Eindrucksvolles Projekt abgeschlossen

Opulenter letzter Band des „Pfälzischen Klosterlexikons“ vorgestellt

Geschafft – mit der Vorstellung des fünften Bandes in Frankenthal ist das „Pfälzische Klosterlexikon“ komplett (von links): Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder, Projektleiter Jürgen Keddigkeit, Institutsdirektorin Dr. Sabine Klapp und Prof. Dr. Jörg Peltzer, Festredner des Pfälzischen Klostersymposions

„Ein eindrucksvolles Projekt des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde ist nun abgeschlossen“, sagte Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder bei der Vorstellung des fünften und opulent ausgefallenen Bandes des „Pfälzischen Klosterlexikons“ beim Pfälzischen Klostersymposion in Frankenthal, das zu Ehren von Jürgen Keddigkeit stattfand. Er hatte das Werk zehn Jahre lang betreut, mit herausgegeben und Beiträge verfasst. Die Anregung, ein solches Nachschlagewerk zu erstellen, habe das „Pfälzische Burgenlexikon“ gegeben; und so „beauftragte der Bezirksverband Pfalz sein Institut sowie Jürgen Keddigkeit, Klöster, Stifte und Kommenden der Pfalz zu erforschen und sie als wichtigen Teil pfälzischer Geschichte zu dokumentieren“. Ein „fantastisches Werk“ sei entstanden. Es enthalte neben den sichtbaren nicht mehr vorhandene Klöster und zeige, dass die Pfalz sowohl eine Burgen- als auch eine Klosterlandschaft sei. „Über Jahrhunderte waren die Klöster Träger von Bildung und Wissen“, so Wieder weiter, was man nicht hoch genug schätzen könne. Deren Handschriften stellten ein „Zeugnis der Kultur und Fähigkeit dar, mit Wissen umzugehen“. Die heutigen Quellen des Wissens seien Bibliotheken, Archive und Datenbanken. „Wer dieses Wissen verliert, kann nicht mehr aus der Geschichte schöpfen, die uns befähigt, unsere Zukunft zu gestalten.“ Und genau dies bewahre uns unsere Demokratie und Freiheit.

Projektleiter Jürgen Keddigkeit gelinge es, „seine großen Fachkenntnisse lebendig zu vermitteln und seine Zuhörerschaft dank seines Enthusiasmus mitzureißen“, so Institutsdirektorin Dr. Sabine Klapp in ihrer Laudatio auf den langjährigen ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter. Er habe sich insgesamt 20 Jahre lang mit den beiden je fünfbändigen Nachschlagewerken über pfälzische Burgen und Klöster beschäftigt und diese „zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht“. Sie skizzierte kurz seinen Werdegang: Zunächst absolvierte er eine Schlosserlehre, studierte dann Geschichte und pfälzische Landeskunde mit dem Ziel, in den Schuldienst zu gehen. Nachdem er seine Lehrbefähigung erhalten hatte, machte er 1983 sein Magisterexamen und kam ins Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern. Bis zum Abschluss des Klosterlexikons sei er über seinen Wechsel in den Ruhestand im Jahr 2011 hinaus unter Vertrag des Bezirksverbands Pfalz geblieben. „Die Bandbreite seines Schaffens ist groß und reicht von volkskundlichen bis zu landeshistorischen Themen“, stellte Klapp heraus. „Ungeheuer vielfältig ist sein Schaffen als Autor sowie Vortragsredner und Exkursionsleiter, der Geschichte in Geschichten spannend erzählt und damit die Menschen in seinen Bann ziehen kann.“ Nebenbei erwähnte sie, dass sich das Burgen- sowie das Klosterlexikon, in Bibliotheken „von Harvard bis Rom“ befänden. Mit diesen beiden „Mammutwerken, die den aktuellen Forschungsstand abbilden“, würde man das Institut verbinden. Sie dankte den zahlreichen Autoren und dem Herausgeberteam; ihm gehören neben Jürgen Keddigkeit und ihr Prof. Dr. Matthias Untermann, der Kunstgeschichte in Heidelberg lehrt, Charlotte Lagemann vom Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg sowie der Historiker und Theologen Prof. Dr. Hans Ammerich an, den der Bezirksverband Pfalz 2015 für sein Lebenswerk ausgezeichnet hat.

Der letzte Band sei „mit 1080 Seiten das dickste und schwerste Buch, an dem ich beteiligt war“, stellte Jürgen Keddigkeit bei der Vorstellung des fünften Bandes fest, der die Klöster von T bis Z behandelt. Dabei würden die ehemals kurpfälzischen Orte Weißenburg und Worms aufgrund ihrer Klosterdichte den meisten Raum einnehmen. 65 Beiträge von 34 Text- und drei Bildautoren würden 24 unterschiedliche geistliche Institutionen von 29 in diesem letzten Band beschreiben. „Das Besondere an dem Lexikon ist sein interdisziplinärer Ansatz, denn im Fokus stehen gleichrangig die Geschichte sowie Bau- und Kunstgeschichte.“ Auch auf eine Besonderheit des letzten Bandes wies er hin: „Die Burg Trifels ist sowohl im Burgen- wie im Klosterlexikon vertreten, da sie im 13. Jahrhundert zeitweilig als Kloster in Betrieb war.“

Prof. Dr. Jörg Peltzer von der Universität Heidelberg, Pfalzpreisträger und Festredner des Klostersymposions, ging der spannenden Frage nach: „Stimulation oder Stagnation? Vom Nutzen eines Klosterlexikons für die Landesgeschichte“. Das Lexikon als „Bestandsaufnahme und Sicherung des kulturellen Erbes“ bestehe nur, wenn dieses im Bewusstsein sei. Es stelle einen „besonderen Glücksfall“ dar, dass der Bezirksverband Pfalz das Projekt initiiert habe und dahinterstehe. „Denn dank des gewählten Parlaments“, das im Regionalverband den Ton angebe, „stehen die Menschen vor Ort dahinter“. Die Landesgeschichte habe sich immer den interdisziplinären Blick auf die Fahnen geschrieben, was im Klosterlexikon „auf hervorragende Weise umgesetzt ist“. Die Artikel böten „Würze in der Kürze, ohne dass sie an Substanz vermissen lassen“ und machten die Forschung für alle zugänglich, „was eine Kunst ist“. So leicht werde einem die Vorbereitung eines Ausflugs, einer Schulstunde oder eines Seminars selten gemacht. Das Lexikon lasse uns die Vielfalt klösterlichen Lebens in unserer Region erkennen. Jürgen Keddigkeit bezeichnete er als „Spiritus Rector“, als Kopf und treibende Kraft des Unternehmens. „Es ist“, so Peltzer, „keine Kleinigkeit, ein solches Projekt durchzuführen und auch zu Ende zu bringen.“

Das Symposion bot einige Stunden zuvor eine Exkursion zur Stiftskirche St. Paul in Worms und am darauffolgenden Tag sechs Vorträge zu unterschiedlichen interessanten Themen. Das „Pfälzische Klosterlexikon“ ist – wie das „Pfälzische Burgenlexikon“ – im Buchhandel, in Kaiserslautern beim Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, Benzinoring 6, und bei der Pfalzbibliothek, Bismarckstraße 17, sowie über den Online-Buchshop (www.bv-pfalz.de/shop) erhältlich. Jeder Band kostet 42,80 Euro, der Paketsonderpreis für alle fünf Bände beträgt 150 Euro.