Landesausstellung „Gurs 1940″

Die Deportation und Ermordung von südwestdeutschen Jüdinnen und Juden

Historisches Museum der Pfalz, Domplatz 4, Speyer

Laufzeit 09. April bis 23. Mai 2021. Eintritt frei, geöffnet Di-So 10-18 Uhr

ACHTUNG: Aufgrund der Corona-Situation ist das Museum seit dem 26.03. geschlossen. Bitte informieren Sie sich vor dem Besuch über die dann gültige Regelung. 

Am 22. und 23. Oktober 1940 wurden Tausende Jüdinnen und Juden
aus Baden und der „Saarpfalz“ in den unbesetzten Teil Frankreichs deportiert.

Offizielle Angaben sprechen von 6.504 Menschen. Die Zahl lag
sicherlich höher. Die französischen Behörden leiteten die Züge in das Lager
Gurs, am Fuße der Pyrenäen, im Herzen des heutigen Departement
Pyrénées-Atlantiques. Gurs hatte im Verlauf seiner Geschichte verschiedenen Funktionen: Es war Flüchtlings-, Internierungs-, Durchgangs- und Konzentrationslager. Einigen Deportierten gelang von dort die Flucht, Hunderte starben. Die meisten Überlebenden wurden 1942 oder 1943 in die deutschen Vernichtungslager im besetzten Polen verschleppt und ermordet.

An diese Verbrechen, wie auch an ihre Nachgeschichte, erinnert die Ausstellung „Gurs 1940“ anlässlich des 80. Jahrestages der Deportation der Jüdinnen und Juden aus Südwestdeutschland. Sie bettet regionale Geschichte in deutsch-französische, teils auch europäische Abläufe ein und beleuchtet das Schicksal von Jüdinnen und Juden, betrachtet Täter*innen, Umstehende und Nutznießende in Deutschland und in Frankreich aus verschiedenen Perspektiven. Auch erzählt sie, wie dieser
Verbrechen gedacht wurde und wird.

Die Ausstellung der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz Berlin ist in Kooperation mit vielen Partner*innen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie dem Auswärtigen Amt entstanden.

Die Ausstellungdurchführung erfolgt in Zusammenarbeit
des Bezirksverbands Pfalz mit der Landeszentrale für politische Bildung RLP.



L’exposition du mémorial et centre de formation Maison de la conférence de Wannsee est organisée en coopération avec partenaires au Bade-Wurtemberg, en Rhénanie-Palatinat, en Sarre et en France ainsi qu’avec le soutien du ministère fédéral des Affaires étrangères.


Die Inhalte – digital zugänglich

Die Inhalte der Ausstellungs-Tafeln, kuratiert von der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, finden Sie auf der Seite www.gurs1940.de digital zur Einsichtnahme.

Der regionale Teil speziell über die Deportation aus der Pfalz, zusammengestellt von Roland Paul, ist hier zum Download bereitgestellt: Download



Inhaltliche Anfragen 

bitte an: Bezirksverband Pfalz
Zentralarchiv | Gedenken & Erinnern
Telefon: 0631 89290338
E-Mail: u.burkhart@bv-pfalz.de

Presse-Anfragen 

bitte an: Bezirksverband Pfalz
Regina Reiser
Telefon: 0631 3647-120
E-Mail: r.reiser@bv-pfalz.de

Les 22 et 23 octobre 1940, des milliers d’hommes, femmes et enfants juifs des Gaue (districts) du Bade et de Sarre-Palatinat sont déportés vers la France non occupée. Le s sources officielles mentionnent le chiffre de 6 504 personnes qui, en réalité, est certainement plus élevé. Les autorités françaises acheminent les convois vers le camp de Gurs, situé au pied des Pyrénées, au coeur du département actuel des Pyrénées-Atlantiques. Ce camp remplit différentes fonctions au fil de son histoire : camp d’internement puis camp de transit. Quelques interné·e·s réussissent à en sortir, plus d’un milllier y meurent. La plupart des survivant·e·s sont déportés et assassinés entre 1942 et 1944 à Auschwitz-Birkenau et Sobibor. Ce sont ces crimes et leurs suites que rappelle notre exposition. Elle réinscrit l’histoire régionale dans des processus franco-allemands, pour part européens. Elle adopte une multiplicité de perspectives pour mettre en lumière le sort des Juives et des Juifs, mais aussi pour évoquer les auteurs et autrices de crimes, les badauds, les profiteurs et profiteuses ainsi que celles et ceux qui leur sont venus (secrètement) en aide – en France comme en Allemagne. En outre, elle retrace l’histoire de la commémoration de ces crimes jusqu’à aujourd’hui.



Wanderausstellung „Gurs 1940“

Die Ausstellung ist als mobile Variante für Pfälzer Städte, Gemeinden, Museen oder Initiativen kostenfrei beim Bezirksverband buchbar. Sie ist im Anschluss an die Laufzeit in Speyer in verschiedenen pfälzischen Landkreisen und Gemeinden bis Ende 2022/Anfang 2023 zu sehen.

Bisherige Planung 2021-23 (Änderungen vorbehalten):

Dahn, Otfried-von-Weißenburg-Gymnasium: 21.06. – 16.07.2021
Rockenhausen, AK „Stolpersteine“: 01. – 24.09.2021
Altrip, Bürgerhaus „Alta Ripa“: 01. – 28.10.2021
Kirchheimbolanden, Museum im Stadtpalais: 01. – 30.11.2021
Bad Bergzabern, Alfred-Grosser-Gymnasium: 03.12.2021 – 21.01.2022
Annweiler, Ort wird ergänzt: 28.01. – 18.02.2022
Pirmasens, Festhalle: 28.02. – 01.04.2022
Zweibrücken, Stadtmuseum: 08.04. – 29.05.2022
Frankenthal, Archiv: 04.07. – 26.08.2022
Kaiserslautern, Theodor-Zink-Museum: 01. – 30.09.2022
Neustadt, Stadtmuseum Villa Böhm: 21.10.- 18.11.2022
Landau, Frank-Löb’sches Haus: Jan-Feb 2023



Eröffnung & Rahmenprogramm

Rahmenprogramm-Flyer als PDF zum Download

Donnerstag, 08.04.2021, 16 Uhr
Virtuelle Eröffnung der Ausstellung „Gurs 1940“
per Stream auf dem YouTube-Kanal des Bezirksverbands Pfalz  

Es sprechen:
– Dr. Alexander Schubert,
Direktor des Historischen Museums der Pfalz Speyer
– Theo Wieder,
Vorsitzender des Bezirkstags Pfalz
– Staatssekretär Dr. Dennis Alt, Ministerium für Wissenschaft,
Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz
– Bernhard Kukatzki M. A.,
Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz
– Prof. Dr. Michael C. Hermann,
Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
– Dr. Christoph Kreutzmüller und Jennifer Heidtke,
Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz Berlin
– Marina Nikiforova, Geschäftsführerin der Jüdischen
Kultusgemeinde der Rheinpfalz
– Musikalische Gestaltung mit Liedern von Viktor Ullman: Karen Leiber (Sopran), i Qiong Pan (Violine), Sofia Guo (Viola) und Eric Trümpler (Violoncello)

Donnerstag, 15.04.2021, 19 Uhr
Vortrag: „Josef Bürckel und die Deportation der pfälzisch-saarländischen Juden am 22. Oktober 1940“

per Stream auf dem YouTube-Kanal des Bezirksverbands Pfalz  

Die Deportation bedeutete eine Verschärfung in der rassistischen Praxis des NS-Regimes: Erstmals wurden deutsche Juden aus dem sogenannten Altreich aus ihrer Heimat vertrieben und deportiert, womit ein Leidensweg begann, der für viele über die französischen Lager bis nach Ausschwitz führte. Bis heute sind die Entscheidungsprozesse, welche die Ereignisse des 22. Oktober 1940 nach sich zogen, noch nicht hinreichend geklärt. Der Vortrag gibt einen Überblick über Ablauf und Folgen der Deportation und wird die Frage der politischen Verantwortung des Gauleiters Bürckel diskutieren.
Referent: Dr. Walter Rummel, Leiter des Landesarchivs Speyer.

Mittwoch, 21.04.2021, 19 Uhr
Vortrag: „Die Deportation der pfälzischen Juden nach Gurs vor 80 Jahren“

per Stream auf dem YouTube-Kanal des Bezirksverbands Pfalz  

Von den 6.487 Juden, die 1933 in der Pfalz wohnten, lebten im Herbst 1940 gerade noch etwa 900 hier. Viele hatten ihre Heimat nach ihrer Entrechtung und Verfolgung verlassen, sind ins Ausland emigriert oder in größere Städte außerhalb der Pfalz gezogen. Vor 80 Jahren, am 22. Oktober 1940, wurden in einer Nacht- und Nebel-Aktion auf Weisung des Gauleiters Bürckel 825 jüdische Männer, Frauen und Kinder festgenommen und zusammen mit ca. 5.200 badischen und saarländischen Juden in das in Südfrankreich gelegene Lager Gurs deportiert. Der Referent berichtet über diese Verschleppung, die katastrophalen Zustände in Gurs und das Schicksal der Deportierten, von denen die meisten ab 1942 nach Auschwitz kamen und dort ermordet wurden.
Referent: Roland Paul, Arbeitsstelle für jüdisches Leben in der Pfalz.

Donnerstag, 22.04.2021, 19 Uhr
Gesprächskonzert „Der Glaube an das Schöne hinter Stacheldraht:
Kunst im Lager Gurs – eine Erinnerung in Texten und Musik“

Zu sehen auf dem YouTube-Kanal des Bezirksverbands Pfalz  

In Gurs, dem größten Internierungslager Südfrankreichs, waren zwischen 1939 und 1944 auch zahlreiche berühmte Künstler und Künstlerinnen interniert. Sie versuchten, trotz der erbärmlichen Lebensumstände, das Leid und die Angst durch ihre Kunst zu überwinden und damit ihre menschliche Würde zu bewahren. Namhafte Musiker und Musikerinnen gaben dort im Lager erstklassige Konzerte, veranstalteten Kabarettabende, um ihren Mitgefangenen, darunter auch die ersten im Oktober 1940 aus Baden, der Pfalz und dem Saarland dorthin deportierten Juden, einen Moment des Glücks zu schenken und gemeinsam eine Oase der Hoffnung zu schaffen.

Mehrere Jahre hat die deutsch-französische Musikerin Mélina Burlaud auf den Spuren der in Gurs internierten Musiker geforscht und deren Texte und Musik aus der Lagerzeit gesammelt. Gemeinsam mit der Mezzosopranistin Lena Spohn bringt sie ein eindringlich berührendes Gesprächskonzert auf die Bühne. Durch musikalische Darbietungen der im Lager komponierten Werke und auch durch die Beschreibung der Lagerwirklichkeit mit ausgewählten Texten wird das Schicksal der Inhaftierten verdeutlicht. Es huldigt der Kraft der Kunst als Flucht in die innere Freiheit. Ein Abend, der uns wieder einmal zeigt, wie wesentlich die Rolle der Kunst zu allen Zeiten als Widerstandskraft und Lebenshilfe war und ist.
Mit Mélina Burlaud (Klavier) und Lena Spohn (Mezzosopran)

Donnerstag, 20.05.2021, 19 Uhr
In Memoriam Margot Wicki-Schwarzschild (1931-2020)
Bericht einer Zeitzeugin

Der Zeitzeugenbericht aus dem Jahr 2008 erscheint neu auf
dem YouTube-Kanal des Bezirksverbands Pfalz. Dort wird er am
20. Mai online gestellt, und kann ab 19 Uhr als sog. „Watchparty“
erstmals gesehen, und im Live-Chat begleitet werden. Um daran
teilzunehmen, abonnieren Sie kostenfrei unseren YouTube-
Kanal BVPfalz und aktivieren Sie die Klingel.

Als Neunjährige erlebte Margot Wicki-Schwarzschild die Verschleppung
und Deportation ihrer Familie von Kaiserslautern
nach Gurs. Anlässlich einer Gedenkreise mit Jugendlichen nach
Gurs berichtet sie, unter welch dramatischen Umständen ihr das
Überleben mit ihrer Mutter Luise und ihrer älteren Schwester
Hannelore gelang und wie sie die Deportation ihres Vater Richard
vom südfranzösischen Lager Rivesaltes miterleben musste. Während
sie mit ihrer Mutter und Schwester 1946 nach Kaiserslautern
zurückkehrte, wurde ihr Vater in Auschwitz ermordet.
Detailliert schildert sie Stationen der Leidensgeschichte ihrer
Familie und beschreibt die Not, die die Schwarzschilds zusammen
mit ihren Schicksalsgenoss*innen durchleben mussten. Sie
berichtet aber auch von Menschen, die versuchten, den Notleidenden
zu helfen und deren Lage zu lindern. Einem solchen Akt
von tatkräftigem Einsatz und Solidarität sollten die drei Schwarzschild-
Frauen schließlich ihr Überleben verdanken.

Weitere Ressourcen zu Gurs:

Frisch auf Youtube: „1319 km – von Neustadt nach Gurs“
Aus Anlass des 80. Jahrestages der Oktoberdeportation 1940 nach Gurs präsentierte die Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt den Film von Martin Mannweiler: „1319 km – von Neustadt nach Gurs“

Der Bezirksverband Pfalz erinnerte an die Deportation der jüdischen Bevölkerung am 22. Oktober 1940 in Form einer kleinen Veranstaltungsreihe im Herbst 2020 (Flyer PDF zum Download)

Eine Broschüre zur badischen Landesperspektive der Deportation findet sich auf der Seite der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg zum Download.

Eine Broschüre zu geretteten Kindern (erstellt von Brigitte und Gerhard Brändle) steht hier als PDF zum Download.