Der Wind wird uns tragen

Foto- und Filmausstellung von Abbas Kiarostami im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Von großer Eindringlichkeit: Abbas Kiarostamis Fotografie ohne Titel aus der Serie „Snow White“, die zwischen 1978 und 2004 entstand (Foto: Privatsammlung. Courtesy Stiftung Situation Kunst, Bochum © Nachlass Kiarostami)

Stille und bewegte Bilder des großen persischen Fotografen, Lyrikers und Regisseurs Abbas Kiarostami zeigt das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk), Museumsplatz 1, in einer konzentrierten Werkschau mit dem Titel „Der Wind wird uns tragen. Fotografie und Film“ vom 9. Juni bis 23. September. Sie wird am Freitag, 9. Juni, um 19 Uhr durch den Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder, Museumsdirektorin Dr. Britta E. Buhlmann und Ausstellungskurator Dr. Heinz Höfchen eröffnet. Natur und Mensch stehen im Mittelpunkt seines herausragenden Schaffens, das durchdrungen ist von der Poesie der Einsamkeit und monumentaler Leichtigkeit. Abbas Kiarostami, der 1940 in Teheran geboren wurde und 2016 in Paris starb, gehört zu den wichtigsten iranischen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Er gilt als einer der großen Regisseure des Weltkinos. Neben seiner Filmkunst steht gleichbedeutend ein herausragendes fotografisches Schaffen, das es zu entdecken gilt. Besonders in der schwarz-weißen Fotoserie „Snow White“ findet der Künstler zu einer poetisch geprägten, minimalistischen Auseinandersetzung mit Landschaften seiner persischen Heimat. Die Ausstellung im mpk gibt ausgewählte Einblicke in das Filmschaffen des Künstlers und präsentiert eine rund 60 Arbeiten umfassende Auswahl seiner Fotografien. Die Exponate stammen aus einer Privatsammlung sowie den Beständen der Pariser Galerie de France.

Abbas Kiarostami gehört zu den wichtigsten iranischen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Bekannt geworden als Filmregisseur von Filmen wie „Quer durch den Olivenhain“ (1994), „Der Wind wird uns tragen“ (1999) oder „Like Someone in Love“ (2012), gilt Kiarostami als einer der großen Regisseure des Weltkinos. So konnte etwa Jean-Luc Godard schreiben: „Der Film beginnt mit D. W. Griffith und endet mit Abbas Kiarostami.“ Dabei empfand Kiarostami, wie er sagte, die Fotografie „als Mutter des Kinos“.

Neben seiner Filmkunst steht somit gleichbedeutend ein herausragendes fotografisches Schaffen, das es zu entdecken gilt. Besonders in der schwarz-weißen Fotoserie „snow white“ findet der Künstler zu einer poetisch geprägten, minimalistischen Auseinandersetzung mit Landschaften seiner persischen Heimat. Es sind Winterlandschaften mit dem Motiv der unberührten Schneedecke, oft zeigt der Fotograf einzeln stehende Bäume oder Baumgruppen in meditativer Einsamkeit und Ruhe. Die Licht- und Schattenwirkungen der „snow white“-Fotografien sind von großer grafischer Eindringlichkeit und kombinieren persische Tradition mit den formalen Entwicklungen der Abstraktion. Ganz anders die digitalen Farbaufnahmen der Serie „Rain and Wind“: Kiarostami fotografiert durch die regennasse Frontscheibe eines fahrenden Autos. Die Regenschlieren ergeben einen malerischen Sfumato-Effekt, der als Gegenentwurf zu seiner sonst durchgängigen fotografischen Tiefenschärfe wirkt.

Abgeschlossenheit, lyrische Hermetik und „chambre close“-Atmosphäre vermitteln hingegen die Arbeiten der 2009/10 entstandenen Werkgruppe „The Walls“. Diese Mauern trennen Innen und Außen, erzählen mit ihren Fugen und Löchern Geschichten über ihre Geschichte, lassen an die unsichtbaren Bewohner dahinter denken.

Seine künstlerische Ausbildung erhielt Kiarostami, der als Maler begann, von 1960 bis 1968 an der Kunstakademie in Teheran. Er arbeitete zunächst als Graphiker für Werbefilme, 1970 drehte er seinen ersten Kurzfilm; international als Regisseur bekannt wurde er Ende der 1980er Jahre mit dem Spielfilm „Wo ist das Haus meines Freundes?“. 1997 gewinnt er die Goldene Palme auf dem Filmfestival in Cannes. Die wichtigsten seiner vielen Preise und Auszeichnungen sind der japanische Praemium Imperiale (2004) und die postume Wahl zum Asian Filmmaker of the Year (2016). Zur Ausstellung liegt eine 160-seitige Publikation vor: „Abbas Kiarostami. Stille und bewegte Bilder“, herausgegeben von Silke von Berswordt-Wallrabe und anderen, Stiftung Situation Kunst, Bochum 2012, die für 19 Euro an der Museumskasse erhältlich ist oder unter www.mpk.de online bestellt werden kann. Das mpk am Museumsplatz 1 ist dienstags von 11 bis 20 Uhr und mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.