Kampfjets und Orchideenblüten

Fotografie-Ausstellung im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Monumental und leuchtkräftig: Diasec-Print des Fotografen Thomas Florschuetz aus der Serie „Valkyrie“ von 2006

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern eröffnet am Freitag, 28. Januar, um 19 Uhr die Ausstellung „Imperfekt“ mit Werken des Fotografen Thomas Florschuetz, die bis 1. Mai zu sehen ist. Thomas Florschuetz, geboren 1957 in Zwickau, ist ein international herausragender Vertreter der deutschen Fotografie. Die Schau ist in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Tübingen entstanden und vereint eine Auswahl jüngerer, seit 1997 entstandener Werkgruppen des Künstlers zu einem umfassenden Überblick. Fenster, Blumen, Kampfjets und Architekturen gehören zu seinen Motiven, die er mehrschichtig und vieldeutig komponiert. Wesentlich für Florschuetz‘ Werk des letzten Jahrzehnts sind gewisse Verfremdungseffekte und Arbeitsregeln; mithilfe von Blow-up, also Vergrößerung, sowie Schärfe, Unschärfe, Spiegelung und Fragmentierung befragt er seine Motive. Der Künstler setzt diese Mittel gezielt zur Schärfung der Wahrnehmung ein und regt zur Diskussion über sein Medium an, so etwa über die Frage, ob Fotografie dokumentarisch ist.

Hauptthema seiner monumentalen und leuchtkräftigen Diasec-Prints – ein Fotodruckverfahren, das den Bildern eine besondere Farbbrillanz verleiht – sind prominente Architekturen wie Oscar Niemeyers Bauten in Brasilia, das Berliner Neue Museum oder die Abbruchruine des Palasts der Republik. Auch Arbeiten zur Villa Glaeser in Kaiserslautern sind zu sehen. Weitere prägnante Werke sind die großformatigen Serien „Jets“ und „Valkyrie“. Diese Fotografien zeigen Ausschnitte ausrangierter Militärflugzeuge und -helikopter der US Air Force in der Sonora-Wüste im amerikanischen Südwesten. Florschuetz konfrontiert bauliche Motive und Kampfflugzeuge mit überraschenden Kontrapunkten: Duftig zarte Orchideenblüten, Gemüse oder Früchte verwandeln sich durch vergrößernde Nahsicht ins aufregend Fremde. Florschuetz, der sich seine fotografischen Fähigkeiten selbst angeeignet hat, begann seine künstlerische Laufbahn in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, in der ehemaligen DDR und war ab 1981 in Ostberlin tätig. Im Mittelpunkt seiner Fotografie steht zunächst der Mensch, er wird bekannt mit zergliedernden Selbstakten des eigenen Körpers. Mit diesen Arbeiten gewinnt er 1987 den renommierten Preis für junge europäische Fotografie in Frankfurt am Main. 1988 übersiedelt der Künstler nach Westberlin. Dort entsteht eine neue Werkgruppe durchleuchteter Körperteile mit hohem Abstraktionsgrad. 1997 vollzieht Florschuetz eine radikale stilistische Wende weg vom Menschenbild und entwickelt seine für das weitere Schaffen verbindliche Formensprache. Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin und Rio de Janeiro in Brasilien. Seit 2007 ist er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.

Zur Ausstellung ist ein 112-seitiger Katalog mit Texten in deutscher und englischer Sprache erschienen, der für 28 Euro erhältlich ist. Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Museumsplatz 1, ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und dienstags von 11 bis 20 Uhr geöffnet.