haustierrasse zu fördern und das Fleisch in den Partnerbetrieben des Biosphärenreservats beispielsweise während der Glanrindertage anzubieten“, sagte Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder. Während Direktorin Dr. Friedericke Weber die Aufgaben und Ziele des Biosphärenreservats in Erinnerung rief, erläuterte Helmut Schuler die Beweidungsprojekte im Pfälzerwald. Die Flächen würden zuwachsen, würden sie nicht gepflegt werden. Da es meist nicht die besten Grünlandflächen seien, hätten auch die Landwirte etwas von der Maßnahme. Neben einem offenen Landschaftsbild würde man auch den Naturschutz unterstützen, denn gefährdete Tierarten, wie Libellen, Bodenbrüter (darunter das Braunkehlchen), Heuschrecken und Wildbienen fänden hier ein Biotop. Die Glanrinder würden auch invasive Pflanzenarten, die hier ursprünglich nicht heimisch wären, wie die Goldrute, zurückdrängen. Darüber hinaus würden die Buckelwiesen des Karlstals, ein kulturhistorisches Relikt aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die ein Bewässerungssystem bildeten, erhalten bleiben. Beate Hlawitschka vom Hofgut Neumühle wies darauf hin, dass den Sommer über Leitkuh Morena mit fünf Jungkühen als Landschaftspfleger im Karlstal tätig gewesen seien. Im Hofgut Neumühle halte man inzwischen eine 20-köpfige Glanrind-Mutterkuhherde mit ihrem Nachwuchs. Wissing erzählte, dass er vor Jahren in Frankreich das erste Mal auf das Glanrind gestoßen sei, als er einen Bildband über „Die berühmtesten Tierrassen der Welt“ in die Hand genommen habe. Kühe hätten eine starke Wirkung auf ihn, sie würden viel Ruhe ausstrahlen. „Die Kombination von Landwirtschaft mit Naturschutz ist besonders interessant für mich“, so Wissing. Er sprach sich dafür aus, ein Label zu entwickeln, um die Vermarktung anzukurbeln. Helmut Schuler dankte Hans Müller vom Naturfreundehaus Finsterbrunnertal, dass er täglich nach den Tieren im Karlstal geschaut habe; so blieben sie an den Menschen gewöhnt. Vom guten Fleisch des Glanrinds konnte sich die Besuchergruppe anschließend im Naturfreundehaus Finsterbrunnertal überzeugen, wo es Kostproben in Form von Bratwurst, Gulasch, Leber- sowie Fleeschknepp gab.

Die Glanrinder waren fast ausgestorben, da sie den Hochleistungsrindern im Hinblick auf die Milchmenge deutlich unterlegen waren; auch ersetzten Traktoren die Tiere auf dem Acker. Seit mehr als zwei Jahrhunderten ist diese Rinderrasse in Rheinland-Pfalz beheimatet. Die genügsamen, umgänglichen Tiere prägten mit ihrer vielseitigen Nutzungsmöglichkeit das Bild der Landwirtschaft. Nachdem der Bestand stark dezimiert war, erlebt das Dreinutzungsrind, das gutes Fleisch und Milch liefert und als Arbeitstier eingesetzt werden kann, dank der Initiative des Vereins zur Erhaltung und Förderung des Glanrindes wieder eine kleine Renaissance. Die Tiere eignen sich als Landschaftspfleger im Pfälzerwald zur Erhaltung der offenen Weideflächen, wie im Karlstal, wo sie die Talauen pflegen und naturnah das Futterangebot der kräuterreichen Waldwiesen genießen.

Unter dem Slogan „Natur genießen“ veranstaltet das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen noch bis zum 5. November in Kooperation mit 12 ausgewählten Gastronomiepartnern die kulinarischen Glanrindertage, an denen schmackhafte Gerichte vom pfälzischen Glanrind in allen Variationen zubereitet werden. Das hochwertige Fleisch stammt von Weidetieren des Hofes Ritzmann aus Winnweiler und des Hofguts Neumühle bei Münchweiler an der Alsenz. Gesunde Luft, frisches Wasser aus klaren Wiesenbächen und viel Bewegungsfreiheit machen das hochwertige Fleisch besonders schmackhaft. Darüber hinaus wird sowohl beim Transport als auch bei  der anschließenden Verarbeitung auf einen schonenden Umgang mit dem Tier beziehungsweise Fleisch geachtet. Glanrind-Gerichte bieten das Seehaus Forelle am Eiswoog bei Ramsen, das Hotel-Restaurant Fröhlich in Kaiserslautern-Dansenberg, der Fuxbau in Neustadt-Hambach, die Weinstube zur Herberge und die Weinstube der kleinen Herberge im Liebstöckl sowie das Biowirtshaus Konfetti in Neustadt, der Gutshof Ziegelhütte und der Pfälzer Hof in Edenkoben, das Restaurant Sieben Raben bei Bad Dürkheim, die Naturfreundehäuser Finsterbrunnertal sowie Rahnenhof bei Carlsberg-Hertlingshausen und das Waldhaus Schwarzsohl zwischen Weidenthal und Elmstein. Weitere Infos unter www.pfaelzerwald.de.