80 Jahre Deportation nach Gurs

„Gurs“-Gedenkveranstaltungen des Bezirksverbands Pfalz 2020

Der Bezirksverband Pfalz erinnert an die Deportation der jüdischen Bevölkerung am 22. Oktober 1940 in Form einer kleinen Veranstaltungsreihe. Noch fehlende Daten (Ortsangaben oder Streaming-Verlinkungen) werden fortlaufend ergänzt.

Die Übersicht der Veranstaltungen des Bezirksverbands wie auch der Gedenk-Initiativen gibt es hier als PDF zum Download.

Auch wir beherzigen die Hygienevorschriften, und müssen bei den Angeboten auf Mindestabstände achten, weswegen die Platzkapazitäten begrenzt sind. Viele der hier aufgelisteten Veranstaltungen sind Eintritt frei, wir bitten jedoch um Voranmeldung. Bei Eigenveranstaltungen des Bezirksverbands unter gurs-gedenken@bv-pfalz.de.

Bei Veranstaltungen in der Region (weiter unten) bitte an die jeweiligen Veranstalter direkt!

Montag 19.10., 19 Uhr

Eröffnung der Ausstellung von Monika Kirks „Als Kinder Auschwitz entronnen“ – Bilder aus dem Leben der Familie Schwarzschild.

Ort: Kaiserslautern, Alte Eintracht, Unionstraße 2

Das Buch von Margot und Hannelore Wicki-Schwarzschild über
die Lebens- und Leidensgeschichte der 1940 deportierten Familie
Schwarzschild diente als Grundlage für die Werke der Landauer Künstlerin
Monika Kirks. In enger Abstimmung zwischen der Malerin und Margot Wicki-Schwarzschild entstanden 25 Acrylbilder und dazugehörige Skizzen. Entlang der Chronologie der Deportation und des erzwungenen Frankreichaufenthalts der Familie von 1940 – 1946 wurden emotionale Bilder aus den Berichten der Geschwister aufgegriffen. Deren Rätselhaftigkeit soll Fragen provozieren: Was ist los auf dem Bild, worum geht es? Skizzen und ausgewählte Originaltexte aus den Berichten im Buch
erläutern die historische Situation und den ereignisgeschichtlichen
Hintergrund.

Montag 19.10., 20 Uhr

Ort: Kaiserslautern, Alte Eintracht, Unionstraße 2

Vortrag von Dr. Christoph Kreutzmüller, Haus der Wannsee-Konferenz: „Fast ein Blitzlichtgewitter. Die Fotos der Deportationen nach Gurs vom Oktober 1940“

Im Vergleich mit den späteren Deportationen „in den Osten“ wurden die Deportationen nach Gurs häufig fotografiert. Offenbar gab es wenig Hemmungen – und keine offiziellen Verbote. Fotografen waren entweder Polizisten oder eher unbeteiligte Zuschauer*innen. Der Fotoexperte Dr. Christoph Kreutzmüller stellt die Fotografien in ihren historischen Kontext, vergleicht und analysiert sie. Dr. Kreutzmüller ist auch Kurator der kommenden Landesausstellung zum Thema „Gurs“ (siehe unten).

Dienstag 20.10., 19 Uhr

Ort: Kaiserslautern, Pfalztheater, Willy-Brandt-Platz 4-5

Zeitzeugenbericht einer Deportierten

Margot Wicki-Schwarzschild, eine gebürtige Kaiserslauterin, auf Grundlage derer Biographie die Gemälde in der Ausstellung entstanden sind, erinnert sich an die Vorgänge von 1940 und danach.

Mittwoch 21.10.,  19 Uhr

Ort: Kaiserslautern, Pfalzbibliothek, Bismarckstraße 17

Vortrag „Die Deportation der pfälzischen Juden nach Gurs
vor 80 Jahren“, das Schicksal der Deportierten aus der Pfalz.
Kaiserslautern, Pfalzbibliothek, Bismarckstraße 17
Am 22. Oktober 1940, wurden in einer Nacht- und Nebel-Aktion auf
Weisung des Gauleiters Bürckel 824 jüdische Männer, Frauen und Kinder
festgenommen und zusammen mit ca. 5.200 badischen und saarländischen
Juden in das in Südfrankreich gelegene Lager Gurs deportiert.
Der Referent berichtet über diese Verschleppung, die katastrophalen
Zustände in Gurs und das Schicksal der Deportierten, von denen die
meisten ab 1942 nach Auschwitz kamen und dort ermordet wurden.
Veranstalter: Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde
Referent: Roland Paul, Arbeitsstelle für jüdisches Leben in der Pfalz
Eintritt frei, Anmeldung wird erbeten unter 0631 3647 111 oder
info@pfalzbibliothek.bv-pfalz.de. Dieser Vortrag wird per Livestream übertragen, Infos demnächst auf www.pfalzbibliothek.de

Veranstalter: Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde

Donnerstag, 01.10. / Sonntag, 11.10. / Donnerstag, 22.10. /
Freitag, 30.10. / Freitag, 06.11. / Mittwoch, 25.11. /
Dienstag, 15.12., jeweils 19.30 Uhr
Schauspiel: „Bürckel! Frau Gauleiter steht ihren Mann“
von Peter Roos
Kaiserslautern, Pfalztheater, Willy-Brandt-Platz 4-5
Karten unter www.pfalztheater.de oder 0631 3675 209
Der pfälzische Gauleiter Josef Bürckel war einer der mächtigsten
Funktionäre des Nationalsozialismus. 1940 war er maßgeblich verantwortlich für die Deportation nach Gurs – er meldet an Hitler als erster deutscher Gauleiter seine „Saarpfalz“ als „judenfrei“. Bürckel verstarb 1944 in Neustadt. Bis heute gilt er als schillernde Figur der NS-Führungselite, in Teilen der Pfalz blieb er lange Zeit geachtet wegen seiner Jovialität, der Beibehaltung seines pfälzischen Dialektes und als „Erfinder“
der Weinstraße.

Der Autor Peter Roos hat sich zeitlebens mit dem Nationalsozialismus beschäftigt. Der Handlung seines Stücks liegen jahrelange Recherchen und die umfassende Akte von Bürckels Frau Hilde von 1949 zugrunde. Infos & Spieltermine im Pfalztheater hier.

Montag 26.10., 19 Uhr

Vortrag  „Josef Bürckel und die Deportation der
pfälzisch-saarländischen Juden am 22. Oktober 1940“

Ort: Kaiserslautern, Alte Eintracht, Unionstraße 2

Die Deportation bedeutete eine Verschärfung in der rassistischen Praxis
des NS-Regimes: Erstmals wurden deutsche Juden aus dem sogenannten
Altreich aus ihrer Heimat vertrieben und deportiert, womit
ein Leidensweg begann, der für viele über die französischen Lager
bis nach Ausschwitz führte. Bis heute sind die Entscheidungsprozesse,
welche die Ereignisse des 22. Oktober 1940 nach sich zogen, noch
nicht hinreichend geklärt. Der Vortrag gibt einen Überblick über Ablauf
und Folgen der Deportation und wird die Frage der politischen
Verantwortung des Gauleiters Bürckel diskutieren.
Referent: Dr. Walter Rummel, Leiter des Landesarchivs Speyer.

Veranstaltungen in der Region

Voranmeldung bitte an die jeweiligen Veranstalter direkt!

Montag, 05.10., 18 Uhr
Vortrag: „Die Deportation der saarländischen Juden nach Gurs und ihr weiteres Schicksal“
Siersburg-Rehlingen/Saarland, Sitzungssaal des Rathauses
(Bouzonviller Platz)
Veranstalter: AG Stolpersteine Siersburg-Rehlingen
Referent: Roland Paul, Arbeitsstelle für jüdisches Leben in der Pfalz

Mittwoch, 07.10., 19 Uhr
Vortrag mit Fotos: „Gurs – Zwischenstation für das
Vernichtungslager Auschwitz: Die Deportation der Juden
aus Frankenthal am 22. Oktober 1940.“
Frankenthal, Bildungszentrum der VHS, Schlossergasse 10
Eintritt frei.
Die große Mehrzahl der 266 Juden, die 1933 noch in Frankenthal
wohnten, war emigriert. So waren es 1940 nur noch 39 Juden, die
„nach Frankreich abgeschoben“ wurden, wie es verharmlosend in
einem Zusatz in der Einwohnermeldekartei nachgetragen wurde. Über
Ihre Schicksale berichtet der Vortrag.
Referent: Herbert Baum
Veranstalter: Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal

Donnerstag, 22.10., 11 Uhr
Vortrag: „Die Deportation der saarpfälzischen Juden
nach Gurs vor 80 Jahren“
Homburg/Saar, evangelische Stadtkirche
Veranstalter: Stadtverwaltung Homburg/Saar
Referent: Roland Paul, Arbeitsstelle für jüdisches Leben in der Pfalz

Donnerstag, 22.10., 11 Uhr
Kundgebung: Für unsere gemeinsame Zukunft
in Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit
Wissembourg/F., Treffpunkt Bahnhof Wissembourg
Ab 11.30 Uhr Fußweg zur ehemaligen Synagoge, 4 Place des Carmes,
Begrüßung durch Bürgermeisterin Fischer-Junck, sowie Ansprachen
von Jean Bloch und Prof. Matthias Bahr. Wanderung nach Schweigen
zum Weintor (Distanz ca. 2,5 km), um 13 Uhr Begrüßung am Weintor
mit Programm, Ende ca. 14 Uhr. Teilnahme ab Synagoge oder Weintor ist möglich, einfach direkt dort einfinden.

Veranstalter: Kreativ für Menschenrechte e.V.

Donnerstag, 22.10., 11 Uhr
Kranzniederlegung zum Gedenken an die Opfer von Gurs
Neustadt/Weinstraße, am Gurs-Schild beim Saalbau
Veranstalter: die Stadt Neustadt an der Weinstraße und die
Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt

Donnerstag, 22.10., ab 18 Uhr
Gedenken an die Opfer von Gurs
Neustadt, Martin-Luther-Kirche, Martin-Luther-Straße
„Gurs – eine Spurensuche“, Kurzvortrag von Roland Paul, Arbeitsstelle
für jüdisches Leben in der Pfalz. „Gurs – Gestern und
Heute“, Kurzfilm von Martin Mannweiler. Musik mit dem Duo
Rebecca Rust (Cello) & Friedrich Edelmann (Fagott)

Teilnahme nur mit Anmeldung möglich über: 0172-7474419
oder eberhard.dittus@evkirchepfalz.de
Veranstalter: die Stadt Neustadt an der Weinstraße und die
Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt
Weitere Informationen: www.gedenkstaette-neustadt.de

Donnerstag, 22.10., 11 Uhr
Vortrag: „Die Deportation der saarpfälzischen Juden nach
Gurs vor 80 Jahren“
Homburg/Saar, evangelische Stadtkirche
Veranstalter: Stadtverwaltung Homburg/Saar
Referent: Roland Paul, Arbeitsstelle für jüdisches Leben in der Pfalz

Dienstag 27.10., 19 Uhr
„Es gibt immer weniger Zeitzeugen“:
Film mit dem Gurs-Deportierten Paul Niedermann
Frankenthal, Bildungszentrum der VHS, Schlossergasse 10, Eintritt frei
Paul Niedermann, der als 13-Jähriger nach Gurs deportiert wurde, berichtete mehrmals in der Region über sein Leben und Leiden. In dem
Film von 2013 schildert er die Lebensverhältnisse im Lager. 1942 gelang
ihm mit seinem Bruder die Flucht. Er wurde über die Schweizer
Grenze in Sicherheit gebracht, die Eltern in Konzentrationslagern ermordet.
Erst 30 Jahre später konnte er als Zeuge im Prozess gegen den
SS-Offizier Klaus Barbie zum ersten Mal über sein Leben sprechen.
Danach hielt er hunderte von Vorträgen in verschiedenen Ländern.
Einführung: Herbert Baum
Veranstalter: Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal

Mittwoch, 28.10., 19 Uhr
Vortrag: „Pfälzer Juden und ihre Deportation
nach Gurs im Jahr 1940“
Speyer, Stadtratssitzungssaal, Maximilianstraße 12, Eintritt frei
80. Jahrestag der Deportation der pfälzischen und badischen Juden
nach Gurs, der „Vorhölle von Auschwitz.“ Roland Paul, der ehemalige
Direktor des Instituts für Pfälzische Geschichte und Volkskunde
in Kaiserslautern, spricht als renommierter Experte für die jüdische
Geschichte der Pfalz.
Voranmeldung mit Angabe der Kontaktdaten und der Teilnehmerzahl
unter stadtarchiv@stadt-speyer.de erforderlich.
Veranstalter: Stadt Speyer und Historischer Verein der Pfalz
Referent: Roland Paul, Arbeitsstelle für jüdisches Leben in der Pfalz

Freitag, 06.11., 10 Uhr
Enthüllung weiterer Tafeln im Gedenkprojekt der Stadt
Pirmasens für die Opfer des Nationalsozialismus
Pirmasens, Bahnhofstraße 10 (anschl. zum Alten Rathaus und
zur Gedenktafel für Familie Raune in der Hauptstr. 32)
In einem zweitägigen Workshop haben Schülerinnen und Schüler des
Immanuel-Kant-Gymnasiums und der Förderschule Matzenberg die
Informationen zu den nach Gurs verschleppten Familien erarbeitet.
Anmeldung wird erbeten unter 06331 842832
Veranstalter: Stadtverwaltung Pirmasens, Stadtarchiv mit den
ortsansässigen Schulen

Freitag, 06.11., 19.30 Uhr
Vortrag: „Pfälzer Juden und ihre Deportation nach Gurs
im Jahr 1940“
Pirmasens, Festhalle
Roland Paul wird die Vorgänge zur Verschleppung der Juden nach Gurs
schildern und auf das Schicksal der Pirmasenser besonders eingehen.
Referent: Roland Paul, Arbeitsstelle für jüdisches Leben in der Pfalz
Anmeldung erbeten unter 06331 842223
Veranstalter: Stadtverwaltung und Historischer Verein

Donnerstag, 19.11., 18.30 Uhr
Rundgang zu den Häusern der Gurs-Deportierten
Treffpunkt: Bad Dürkheim, Stadtmuseum im Haus Catoir,
Römerstraße
Veranstalter: Stadtverwaltung Bad Dürkheim
Referent: Roland Paul, Arbeitsstelle für jüdisches Leben in der Pfalz

Vorschau auf 2021

Landesausstellung „Gurs 1940. Die Deportation und Ermordung
der Jüdinnen und Juden aus Südwestdeutschland.
Eine Ausstellung im Plural“

Am 22. und 23. Oktober 1940 wurden Tausende Jüdinnen und Juden
aus Baden und der „Saarpfalz“ in den unbesetzten Teil Frankreichs deportiert. Offizielle Angaben sprechen von 6.504 Menschen. Die Zahl lag
sicherlich höher. Die französischen Behörden leiteten die Züge in das Lager
Gurs, am Fuße der Pyrenäen, im Herzen des heutigen Departement
Pyrénées-Atlantiques. Gurs hatte im Verlauf seiner Geschichte verschiedenen Funktionen: Es war Flüchtlings-, Internierungs-, Durchgangs- und Konzentrationslager. Einigen Deportierten gelang von dort die Flucht, Hunderte starben. Die meisten Überlebenden wurden 1942 oder 1943 in die deutschen Mordzentren im besetzten Polen verschleppt und ermordet. An diese Verbrechen, wie auch an ihre Nachgeschichte, erinnert die Ausstellung „Gurs 1940“ anlässlich des 80. Jahrestages der Deportation der Jüdinnen und Juden aus Südwestdeutschland im Plural. Sie bettet regionale Geschichte in deutsch-französische, teils auch europäische Abläufe ein und beleuchtet das Schicksal von Jüdinnen und Juden, betrachtet Täter*innen, Umstehende und Nutznießende in Deutschland und in Frankreich aus verschiedenen Perspektiven. Auch erzählt sie, wie dieser
Verbrechen gedacht wurde und wird.
Die Ausstellung der Bildungs- und Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz Berlin ist in Kooperation mit vielen Partner*innen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie dem Auswärtigen Amt entstanden. Die Ausstellungdurchführung erfolgt in Zusammenarbeit des Bezirksverbands Pfalz mit der Landeszentrale für politische Bildung RLP.

Die Ausstellung eröffnet voraussichtlich im April 2021 in Kaiserslautern und ist im Anschluss in verschiedenen pfälzischen Landkreisen und  Gemeinden zu sehen. Die genauen Termine der Wanderausstellung werden so bald wie möglich hier veröffentlicht.

Sonntag, 25.04.21 & Sonntag, 14.11.21
jeweils um 11 Uhr und 14 Uhr
Stolperstein-Führung in Grünstadt
Grünstadt
Dauer: pro Führung 60-90 Minuten
Anmeldung unter www.kvhs-duew.de oder Tel. 06359 929 7235
Im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben“ 2021 erfahren
die Teilnehmer auf einem Rundgang durch die Stadt etwas über das jüdische
Leben in Grünstadt. Das Schicksal von Einzelpersonen wird exemplarisch
an verschiedenen Stolpersteinen dargestellt.
Veranstalter: VHS in Kooperation mit dem Altertumsverein Grünstadt

Sonntag, 25.04.21 & Sonntag, 14.11.21
jeweils um 11 Uhr und 14 Uhr
Führung auf dem jüdischen Friedhof in Grünstadt
Grünstadt
Dauer: pro Führung 60-90 Minuten
Anmeldung unter www.kvhs-duew.de oder Tel. 06359 929 7235
Im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben“ 2021.
Die Führung wird Besonderheiten der Bestattungsriten, die Grabinschriften
sowie die Bedeutung eines Friedhofs im Judentum erläutern.
Auch schildert sie die Bedeutung der Lage von Grünstadt zwischen den
SchUM-Städten Worms und Speyer.
Veranstalter: VHS in Kooperation mit dem Altertumsverein Grünstadt