Gedenken nachhaltig und vor Ort nachvollziehbar gestalten

Ausstellung in der Pfalzbibliothek über die Deportation nach Gurs

„Der Bezirksverband Pfalz will – auch stellvertretend für die Pfälzer Städte und Landkreise – Verantwortung für die Vergangenheit, insbesondere für dieses dunkle Kapitel der pfälzischen Geschichte, übernehmen“, stellte Bezirkstagsvize Manfred Petry bei der Eröffnung der Ausstellung „Gurs – Erinnern und Gedenken“ in der Pfalzbibliothek Kaiserslautern fest. Vorrangiges Ziel sei es, „vor allem die Jugend in die Gedenkarbeit einzubeziehen“. Auf der Grundlage und den Kontakten, die man im vergangenen Jahr beim Hambacher Fest der Jugend zu den pfälzischen Schulen geknüpft habe, sei das Konzept entstanden, 15 Schülerzeitungsredakeurinnen und -redakteure nach Gurs einzuladen. In das südwestfranzösische Lager am Fuße der Pyrenäen waren im Oktober 1940 rund 6.500 Juden aus dem deutschen Südwesten, darunter etwa 825 aus der Pfalz, verschleppt worden. Der Besuch der 14- bis 20-Jährigen aus unterschiedlichen Schularten und allen Teilen der Pfalz und ihre Gespräche mit der Zeitzeugin Margot Wicki-Schwarzschild im ehemaligen Lager und auf dem Deportiertenfriedhof sei ein „beeindruckender Einstieg in die Jugendgedenkarbeit des Bezirksverbands Pfalz gewesen“ und habe gezeigt, wie wichtig es sei, „das Gedenken nachhaltig zu gestalten und vor Ort nachvollziehbar zu machen“, so Petry.

Über das Schicksal der deportierten Juden berichtete Roland Paul vom Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde; dazu las Hannelore Bähr vom Pfalztheater aus Briefen von Gretl Drexler, die zwei Jahre im Lager Gurs interniert war und in Auschwitz starb. In einer sich anschließenden Gesprächsrunde, von Uwe Straß moderiert, schilderten die beiden Schülerzeitungsredakteure Svenja Lambert vom Veldenz Gymnasium Lauterecken und Johannes Krämer vom Albert-Schweitzer-Gymnasium Kaiserslautern sowie Fabienne Ganjon vom Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium Neustadt ihre Eindrücke, die sie kurz zuvor in Gurs gesammelt hatten: „Es war eine große Chance für uns, an diesen Ort zu kommen“, so die einhellige Meinung. Insbesondere die Gespräche mit Margot Wicki-Schwarzschild, die mit neun Jahren ins Lager kam, hatten die Schülerinnen und Schüler sehr berührt. Das Konzept der Wanderausstellung „Souvenir de Gurs“ erläuterte ein Beteiligter aus Mannheim, der sie drei Jahre zuvor zusammen mit 18 Jugendlichen gestaltet hatte. Im Mittelpunkt stehen die Schilderungen zweier Überlebender, Paul Niedermann und Amira Gezow, anhand von Texten, Fotos und Abbildungen von Dokumenten zur Deportation. Briefe von Pfälzer Juden sowie Fotos vom Lagergelände, der Gedenkstätte und dem jüdischen Friedhof ergänzen die Ausstellung, die bis 27. Juni zu sehen ist (Eintritt frei). Die Pfalzbibliothek Kaiserslautern, Bismarckstraße 17, ist montags bis mittwochs von 9 bis 12.30 Uhr und 14 bis 16.30 Uhr, dienstags zusätzlich bis 18 Uhr, donnerstags durchgehend von 9 bis 16.30 Uhr und freitags ebenfalls durchgehend von 9 bis 15 Uhr geöffnet.