Demokratische Tradition und Pfälzer Wein

Empfang des Bezirksverbands Pfalz für ehemalige Bundestags- und Europaabgeordnete auf dem Hambacher Schloss

Von der Wiege der deutschen Demokratie beeindruckt: 80-köpfige Gruppe von ehemaligen Bundestagsabgeordneten beim Empfang des Bezirksverbands Pfalz mit dem Bezirkstagsvorsitzenden Theo Wieder (Vierter von rechts) und weiteren Mitgliedern des „Pfälzer Parlaments“ (Foto und ©: Bezirksverband Pfalz)

Eine rund 80-köpfige Gruppe ehemaliger Mitglieder des Deutschen Bundestags und des Europäischen Parlaments machte bei strahlendem Wetter auf ihrer Reise nach Rheinland-Pfalz auch Station auf dem Hambacher Schloss bei Neustadt, um die demokratische Tradition der Region und den Pfälzer Wein kennenzulernen. Neben dem Bezirkstagsvorsitzenden Theo Wieder begrüßten seine beiden Stellvertreter, Dr. Klaus Weichel und Ruth Ratter, sowie die beiden langjährigen Bezirkstagsmitglieder Petra Busch und Manfred Petry die Gäste. In einer launigen Rede stellte Wieder den Gästen aus dem gesamten Bundesgebiet einige Besonderheiten der Pfalz vor. Als Träger und Mitträger zahlreicher Institutionen sei der Bezirkstag Pfalz das oberste Entscheidungsorgan des Bezirksverbands Pfalz. Zugleich verkörpere das auch als „Parlament der Pfälzer“ bezeichnete Gremium eine der ältesten Volksvertretungen auf deutschem Boden. Er erläuterte die französischen Wurzeln des Regionalverbands und seine Geschichte und ging dabei vor allem auf das Hambacher Fest ein. Zunächst schilderte er anschaulich die Zeit nach 1816, als die Pfalz zum Königreich Bayern kam und verwies besonders auf das „rigide Verbot, Holz aus dem Wald zu holen“, das der verarmten Bevölkerung die Lebensgrundlage weiter entzog und 1832 das Fass zum Überlaufen brachte. Sodann schlug er den Bogen zu verschiedenen Auswanderungswellen aus der Pfalz nach Übersee – mit Exkurs zur aktuellen Flüchtlingslage – sowie zur „nachhaltigen Forstwirtschaft der bayrischen Regierung“ im 19. Jahrhundert; diese habe die Grundlage des heutigen Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen geschaffen.

„Das Hambacher Fest hat Signalwirkung“, doch es sei keineswegs ein Symbol für Nationalismus, stellte Wieder klar. „Im Gegenteil: Freiheitskämpfer aus Frankreich und Polen haben mit den streitbaren Pfälzerinnen und Pfälzern für die demokratischen Werte demonstriert.“ Dabei zeigte er auf das Europäische Kulturerbe-Siegel, das das Motto „Europa beginnt hier“ trägt und an der Mauer des Hambacher Schlosses angebracht ist. „Bis zu einer stabilen Demokratie gingen weitere 120 Jahre ins Land“, fuhr Wieder fort und merkte durchaus leidenschaftlich an, dass der Bezirksverband Pfalz diese Werte immer wieder ins Bewusstsein rufe, beispielsweise bei Feierlichkeiten und Großprojekten wie dem Hambacher Fest der Jugend, das 2007 im 175. Jahr des Hambacher Festes standfand, oder den verschiedenen Veranstaltungen im Jahr 2016 zum 200-jährigen Bestehen des Bezirkstags Pfalz.

Neben „dieser wichtigen Stätte der deutschen Demokratie“ sei die „BASF in Ludwigshafen ein wichtiger Ort“, denn der Chemie-Konzern, der sich der Gruppe auf einer Werksrundfahrt am gleichen Tag präsentiert hatte, gehöre zu den größten deutschen Weinhändlern. Mit diesem Hinweis leitete Wieder zu einer kleinen Weinprobe auf der Panoramaterrasse über, die Steffen Kern vom Hambacher Weingut Müller-Kern kompetent und auf unterhaltsame Art durchführte. Er stellte nicht nur vier Weine, sondern auch den Beruf des Winzers, die Arbeit im Wingert und das notwendige Know-how des Weinverkaufs vor. „Als Ehemalige freuen wir uns sehr, dass die Aktiven zu uns kommen“, sagte Dr. Edith Niehuis, Präsidentin der Vereinigung früherer Bundestagsabgeordneter, an die Mitglieder des Bezirkstags Pfalz gewandt. Nach all dem, was die Gruppe über den Regionalverband gehört habe, sei es aufgrund seines vielfältiges Aufgabengebiets schwer, ihn einzuordnen, wobei „uns besonders sein politischer Aspekt betrifft“. Denn, so Niehuis, „unsere Demokratie und unser Parlamentarismus sind ohne das Hambacher Fest nicht zu denken“. Bei einer Führung durch die Dauerausstellung im Schloss konnte die Gruppe Weiteres über die historischen Ereignisse von 1832 erfahren und die schwarz-rot-goldene Fahne des Hambacher Festes betrachten, die damals eigens für den Zug zum Schloss genäht wurde.

Die Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlaments mit Sitz in Berlin bereiste in diesem Jahr Rheinland-Pfalz auf Anregung von Prof. Dr. Maria Böhmer aus Frankenthal, einstige Staatsministerin im Auswärtigen Amt und seit 2018 Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission. Auf dem dreitägigen Besuchsprogramm standen neben dem Hambacher Schloss die Landeshauptstadt Mainz mit Landtag, Altstadt und Chagall-Fenstern in der Kirche St. Stephan sowie der Speyerer Dom. Unter den Gästen waren auch der frühere Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Rainer Brüderle, und die ehemalige Bundesministerin für Familie und Senioren, Hannelore Rönsch, sowie Ökonomierat Norbert Schindler, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz.